1/6
Das austretende Gas verursacht in der Ostsee eine immense Blasenbildung.
Gas fließt ungehindert von den Nord Stream-Pipelines in die Ostsee. Am Montag wurde bei Nord Stream 2 ein viertes Leck gemeldet. Neben den möglichen Ursachen und Folgen stellt sich eine Frage: Wie lässt sich der Schaden beheben? Genaue Schätzungen sind derzeit schwierig, da das Ausmaß der Schäden noch unklar ist.
Starke Blasenbildung ist jedoch ein Hinweis auf das Ausmaß des Schadens. „Die strukturelle Integrität der Pipeline muss massiv beschädigt sein“, sagte Nord Stream 2-Sprecher Ulrich Lissek der Nachrichtenagentur dpa. Er sprach von einem möglichen „Riesenriss“.
Die Behörden befürchten bleibende Schäden
Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten derweil das Schlimmste: Wenn die vier beschädigten Rohre der Pipelines Nord Stream 1 und 2 nicht schnell repariert werden, könnten sie für immer unbrauchbar werden. Das berichtet der „Tagesspiegel“ und stützt sich auf Informationen aus Regierungskreisen. Je länger Reparaturen hinausgezögert werden, desto mehr Salzwasser sickert in die Rohre und kann diese beschädigen.
Die Reparatur der Nord Stream-Pipelines ist dringend, aber es wird schwierig sein
Der Betreiber der Gaspipeline Nord Stream 1 schließt jedoch generell nicht aus, die beschädigte Doppelkette zu reparieren. Es gebe Erfahrungen und Lieferanten für mögliche Arbeiten, sagt ein Sprecher der Nord Stream AG gegenüber dpa. Wir wollen den Schaden schnellstmöglich begutachten. Dafür müssten die Behörden allerdings erst die verhängten Sperrzonen aufheben.
Eine Exploration oder gar Reparatur dürfte für die Nord Stream 2 AG schwierig werden, da das Unternehmen seit Anfang des Jahres unter US-Sanktionen steht, die Geschäfte mit dem in Steinhausen ZG ansässigen Unternehmen unmöglich machen. Zu möglichen Kosten und wer diese tragen würde, wollte der Sprecher keine Angaben machen.
Gasleitungen müssen erst „vergasen“
Nach Angaben der Betreiber der Schwesterpipeline Nord Stream 1 wollen sie die Schäden zunächst mit unbemannten Unterwasserfahrzeugen erkunden, die von Schiffen aus gesteuert werden. Ähnliche Geräte würden auch für regelmäßige Inspektionen verwendet.
Die Reparatur einer Unterwasserpipeline ist jedoch keine leichte Aufgabe. Unterwasserreparaturen sind komplex und gefährlich.
Schon vor den Druckproblemen floss weder durch Nord Stream 1 noch durch Nord Stream 2 Gas von Russland nach Europa. Letztere wurde nie in Betrieb genommen. Der russische Gaskonzern Gazprom hat Anfang September alle Lieferungen durch Nord Stream 1 eingestellt.
In beiden Pipelines befanden sich jedoch mehrere Millionen Kubikmeter Erdgas. Daher werden die Betreiber Reparaturen wahrscheinlich nicht so schnell erledigen können. „Zuerst muss die gesamte Pipeline entgast werden“, sagt Gerald Bachler, Ingenieur und Bereichsleiter Industrie beim Tüv-Süd Österreich, gegenüber dem Nachrichtenportal Futurezone. Davor besteht hohe Explosionsgefahr.
Laut der dänischen Zeitung „Berlingske“ soll der Chef der dänischen Energiebehörde, Kristoffer Bötzauw, das Gas derzeit voraussichtlich bis Sonntag vollständig ausströmen lassen.
Ein gefährlicher Beruf
Grundsätzlich habe jeder Leitungsbetreiber unterschiedliche Sanierungskonzepte, sagt Bachler. Ob solche großen Explosionen berücksichtigt wurden, kann er allerdings nicht beurteilen. Bachler geht davon aus, dass Betreiber ganze Abschnitte ersetzen und neue Rohre produzieren müssen.
Dazu senkt ein Schiff ein Unterwasserhabitat ab, eine Art Tauchkammer. Die Station wird über die zu reparierende Stelle geschoben, fixiert und das Wasser aus dem Raum gepumpt. Mittels Druckluft wird eine trockene Überdruckumgebung erzeugt. Ein Schweißer könne dann das Habitat betreten und „wie an der Oberfläche schweißen“, erklärt Bachler.
Weitere Informationen zu Nord Stream-Gaspipelines
Zuvor sollten jedoch möglichst viele Schweißnähte am Boden durchgeführt werden. Das spart Kosten und schützt den Schweißer vor unnötigen Gefahren. „Der Job eines Unterwasserschweißers ist definitiv einer der gefährlichsten, den man sich vorstellen kann“, sagt Bachler gegenüber Futurezone. Unter anderem besteht die Gefahr der Dekompressionskrankheit.
Was auch vorab erledigt werden muss: Auf beiden Seiten des Rohres muss ein sogenannter Molch eingesetzt werden. Sie sind Geräte, die die Leitungen warten oder Maßnahmen ergreifen. In diesem Fall tragen sie laut Bachler dazu bei, dass weder Wasser noch Gas aus der Leitung entweichen. (Baby)