Marktbericht
Stand: 11.10.2022 13:33
Wirtschaftsrisiken drücken die Preise an den Rohstoff- und Aktienmärkten. Der DAX rutscht immer weiter ins Minus. Ein bevorstehender Test des Jahrestiefs scheint fast unvermeidlich.
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Zinserhöhungen der US-Notenbank und des Krieges in der Ukraine treiben den DAX im Laufe des Tages immer weiter nach unten. Er sinkt auf 12.099 Punkte, was weniger als 1,4 Prozent entspricht.
DAX zeigt auf Jahrestief
Die 800-Punkte-Rallye des DAX zu Monatsbeginn entpuppte sich als Fehlausbruch. Anleger sollten sich im Laufe der Woche auf einen Test des Jahrestiefs bei 11.863 Punkten einstellen. Nur eine schnelle Erholung über die 12.400-Punkte-Marke könnte kurzfristig den schlimmsten Druck auf die deutschen Benchmarks lindern. Aber im Moment sieht es nicht danach aus.
„Solange die wirtschaftlichen Aussichten so düster und die politischen Risiken so hoch sind, traut sich kaum jemand, Aktien zu kaufen“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Anlageberater QC Partners. “Günstige Bewertungen reichen den meisten Menschen derzeit nicht aus, um zu kaufen.”
Dow und Nasdaq stehen vor weiteren Verlusten
„Die grassierende Inflation in Verbindung mit einer restriktiven Geldpolitik, geopolitische Spannungen und die Angst vor einer Rezession belasten die Aktienmärkte grundlegend“, betont IG-Analyst Salah-Eddine Bouhmidi. Auch die anstehende Berichtssaison und die US-Zwischenwahlen im letzten Quartal könnten zu einer hohen Volatilität führen.
Auch die Wall Street dürfte heute weiter fallen. Die Futures für Amerikas führenden Dow Jones Industrial Average liegen derzeit 0,9 Prozent im Minus. Am Tag zuvor hatte ein Ausverkauf bei Technologieaktien die Anleger verunsichert. Nasdaq 100 Technologie-Pick-Index-Futures werden derzeit 1,0 Prozent niedriger gehandelt.
Sorgen um die Wirtschaft belasten Öl und Kupfer
Auch an den Rohstoffmärkten sind Konjunkturpessimisten in der Überzahl. Rohöl der Sorte Brent Nordsee fiel um 1,3 Prozent auf 94,97 $ pro Barrel (159 Liter) und Kupfer fiel um 0,8 Prozent auf 7.515 $ pro Tonne. Bei Rohstoffen belastet laut Börsenmaklern auch das Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie im Top-Einkäufer China die Stimmung.
Der „sichere Hafen“ US-Dollar bleibt gefragt
Der “sichere Hafen” Dollar ist an den Devisenmärkten nach wie vor gefragt. Hohe US-Zinserwartungen stärken weiterhin die US-Währung. Im Gegenzug schwächelt der Euro, wobei die gemeinsame europäische Währung bis zur Mittagszeit 0,2 Prozent niedriger bei 0,9695 $ gehandelt wird.
Pfund fällt nach erneuter Intervention der BoE
Unterdessen zwingen die jüngsten Preisturbulenzen am Anleihemarkt die Bank of England (BoE) zu einem erneuten Eingreifen. Es kündigte Notkäufe von inflationsgebundenen Anleihen an, nachdem die Renditen der 10-jährigen Papiere Anfang der Woche auf ein Rekordhoch von 1,356 Prozent gestiegen waren. Neue Geldspritzen der Fed lassen das Pfund Sterling um bis zu 0,5 Prozent auf 1,0996 US-Dollar fallen.
Doppelseitiges Druckgold
Die Stärke des Dollars und die hohen Erwartungen an die US-Zinsen drücken weiterhin auf den Goldpreis. Das gelbe Edelmetall, das Anfang des Monats auf 1.730 $ gestiegen war, verlor bis zum Mittag 0,5 Prozent auf 1.662 $ je Feinunze.
Übernahmespekulationen treiben Qiagen an die DAX-Spitze
Mit einem Plus von mehr als sechs Prozent thronte die Qiagen-Aktie zur Mittagszeit an der Spitze des deutschen Leitindex. Der DAX-Konzern soll über eine Fusion mit dem amerikanischen Konkurrenten Bio-Rad Laboratories verhandeln. Gespräche seien schon länger im Gange, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein Deal ist in den kommenden Wochen jedoch nicht zu erwarten, möglicherweise kommt es auch gar nicht zu einem Deal.
Chemieaktien nach negativer Branchenstudie unter Druck
Am unteren Ende des DAX befinden sich jedoch zwei Chemiewerte, Brenntag und Covestro. Auch die Rollen von BASF, Lanxess, Evonik und Wacker Chemie stehen unter Druck. Eine pessimistisch klingende Branchenstudie von Morgan Stanley kostet die Aktien einen Teil der üppigen Gewinne des Vortages. Die Vorschläge der Expertenkommission zur Gaspreisbremse haben gestern zu kräftigen Kursgewinnen für besonders energieintensive Chemieunternehmen geführt.
Symrise im Givaudan-Sog
Symrise-Aktien sind auch enthalten in…