Warum der SCB-Tempel mit großer Fußrampe keine Zukunft hat

Beim Spiel gegen Roman Josis Nashville war der SCB-Tempel voll

Eismeister Zaugg

Die grosse Fussrampe ließ den SC Bern zum mächtigsten und mitunter reichsten und glorreichsten Eishockey-Unternehmen der Neuzeit werden. Der SCB ist im besten Sinne des Wortes durch die Fans, durch die Menschen zu dem geworden, was er heute ist. Doch jetzt haben sich die Zeiten geändert und die Fußrampe ist nur noch ein Relikt aus einer fernen Zeit, wie die Dampfeisenbahn.

15.10.2022, 18:2916.10.2022, 16:18

Eishockey ist zu einem Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Zumal Eishockey den Fernsehsendern den „Rohstoff“ für Live-Übertragungen liefert. Gleichzeitig erfordert diese Entwicklung den Aus- und Umbau von Infrastruktur (Stadien) und zieht eine tiefgreifende Veränderung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfelds nach sich. Der allgemeine Rückgang der Besucherzahlen ist der Beginn einer Entwicklung, die unsere Eishockeyhersteller auf Trab halten wird. Als Beginn einer neuen Ära können wir auch die Eröffnung des neuen Hockeytempels in Zürich mit kleinen Stehplätzen bezeichnen.

Insgesamt ist die Stadionauslastung in der Liga im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit von 89,39 auf 79,58 Prozent gesunken. Beim Zuschauer-Krösus SCB macht sich der Zuschauerrückgang in Zeiten einer bevorstehenden Sportbelebung deutlicher bemerkbar (von 95,65 auf 83,86 Prozent). Dieser Rückgang ist besorgniserregender als bei jedem anderen Spitzenklub. Denn kein anderer Verein ist so sehr auf die Gunst des Publikums angewiesen. Pro Spiel fehlen etwa 2.000 Fans. Setzt sich der Trend so fort, fehlen am Saisonende 50’000 zahlende Kunden oder über vier Millionen Franken Umsatz.

So wie die Dampfeisenbahn die Industrialisierung befeuerte, waren die Menschen in der Halle als „Sportproletariat“ über 50 Jahre lang der „ökonomische Sauerstoff“ des Eishockeybusiness. Nach und nach entdeckten ab den 1970er Jahren das Fernsehen, dann die Werbung (und Werbefirmen) und schließlich die obere Mittelschicht, die Elite, das Eishockey.

In den frühen 1970er Jahren spielte ein Gewinnerteam weniger als eine Million ein. Heute ist der Umsatz der großen Vereine mit Sport- und Hilfsbetrieben auf 50 Millionen gestiegen. Der Weg zurück zur Bescheidenheit ist nicht mehr möglich.

Wer viel Geld ausgibt, um ein Eishockeyspiel zu besuchen oder seine Kunden einzuladen, verlangt dafür Bequemlichkeit. Das ist einer der Gründe, warum Stadien komplett saniert oder gar komplett umgebaut werden, wie zuletzt in Zürich.

Die neuen Tempel orientieren sich stärker an den Bedürfnissen der höher zahlenden Mittelschicht und zahlenden Firmenkunden und nicht mehr primär an den günstigeren Stehplätzen. Denn die Leistung von Sitz- und Gewerbeflächen ist einfach größer als die von Stehrampen.

In den neuen Eishockey-Tempeln stehen noch Rampen. Aber sie haben ihren Geltungsbereich eingeengt. Abgegrenzte Bereiche für Gästefans wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Sie verursachen zusätzliche Kosten und Tätigkeiten und bringen zu wenig Nutzen. Für die Stadionatmosphäre reichen die eigenen Fans.

Das Erfolgsrezept: die richtige Balance zwischen Sitz- und Stehplatz und zwischen Erlebniswert und Komfort. Stimmt dieses Verhältnis nicht mehr, sinkt die Rendite. Die Fussrampe beim Berner Hockeytempel ist die grösste der Hockeywelt. Als „die Mauer“ hat sie Kultstatus und einen hohen Erlebniswert. Und nun wird es dem SCB zum Verhängnis: Es ist so gross, dass Präsident Marc Lüthi und seine Manager glauben, es sei nicht mehr wegzudenken.

Voll besetzt wird diese gigantische Stehtribüne aber nur in Ausnahmefällen. Das Komfortniveau ist zu gering und der Erfahrungswert in der heutigen Zeit nicht hoch genug. In renovierten oder neuen Hockeytempeln ist das Verhältnis von Sitzplätzen zu Stehplätzen besser als in Bern. Als Beispiel der neue Hockeytempel der Lions des ZSC: 12.000 Sitzplätze, 1.900 Stehplätze. In Bern verfolgt mehr als die Hälfte der Zuschauer – 9778 von 17031 – die Spiele von der Tribüne aus.

Dadurch kann die Konkurrenz mittelfristig höhere Renditen aus dem Eishockeygeschäft erzielen (die dann direkt in die Spielergehälter einfließen). Der SCB, seit den 70er Jahren dank seiner riesigen Fußrampe, einem Krösus, der sich ohne Gönner überschneiden könnte, immer mehr von der ersten Position in die erste Hälfte des Wirtschaftsfeldes ab.

Ein neues Stadion wie Zürich oder Biel kommt in Bern nicht infrage. Es gibt weder private Investoren wie in Zürich, noch hätte ein mit Steuergeldern finanziertes Neubauprojekt eine politische Chance. Bleibt also nur noch die Reform des alten Tempels. Je früher der SCB zumindest einen Teil seiner Stehplätze in Sitzplätze umwandelt, desto besser sind seine Chancen, langfristig wieder ein wirtschaftlicher und sportlicher Titan zu werden.

HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs waren bereits Schweizer Meister im Hockey

1/12

HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs waren bereits Schweizer Meister im Hockey

jene: schlüsselfertig / ennio leanza

Despacito mit Eishockeyspielern

Video: Watson

Das könnte Sie auch interessieren:

Das Gerücht von «Pilatus Today» vom Samstagmorgen, Sascha Ruefer könnte Stefan Wolf als Präsident des FC Luzern ablösen, ist nicht wahr. Stunden später dementierte der Sportreporter „20 Minuten“.

Beim FC Luzern schwingt es schon lange mit. Es versteht sich, dass der Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg wünscht, dass der gesamte Verwaltungsrat an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 3. November gewählt wird.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *