Pressezeit Ludwig für den Zugang von Asylbewerbern zum Arbeitsmarkt

Zur „Pressestunde“ am Sonntag war Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) geladen. Er verteidigte sein Vorgehen im Fall Wien Energie und forderte, dass einige Asylsuchende arbeiten dürfen.

WIEN. Inflation, Asyl und Migration, die Wien-Energie-Affäre, der Bau des Lobau-Tunnels: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat sich am Sonntag in der ORF-“Pressestunde” zu zahlreichen Themen geäußert. Ludwig, aktuell auch Sprecher der Landeshauptleutekonferenz, verteidigte sowohl seine Entscheidungen im Zuge des Wien Energie-Falls als auch den Bau des Lobautunnels und die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.

„ZiB“-Redakteur Matthias Westhoff und Veronika Dolna, Leiterin Innenpolitik der „Kleinen Zeitung“, haben Ludwig in der letzten „Pressestunde“ zu verschiedenen Themen befragt. Wie schon nach der Landeshauptleutekonferenz am vergangenen Freitag in Wien forderte Ludwig am Sonntag von der Bundesregierung erneut eine Gaspreisbremse, wie sie in Deutschland eingeführt wird; dies würde unter anderem die nationale Wirtschaft wettbewerbsfähig halten.

Asylsuchende auf dem Arbeitsmarkt

Zum Thema Asyl und Migration hat sich der Wiener Bürgermeister für einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt für Menschen mit noch laufenden Asylverfahren und guten Bleibechancen in Österreich ausgesprochen „Wir brauchen Arbeitskräfte in praktisch allen Branchen“, sagt Ludwig. Eine Zwangsarbeit für alle Asylbewerber lehnte er jedoch ab.

Obwohl Ludwig die Bereiche Arbeitsmigration und Asyl getrennt betrachten wollte, sollten „Brücken zwischen beiden Bereichen“ zum Wohle der österreichischen Wirtschaft geschaffen werden. Ab wann bestimmte Asylsuchende Zugang zum Arbeitsmarkt haben sollen, sollte mit den Sozialpartnern ausgehandelt werden.

Chatnachrichten und Wien Energie

Was sein Vorgehen im Fall Wien Energie betrifft, sieht Ludwig kein Fehlverhalten. Konkret wurde er nach dem Darlehen des Wiener Gemeinderates an Wien Energie gefragt, das er im vergangenen Juli im beschleunigten Verfahren unterzeichnete – ohne den Rat vorher zu informieren. Er habe von seiner Notstandsbefugnis Gebrauch gemacht und werde dies auch heute wieder tun, versicherte der Bürgermeister. Die politische Zuständigkeit würde nun im Rahmen der Untersuchungskommission geklärt.

Ob Daten seines beruflichen Smartphones im Rahmen der Ermittlungen im Fall Wien Energie ausgewertet werden sollen, überließ Ludwig den Richtern. Westhoff wollte wissen, ob es politisch brisante Chat-Nachrichten auf seinem Handy gebe. „Das glaube ich nicht“, antwortete der Wiener Bürgermeister.

Angesprochen auf die Zweifel einiger Experten am Sinn der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien, wenn es in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens keine Maskenpflicht mehr gebe, verteidigte Ludwig das Festhalten an diesem „relativ kleinen Medium“. Damit soll eine Ansteckung mit den Corona- und Grippeviren gestoppt werden. Anders als bei einem freiwilligen Besuch in einer Diskothek haben viele Wiener keine Wahl und müssen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Diese Passagiere sollten geschützt werden, ebenso wie ältere Menschen und andere gefährdete Gruppen in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

“Sie verstehen unsere Schande nicht”

Ludwig hielt den Bauplan des Lobautunnels bei „Pressezeit“ aufrecht. Trotz der Proteste werde es „erstens notwendig sein, die Stadt zu versorgen und zweitens den Verkehr umzuleiten“, sagte der Oberbürgermeister. Allerdings sieht Ludwig den Klimaschutzprotest als “legitim, wenn nicht gewalttätig. Allerdings müssen politische Entscheidungen umgesetzt werden.”

Am Ende der Sendung wurde das „Expat City Ranking 2022“ genannt, das Wien erneut zur feindseligsten Stadt der Welt kürte. “Ich glaube, sie verstehen unsere Schande nicht”, erklärte der Bürgermeister.

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