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Erstellt: 11.12.2022 07:12
Von: Carolyn Gehrmann
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mRNA-basierte Impfstoffe waren der Durchbruch der Corona-Pandemie. Die Technologie könnte auch im Kampf gegen HIV wirksam sein.
Bremen: Durch die Corona-Pandemie ist den meisten Menschen das Wort mRNA-Impfstoff mittlerweile ein Begriff. In Rekordzeit wurden mit dieser Technologie mehrere wirksame Impfstoffe gegen die durch das Coronavirus verursachte Krankheit Covid-19 entwickelt. Der Hersteller Moderna, dessen Corona-Impfstoff von vielen als sogenannter „Booster“ verwendet wurde, untersucht derzeit in Zusammenarbeit mit einem Team von Wissenschaftlern einen HIV-Impfstoff, der ebenfalls auf dem mRNA-Prinzip basiert. Die erste Studie zeigte überraschende Ergebnisse: 97 Prozent der Probanden entwickelten nach der Impfung Antikörper gegen das HI-Virus.
HIV-Impfung: nach 40 Jahren Suche nach vielversprechenden Ergebnissen mit dem mRNA-Impfstoff
Wissenschaftler suchen seit 40 Jahren nach einem wirksamen Impfstoff gegen das Humane Immunschwächevirus (HIV). Doch das Virus macht es den Forschern schwer, weil es dazu neigt, sehr häufig zu mutieren. Da es seine Oberfläche sehr schnell verändert, kann es potenziellen Antikörpern und damit dem Immunsystem schneller entkommen. Der Erfolg der mRNA-Impfung gegen das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass auch die Forschung an möglichen Impfungen mit dieser Technologie gegen andere Krankheiten auf Hochtouren läuft.
Das HI-Virus hat die Tendenz, schnell zu mutieren. Dies hat bisher die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs verhindert. © Hans Gelderblom/dpa
Moderner HIV-mRNA-Impfstoff: Das Immunsystem wird darauf trainiert, HIV-Subtypen zu erkennen
Der jetzt getestete HIV-mRNA-Impfstoff kann das Immunsystem trainieren, eine breite Palette natürlich vorkommender HIV-Subtypen zu erkennen, sagt Studienautor William Schief gegenüber Sciencealert, und daher ist er auch in der Lage, mehrere Mutationen abzudecken. „Es gibt ein paar Stellen auf der Oberfläche des HIV-Spikes, die in verschiedenen Isolaten gleich oder relativ gleich bleiben. Und wir versuchen, sehr spezifische Antikörper zu erhalten, die sehr spezifische Eigenschaften haben, die es ihnen ermöglichen, genau an diese Stellen zu binden, “, erklärt Schief.
Die HIV-mRNA-Impfung zeigt im Test nur geringe Nebenwirkungen
Der neue Impfstoffkandidat ist laut Forschern ein erster Schritt in Richtung einer breit angelegten Immunität gegen HIV. Obwohl es sich um eine relativ kleine Phase-1-Studie handelt, bleiben die Ergebnisse vielversprechend. Von den 36 Studienteilnehmern entwickelten 35 Antikörper gegen das HI-Virus. Auch die Nebenwirkungen seien geringer gewesen, berichteten die Wissenschaftler. Lediglich Kopfschmerzen und Schmerzen an der Injektionsstelle wurden beobachtet, ähnlich wie bei einer Corona-Impfung.
“Wir sind optimistisch, dass dieser Ansatz für mehr als nur HIV nützlich sein könnte.”
Derzeit befindet sich die Impfstoffforschung noch in Phase 1. Daher ist weitere klinische Forschung erforderlich, bevor der mRNA-basierte Impfstoff auf den Markt kommen kann. Eine Garantie, dass das Medikament tatsächlich zugelassen wird, gibt es derzeit nicht, wie Schief betont. Die erzielten Ergebnisse machen Wissenschaftlern nun aber Hoffnung, auch im Hinblick auf den Einsatz von mRNA zur Bekämpfung anderer Krankheiten wie Krebs oder Grippe. „Wir sind optimistisch, dass dieser Ansatz mehr als nur HIV helfen könnte“, sagte Schief, „obwohl es enorm wäre, wenn er nur HIV helfen würde.“
HIV bleibt ein großes globales Gesundheitsproblem – ein wirksamer Impfstoff könnte das ändern
HIV und die von ihm verursachte Krankheit AIDS stellen weltweit nach wie vor ein großes Gesundheitsproblem dar. Ende 2020 lebten 37,7 Millionen Menschen mit HIV. Allein im Jahr 2020 haben sich weltweit 1,5 Millionen Menschen neu mit HIV infiziert. 680.000 Menschen starben in diesem Jahr im Zusammenhang mit ihrer Infektion. Obwohl die Zahl der nachgewiesenen HIV-Infektionen in Europa zurückgegangen ist, vermuten Experten, dass viele Fälle aufgrund der Corona-Pandemie möglicherweise unbemerkt geblieben sind.
Laut Robert-Koch-Institut lebten Ende 2021 in Deutschland 90.800 Menschen mit HIV. Davon bleiben schätzungsweise 8.600 HIV-Infektionen unerkannt. „Diese Fallzahlen sind noch zu hoch, es bedarf weiterer Anstrengungen, insbesondere um zielgruppenspezifische Testangebote und den Zugang zu Therapie und Prophylaxe zu verbessern“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Wirksame Impfungen könnten diese Zahlen deutlich reduzieren und damit erheblich zur globalen Gesundheit beitragen. Daher könnte die aktuelle Forschung zu mRNA-basierten Impfstoffen eine vielversprechende Erweiterung früherer Forschungsrichtungen darstellen, die sich auf Lebend- oder Proteinimpfstoffe konzentriert hatten.