Stand: 30.12.2022 22:54
Mit einem souveränen Erfolg über den Schotten Alan Soutar zog Gabriel Clemens ins Viertelfinale der World Darts Championship ein. Nun wartet in “Ally Pally” die schwierigste aller Prüfungen auf dich.
Gabriel Clemens hat mit einer dominanten Leistung deutsche Dartgeschichte geschrieben. Der 39-Jährige erreichte mit einem 4:1-Sieg über Alan Soutar als erster Deutscher das WM-Viertelfinale in London und darf nun gegen den walisischen Weltranglisten-Ersten Gerwyn Price antreten.
Der „deutsche Riese“, wie Clemens sich selbst nennt, war dem schwachen Schotten vom ersten Satz an überlegen und dominierte das Match gegen den Underdog, der zuvor mit Daryl Gurney und Danny Noppert zwei WM-gesetzte aus dem Rennen geworfen hatte. Auch nach einem kurzen Einbruch im zweiten Satz verlor Clemens nicht das Selbstvertrauen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich verlieren könnte.
Clemens schreibt die Geschichte des Darts
Vor zwei Jahren stand der Saarländer Clemens als erster Deutscher unter den letzten 16 der Weltmeisterschaft – und jetzt ist er der Erste, der auf den letzten acht Rängen des Alexandra Palace die 2,5 Millionen Pfund (rund 2,82 Millionen Euro) des Turniers erreicht. Im neuen Jahr wartet nun das Duell mit dem einst lupenreinen Muskelprotz Price, der zu den großen Favoriten zählt. Für Dards wird Deutschland das wichtigste Spiel der Geschichte.
Im bisherigen Turnierverlauf hatte Clemens den Iren William O’Connor (3:0) und den Waliser Jim Williams (4:3) besiegt. Wie Soutar waren beide ungesetzt, aber der Feuerwehrmann und Blindenführhundetrainer aus Schottland galt als bisher größte Hürde. Der 44-Jährige absolvierte den Feuerwehrdienst im Schichtdienst zwischen seinen Spielen in London und ist auch an Silvester im Einsatz. Auf die Frage, wann er schläft, antwortete Soutar: „Im Januar.“
Laute deutsche Fans bei “Ally Pally”
Von mehr als 500 deutschen Fans lautstark angefeuert, legte Clemens einen starken Start hin. Die Erstaufnahme erreichte die Höchstpunktzahl von 180 Punkten und begeisterte die bunt gekleideten Fans, die wie immer „Oh, wie schön ist das“ skandierten. Clemens holte sich den ersten Satz ohne Probleme.
Das Match war von vielen Fehlern geprägt und nicht so kurzweilig und niveauvoll wie das Drittrunden-Duell mit Williams, aber Clemens hatte auch dieses Mal wieder seine starken Momente. Als er im dritten Satz Bullseye mit 1:1 dominierte, klatschte er überschwänglich in Richtung seines Rahmens für Freundin Lisa. Der vierte Satz wurde zu einem Thriller, den Clemens mit Nerven aus Stahl gewann. Danach war das Match schnell entschieden.
Nächster Gegner: Primus Price
Nach drei emotionalen Einzelerfolgen bei der Weltmeisterschaft, die sportlich in die Kategorie „must win“ fiel, steht Clemens nun vor der ultimativen Bewährungsprobe. Der ehemalige Rugby-Profi Price ist in Form und braucht den 500.000-Pfund-Titel, um am Tag nach dem WM-Finale am 3. Januar an der Spitze der Darts-Welt zu bleiben.
Clemens freut sich auf die Aufgabe: „Vor dem Turnierstart habe ich gelesen, dass ich hier vielleicht ein Spiel gewinnen werde. Jetzt bin ich nicht nur zu Weihnachten hier, sondern auch zum ersten Mal zu Silvester, das ist gut.“ . „Ich sehe mich nur an. Wenn ich wieder auftreten und zur richtigen Zeit da sein kann, denke ich, dass ich Gerwyn Price gefährlich werden kann.”
Smith gibt Cullen keine Chance
Im rein englischen Duell zwischen dem Weltranglisten-Vierten und dem Weltranglisten-13. gewann Michael Smith deutlich mit 4:1 gegen Joe Cullen. Smith, der in der Vorrunde beinahe gegen den Deutschen Martin Schindler gescheitert wäre, spielte einen guten Durchschnitt von 103,25 und lag auch deutlich vor Cullen mit 40 Prozent im Doppel (93,86 und 31 Prozent).
Cross verfehlt Dobey
Im ersten Spiel der Abendsession bekam ein weiterer Mitfavorit ein Freilos. Rob Cross, 2018 nach Finalsieg gegen Phil Taylor als Sechster gesetzt und noch Weltmeister, verlor im nächsten rein englischen Duell gegen den teils furios spielenden Chris Dobey (Nummer 22 der Liste) mit 2:4.
Beide Spieler beendeten das Spiel über dem 100er-Durchschnitt, aber Dobey hatte in den entscheidenden Momenten die besseren Antworten. Unter anderem erzielte er mit einer 170 das höchstmögliche Ergebnis – er war erst der dritte „Big Fish“ im Zuge dieser WM.
Van Gerwen ist immer noch sehr zuversichtlich
Der niederländische Top-Favorit Michael van Gerwen untermauerte daraufhin seine Titelambitionen. „Mighty Mike“ besiegt Landsmann Dirk van Duijvenbode locker mit 4:1 und bleibt damit in seinem dritten Match unangefochten beim größten Turnier der Welt. Im Viertelfinale am Neujahrstag trifft van Gerwen auf Chris Dobey.
Van Duijvenbode, der nach seinem Job als „Auberginen-König“ bekannt ist, konnte nur selten mit van Gerwens Torstärke mithalten und hatte im Alexandra Palace kaum Chancen.
Diese: sportschau.de