Marktbericht
Stand: 18.07.2022 18:11
Auch die Anleger forderten Anfang der Woche das schwierige Umfeld heraus. Allerdings konnten die Aktienmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks ihre hohen Anfangsgewinne nicht halten.
Anfang der Woche setzte der deutsche Aktienmarkt seine Erholung vom Freitag fort. Zu weit aus dem Fenster werfen wollten sich die Anleger aber nicht: Nachdem der DAX zwischenzeitlich um 1,5 Prozent auf 13.062 Punkte gestiegen war, beendete er den Handel mit einem deutlich bescheideneren Plus von 0,74 Prozent.
Im derzeit schwierigen Umfeld scheinen die Marktteilnehmer jedoch weiterhin bereit zu sein, wieder höhere Risiken einzugehen. Diese sogenannte „Risk Over“-Positionierung zeigte sich auch auf den Öl- und Kryptomärkten. „Sichere Häfen“ wie der US-Dollar verloren.
Die Wall Street erholt sich weiter
Auch an der Wall Street hielt die Anfangsdynamik nicht lange an. Nach einem anfänglichen Plus von über einem Prozent notiert der Dow Jones aktuell um 0,6 Prozent höher. Dank robuster Wirtschaftsdaten beendete der Dow Jones am Freitag eine fünftägige Verlustserie und machte sein Wochentief fast wieder wett.
Die kurz vor Börsenstart präsentierten Quartalszahlen von Goldman Sachs und Bank of America kamen gut an. Wie bei JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup haben Kreditrückstellungen die Gewinne belastet.
Goldman Sachs fragte trotz sinkender Gewinne nach
Goldman Sachs verdiente im zweiten Quartal 2,9 Milliarden Dollar, 47 % weniger als vor einem Jahr. Dem Rückgang im Investment Banking und steigenden Kreditrückstellungen stand ein boomendes Aktienhandelsgeschäft gegenüber. Goldman-CEO David Solomon sprach von „soliden Ergebnissen“. Analysten erwarteten im Schnitt deutlich schwächere Zahlen. Goldman Sachs kündigte außerdem eine Erhöhung seiner Quartalsdividende von 2,00 USD auf 2,50 USD je Aktie an.
Die Bank of America stöhnt unter den Kosten
Bei den Zahlen der Bank of America herrschte zumindest zeitweise eine positive Interpretation vor. Hier ließen höhere Rückstellungen für notleidende Kredite und Rechtskosten den Gewinn im Jahresvergleich um 33 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar sinken. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar. Das starke Wachstum in einigen Geschäftsbereichen, wie dem Aktienhandel, konnte jedoch höhere Kosten nicht kompensieren.
Nervosität vor Donnerstag
„Die Erholung setzt sich also angesichts eines der wichtigsten Termine des laufenden Börsenjahres für den Euroraum fort, was ein starkes Signal ist“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets, mit Blick auf die EZB-Sitzung am Donnerstag.
Dass die Europäische Zentralbank in ihrem Rat erstmals seit neun Jahren den Leitzins um mindestens 25 Basispunkte angehoben hat, ist Fakt. Unsicherheiten gibt es beim neuen Anti-Fragmentierungs-Instrument der EZB, das die Notenbank am Donnerstag vorstellen will. Die EZB will die Ausweitung der Renditespreads zwischen Staatsanleihen verschiedener Länder der Eurozone bekämpfen.
Doch nicht nur die EZB-Sitzung findet am Donnerstag statt, an diesem Tag sollen auch die Wartungsarbeiten an der Pipeline „Nord Stream 1“ abgeschlossen sein. Wenn die Gasflüsse nicht wieder anlaufen, könnten die rückläufige Markterholung des Euro und der europäischen Aktien zusammen mit den Pipelineflüssen nachlassen, warnt Jeffrey Halley, Analyst bei Oanda Currency Brokerage.
Wenn Russland als Vergeltung für westliche Sanktionen die Gaslieferungen stoppt, würden Deutschland und der Rest Europas in eine Rezession fallen, glauben Ökonomen.
Linderung der Zinsprobleme in den USA
Unterdessen steuert die US-Notenbank bei der Sitzung nächste Woche auf eine weitere große Zinserhöhung zu. Der Rückgang der Inflationserwartungen erlaubt laut Marktexperten eine Begrenzung der Zinserhöhung auf 75 Basispunkte, nachdem an den Märkten über einen Anstieg um insgesamt Prozentpunkte spekuliert wurde.
Der Euro gewinnt weiter an Boden
Daher wird der sichere Hafen des US-Dollars zu Wochenbeginn nicht gesucht. Der Greenback schwächte sich gegenüber wichtigen Währungen wie dem Yen und dem Schweizer Franken ab. Gleichzeitig stieg der Euro um 0,5 Prozent auf 1,0160 Dollar pro Stunde. Die 1,00-Dollar-Marke wirkt derzeit als große Stütze für den Euro, betont Marktexperte Robert Rethfeld. Die Anleger bleiben jedoch nervös angesichts der ungewissen Zukunft der Nord Stream 1-Pipeline.
Die Ölpreise steigen weiter
Die Ölpreise steigen weiter. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg am späten Nachmittag auf 105,80 Dollar je Barrel. Die gesunkene Risikoaversion der Anleger befeuert die Ölnachfrage. Zudem macht der schwächere Dollar Öl für Käufer außerhalb der Dollarzone billiger und stützt damit den Preis des „schwarzen Goldes“.
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