Meinung Es gibt eine Lohn-Preis-Spirale
Bis zu 19 Prozent mehr: Dieser Tarifvertrag hat fatale Signalwirkung
Stand: 07:38 | Lesezeit: 3 Minuten
Lufthansa und Verdi einigen sich auf Bodenpersonal
Das Unternehmen und die Gewerkschaft Ver.di haben sich am Donnerstag in Tarifverhandlungen für das Lufthansa-Bodenpersonal geeinigt. Die rund 20.000 Mitarbeiter erhalten Gehaltserhöhungen von mindestens 325 Euro monatlich und weitere 2,5 Prozent in drei Stufen.
Mit nur einem kurzen Warnstreik erkämpfte sich das Bodenpersonal der Lufthansa eine satte zweistellige Gehaltserhöhung. Es zeigt, dass sich Unternehmen einen langen Arbeitskampf nicht mehr leisten können. Geschäftsleute stehen mit dem Rücken zur Wand.
Das Lächeln der Lufthansa-Mitarbeiter an den Check-in-Schaltern deutscher Flughäfen kommt vielleicht etwas mehr von Herzen als sonst: Sie können mit 14 bis 19 Prozent mehr Geld rechnen, mindestens 400 oder 500 Euro mehr im Monat. Ein deutlicher Lohnsprung für Mitarbeiter in einer Branche, die derzeit darum kämpft, aus einer tiefen Rezession herauszukommen.
Ob das Ergebnis der Ver.di-Verhandlungen auch ein Erfolg für alle Beteiligten ist, bleibt abzuwarten. Fliegen, kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Tag des Deals an, werde teurer.
Dies wird sich nicht unbedingt positiv auf die Anzahl der Buchungen auswirken. Bei Geschäftsreisen geht der Trend bereits weg vom Flugzeug und hin zur Bahn oder direkt zu Zoom und Teams.
Herausforderungen in Luftfahrt und Tourismus
Streik am Frankfurter Flughafen Flüge, Hotels, Mietwagen
Der erste Zusammenbruch der Lufthansa zeigt vor allem, wie Geschäftsleute derzeit mit dem Rücken zur Wand stehen. Die hohen Lohnforderungen sind angesichts der dramatischen Preissteigerungen verständlich.
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Und fatalerweise sind es gerade die Unternehmen in Krisenbranchen, die sich lange Arbeitskämpfe in der zu erwartenden Erholungsphase nicht leisten können. Der eintägige Streik kostete die Lufthansa in der vergangenen Woche laut Finanzvorstand Remco Steenbergen 35 Millionen Euro.
Für kurzfristig annullierte Flüge muss die Airline ihren Kunden erhebliche Entschädigungen zahlen; ein Streik im eigenen Betrieb gilt rechtlich als Betriebsstörung.
Piloten wissen jetzt, wie schwach der Verhandlungspartner ist
Die Lufthansa ist durch den jüngsten Imageschaden wohl mehr als millionenfach geschädigt worden. Die Luftfahrtindustrie und insbesondere die Passagiere erleben tagelanges Chaos in der Luft und am Boden. Eine Airline mit Prämienansprüchen kann es sich einfach nicht leisten, weitere Kunden mit einer Reihe von Streiktagen abzuschrecken.
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Die Kollegen in der Luft müssen das zusätzliche Fett am Boden mit großem Interesse bemerkt haben. Vor wenigen Tagen hat der Pilotenverband Cockpit in einer Abstimmung den Weg für eine Verlängerung der Streiks geebnet. Flugkapitäne wissen jetzt, wie weit sie mit ihren Forderungen gehen können. Sie wissen, wie schwach Ihr Verhandlungsgegner ist.
Denn es braucht jede Frau und jeden Mann. Lufthansa braucht dringend mehr Personal. Das Unternehmen beabsichtigt, in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 10.000 Nettomitarbeiter einzustellen. Während der Krise wurden zu viele Arbeitskräfte abgebaut, und dann wurde die Pilotenausbildung und -qualifizierung zu sehr verzögert. Angesichts des freien Fachkräftemarktes können Bewerber mit zuversichtlichen Gehaltsvorstellungen ins Vorstellungsgespräch gehen.
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Früher hat man in Krisenzeiten den Gürtel enger geschnallt. Heute werden ein paar zusätzliche Löcher gebohrt. Die Signalwirkung von Tarifabschlüssen im hohen zweistelligen Bereich ist absehbar. Sie werden auf andere Sektoren ausstrahlen und ebenfalls zu hohen Abschlüssen führen.
Die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale ist längst Realität. Hohe Lohnabschlüsse führen zu höheren Preisen und höherer Inflation, was wiederum zu höheren Lohnforderungen führt. Fliegen wird nicht nur viel teurer.
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