Lippenherpes: Ansteckend bei jedem Kontakt
Fieberbläschen gelten als besonders ansteckend, sobald Lippenherpes auftreten. Denn die Flüssigkeit in den Bläschen enthält viele Herpes-simplex-Viren. Bei jedem direkten oder indirekten Kontakt mit dem Inhalt der Blisterpackung können die Viren andere Körperteile erreichen oder andere Personen infizieren, zum Beispiel:
- durch engen Körperkontakt (zum Beispiel zwischen Eltern und Kindern oder zwischen spielenden Kindern)
- beim Küssen
- Berühren Ihrer Lippe (besonders wenn Sie danach Ihre Finger in den Mund stecken)
- auf Gegenständen, an denen das Virus haftet (z. B. Besteck, Teller oder Handtücher)
- beim Oralsex (wo das Virus den Genitalbereich infizieren und Herpes genitalis verursachen kann)
Auch der Speichel von Menschen mit akutem Lippenherpes kann Herpes-simplex-Viren enthalten und damit ansteckend sein: Betroffene können das Virus durch kleine Speicheltröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen auf andere übertragen. Allerdings ist diese Tröpfcheninfektion recht selten.
Nach der Übertragung dringen Herpes-simplex-Viren durch kleine oberflächliche Wunden in die Haut oder Schleimhaut ein. Von dort wandern sie zu nahe gelegenen Nervenknoten, wo sie dauerhaft verbleiben. Obwohl die Erstinfektion meist unbemerkt bleibt, können die Viren immer wieder aktiv werden und Lippenherpes auslösen. Betroffene gelten im Allgemeinen als ansteckend, bis die Bläschen getrocknet und die Krusten abgeheilt sind.
Menschen, die das Herpes-simplex-Virus in sich tragen, können jedoch auch ohne offensichtliche Anzeichen von Lippenherpes ansteckend sein. Denn einige von ihnen übertragen die Viren bekanntlich über ihren Speichel, obwohl sie im Körper inaktiv sind. Dies kommt jedoch selten vor.
Lippenherpes: Die Infektion kann schwerwiegende Folgen haben
Wer allgemein gesund ist, hat vor Lippenherpes nichts zu befürchten. Eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren bleibt oft unbemerkt. Dies gilt insbesondere für Erstinfektionen: Mehr als 90 % von ihnen verursachen keine Symptome.
Danach bleibt das Virus oft lebenslang inaktiv. Wenn sie aktiviert werden und Symptome verursachen, verschwinden sie normalerweise ohne Folgen von selbst. Ohne angemessene Hygiene können Menschen mit akutem Lippenherpes nicht nur andere anstecken, sondern das Virus auch auf andere Teile ihres eigenen Körpers übertragen, beispielsweise auf ihre Augen.
Viel gravierender sind die Folgen von Lippenherpes jedoch, wenn sich jemand ansteckt, dessen Immunsystem geschwächt ist: Dann können sowohl die Erstinfektion als auch nachfolgende Ausbrüche heftig sein.
Wenn kleine Kinder beispielsweise Lippenherpes bekommen, können sie Fieber, ein allgemeines Schwächegefühl und geschwollene Lymphknoten im Halsbereich haben. Außerdem sind Mundschleimhaut und Zahnfleisch oft entzündet. Es bilden sich sehr schmerzhafte Bläschen im Mund – manchmal auch an den Lippen und um den Mund herum – und Mundgeruch.
Ein besonders hohes Risiko bedeuten Lippenherpes für Neugeborene. Beispielsweise kann eine Infektion in den ersten Lebenswochen zu schweren Entzündungen im Körper führen, die sich auf immer mehr Organe ausbreiten und diese schädigen: Diese Herpes-Sepsis endet im Extremfall tödlich.
Auch Herpes labialis kann sich sowohl bei der Erstinfektion als auch bei einem erneuten Aufflammen weit über die Lippen ausbreiten: Dieses großflächige Eczema herpeticum tritt vor allem bei Menschen mit vorgeschädigter Haut (z. B. Neurodermitis) oder mit geschwächtem Immunsystem auf.
Ist das Immunsystem geschwächt, kann das Herpes-simplex-Virus in seltenen Fällen auch in tiefere Gewebeschichten eindringen und eine Entzündung des Gehirns auslösen: die sogenannte Herpes-simplex-Enzephalitis. Diese Komplikation von Lippenherpes betrifft vor allem ältere Menschen.