Marktbericht
Stand: 02.09.2022 16:17
Wichtige Daten zum US-Arbeitsmarkt werden von der Börse positiv aufgenommen. Damit endet die Woche versöhnlich: Der DAX steigt deutlich.
Was sich am Vortag abzuzeichnen begann, setzt sich heute fort. Der DAX erholte sich kräftig von seinen jüngsten Kursverlusten um mehr als zwei Prozent und überschritt die Marke von 12.900 Punkten. Gegenwind bekommt der Markt aus New York.
Die Wall Street, die sich am gestrigen Nachmittag bereits erholt hatte, startete freundlich und setzte die gestrige vorläufige Erholung fort. Die großen Indizes machten gestern vor allem am Nachmittag deutlich Boden gut. Der Leitindex Dow Jones ist um 0,5 % gestiegen und die Technologiebörse Nasdaq um etwa 0,4 %.
US-Arbeitsmarkt: Weiterhin robust, aber nicht überhitzt
Während die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten weiterhin das Bild eines robusten Marktes zeichnen, bieten sie auch Anzeichen für eine gewisse Beruhigung. Der Zuwachs an neuen Arbeitsplätzen außerhalb der US-Landwirtschaft war mit 315.000 Arbeitsplätzen etwas größer als erwartet. Experten hatten mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 300.000 neuen Stellen gerechnet.
„Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent auf 3,7 Prozent gestiegen“, sagte Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei der Maklerfirma AvaTrade. Dies ist das ideale Szenario für Anleger, die jetzt wissen, dass die Federal Reserve die Zinsen langfristig wahrscheinlich nicht aggressiv erhöhen wird. Beide Werte liegen leicht über dem Vor-Corona-Niveau vom Februar 2020, das im Juli erstmals wieder erreicht wurde.
50 oder 75?
„Der US-Arbeitsmarkt läuft auch in der zweiten Jahreshälfte auf Hochtouren. An den Finanzmärkten werden zwei Zahlen herumgewirbelt: 50 und 75 sind häufig genannte Kennzahlen. Die Rede ist von den Zinserhöhungen. september ecb 50 oder 75 Basispunkte erwartet, macht die Fed 50 oder 75 Basispunkte? Mit den aktuell guten Zahlen am US-Arbeitsmarkt dürfte sich die Frage der Fed geklärt haben. Eine weitere Zinserhöhung um 75 Basispunkte ist wahrscheinlich“, kommentiert Thomas Gitzel von der VP Bank.
Derzeit erwarten die meisten Marktteilnehmer diesen Anstieg. Das Zinsniveau läge dann in einer Bandbreite zwischen 3,00 und 3,25 Prozent und damit nahe an der Zielmarke von etwa 3,50 Prozent, die Bankchef Jerome Powell kürzlich ins Gespräch gebracht hatte. Der größte Teil der Flugbahn der US-Zinssätze wäre zunächst verlaufen. Um die steigende Inflation in den Griff zu bekommen, hat die US-Notenbank den Leitzins kürzlich zweimal hintereinander um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent angehoben.
Wirtschaftsupdate vom 02.09.2022
Stefan Wolff, Personal, 02.09.2022 10:01 Uhr
Die EZB unter Handlungsdruck
Zum Vergleich: In Europa sind es nur 0,50 Prozent. Angesichts des ähnlich hohen Preisdrucks steht die EZB unter erheblichem Handlungsdruck, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Denn das Preiskarussell dreht sich in der Eurozone immer schneller.
Die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten, sogenannte Erzeugerpreise, sind im Juli laut Statistikamt Eurostat im Vergleich zum Vorjahresmonat um 37,9 Prozent gestiegen. Das ist der stärkste Schub seit Bestehen der Währungsunion. Die Erzeugerpreise schlagen sich in der Regel zeitverzögert in den Verbraucherpreisen nieder.
Der Euro holt auf
Der Euro profitiert heute etwas von der freundlichen Stimmung an den europäischen Aktienmärkten, während der Dollar als sichere Alternative weniger gefragt war. Auch andere als sicher geltende Währungen wie der Schweizer Franken oder der japanische Yen gerieten unter Druck. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung mit einem Plus von rund einem halben Prozent exakt auf dem Niveau des US-Dollars. Der Euro profitiert von der Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung durch die EZB am 8. September, dem nächsten Sitzungstermin.
Importe und Exporte sinken
Das zweite Halbjahr begann mit einem Rückschlag für die deutschen Exporteure aufgrund des Nachfragerückgangs bei ihren beiden wichtigsten Abnehmern USA und China. Seine Exporte sanken laut Statistischem Bundesamt im Juli gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent auf 131,3 Milliarden Euro.
Ein weiterer Rückgang des Erdgaspreises
Die Situation auf dem europäischen Erdgasmarkt entspannt sich weiter, was die Stimmung der Anleger heute definitiv heben sollte. Der Preis des TTF-Futures-Kontrakts auf niederländisches Erdgas fiel am Morgen um mehr als 16 Prozent auf einen Tiefststand von 203 Euro pro Megawattstunde. Der Vertrag gilt als Benchmark für die Gaspreise in Europa. Ende vergangener Woche lag der Preis fast 150 Euro höher. Allerdings kostet europäisches Erdgas immer noch dreimal so viel wie vor dem Ukrainekrieg.
Fast nur DAX-Gewinner
Von den 40 DAX-Mitgliedern liegt nur die Henkel-Aktie nach negativer Analysteneinschätzung leicht im Minus. Alle anderen Rollen wachsen unter Führung von VW-Vorzüge und der VW-Holding Porsche SE deutlich an. Anleger hoffen derzeit weiterhin auf einen erfolgreichen Börsengang des Sportwagenherstellers Porsche. Auch für den gestern angetretenen neuen VW-Chef Oliver Blume gibt es Vorschusslorbeeren.
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