Linzer Klangwolke wie ein Meer aus Farben und Musik

10.09.2022 23:49 (Akt. 10.09.2022 23:49)

Die Klangwolke von Linz 2022 mit vielen Lichteffekten ©APA/FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUMMAYR

Am Samstagabend tauchte Dirigent Pierre Audi die Donau in ein Meer aus Farbe, Licht und Musik, um der ältesten Menschheitsgeschichte für die diesjährige Klangwolke in Linz neues Leben einzuhauchen. Das 5.000 Jahre alte Gilgamesch-Epos wurde von „Mutter Gilgamesch“ erzählt. Sunnyi Melles tauchte voll und ganz in diese Rolle ein. Nach Angaben des Brucknerhauses applaudierten 80.000 Besucher des Donauparks ihnen und der Inszenierung.

Zur Standardausstattung für Besucher, Klappstühle und Decken gehören in diesem Jahr der Schirm und das Regenverdeck. Am Nachmittag regnete es noch in Linz, am Abend trocknete es aber wieder ab. Um 20:30 Uhr erhob sich eine Formation aus Lichtdrohnen über der Donau in der Nähe des Brucknerhauses, um die fast einstündige Show zu eröffnen. Nach dem Prolog zeigten sechs Szenen im „Towerboat“, dem „Templeboat“ und dem „Forrestboat“, wie der mächtige Tyrann Gilgamesh ein liebevoller Freund von Enkidu wurde. Gemeinsam zerstören sie den Zedernwald und damit die Natur. Zur Strafe nehmen die Götter Gilgameschs Freund mit, der daraufhin nach Unsterblichkeit strebt, damit er wieder mit Enkidu vereint werden kann.

Inszeniert wurde die Geschichte mit beeindruckenden Showelementen, wie dem wilden Kampf zweier Doubles auf Flyboards. Oder die Schiffe erschienen mal in knalligen Farben, mal in bedrohlichen Farben, um die Stimmung der Geschichte zu visualisieren. Verstärkt wurde der Eindruck durch den Sound von Stefan Gregory, der eine musikalische Collage aus eigenen Jazzkompositionen und Werken von Prokofjew, Sibelius und Anton Bruckner erstellte. Die schönen Stimmen der 40 Florianer Sängerknaben waren begeistert.

Und vor allem als Mutter hielt Melles ihre schützende Hand, wenn ihr Gesicht überdimensional auf dem Videoturm „Temple Boat“ auftauchte und am Donauufer sprach. Die Texte für seine eigens geschaffene Rolle wurden von Dramatiker Klaus Bertisch verfasst, um „das älteste erhaltene Epos schnell und modern zum Leben zu erwecken“. Das gelang dem Audi-Direktor am Samstagabend auf ziemlich spektakuläre Weise.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *