Doskozil über Asyl: „Die Lage ist mehr als dramatisch“

In Österreich machen Rekordpreissteigerungen und Energieknappheit den Haushalten zu schaffen. Die Politik versucht gegenzusteuern, was wiederum Druck auf die öffentlichen Haushalte ausübt. „Dem versuchen wir natürlich entgegenzuwirken“, sagte der Burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei der ersten Pressezeit des ORF nach der Sommerpause.

Der SPÖ-Politiker kritisiert einerseits das „Gießkannenprinzip“ der Bundesregierung, fordert aber vehement eine Begrenzung der Spritpreise. “Ich verstehe nicht, warum ich den Klimabonus bekommen soll.” Schließlich sind es gerade die Pendler, beispielsweise aus dem Südburgenland nach Wien, die (auch wegen des anstehenden CO₂-Preises) besondere Unterstützung benötigen.

Gezielte Hilfe

Man sollte nach Möglichkeit differenzieren, welche Gruppen am meisten Hilfe brauchen, sagt er. Mit der Spritpreisdeckelung sei das nicht möglich, aber es gehe „tief in die Mittelklasse“. Laut Doskozil ist es daher „die effektivste Maßnahme“. “Wenn es um Einmalzahlungen geht, wo es um den Lebensunterhalt geht, verstehe ich keine Gießkanne.”

Er kritisiert die Reaktion der Bundespolitiker auf die Zunahme der Migration: “Die Lage ist mehr als dramatisch.” Jede Woche gibt es im Burgenland tausende Festnahmen; sie geht davon aus, dass sich die Zahl von derzeit mehr als 40.000 Asylanträgen bis zum Jahresende verdoppeln wird. Eine Phase, “in der diese massiven Zahlen dauerhaft sein werden”, würde vermieden, malt der SPÖ-Politiker düstere Aussichten.

Er kritisiert auch, dass die Balkanroute nie geschlossen worden sei, es kein europäisches Verfahren gebe und es bereits “massive Probleme” gebe, die Grundversorgung aufrechtzuerhalten.

Wahlen 2024

Die Maßnahmen des Innenministeriums seien unzureichend, „das Problem wird nicht mit einem Aktionsschwerpunkt an der Grenze gelöst“. Geflüchtete werden nicht einmal mehr erst befragt, sondern sich nach der Erfassung ihrer Personalien selbst überlassen. Im Asylbereich hat es noch nie eine solche Arbeitsweise gegeben.

Zu den Chancen der SPÖ bei den anstehenden Wahlen und dem anhaltenden Konflikt mit Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sagte Doskozil, dass sich dieses Thema nicht auf die persönliche Situation reduzieren lasse. Vielmehr geht es darum, Themen wie Wohnen, Gesundheit, Einkommen oder Umverteilung mit gesundem Menschenverstand zu betrachten und klare Ansagen zu machen, die auch für die Menschen glaubwürdig sind.

Zumindest bei den Nationalratswahlen 2024 wird er nicht als Kanzlerkandidat der SPÖ antreten: “In zwei Jahren schließe ich das aus realpolitischer Sicht lieber aus.”

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