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Der frühere SVP-Nationalrat und HEV-Chef Hans Egloff will die Mieterrechte weiter einschränken.
Thomas Schlittler (“Beobachter”)
Eine Familie mit drei Kindern. Sein Wunsch: Jedes Kind soll sein eigenes Zimmer haben. Doch die Suche nach einer 5.5-Zimmer-Wohnung in der Stadt Zürich ist Frust pur. Gerade einmal fünf Wohnungen spuckt Homegate.ch Mitte August aus: 2940 Franken, 3780 Franken, 4000 Franken, 5310 Franken, 12200 Franken. Wer soll das bezahlen?
Nicht nur in Zürich, sondern im ganzen Land sind die Mietpreise stark gestiegen. Im Juli kostete die Anmietung einer Wohnung durchschnittlich 11,4 Prozent mehr als vor zwölf Jahren. Das zeigt der amtliche Mietspiegel der Bundesregierung, der Bestands- und Neumieten berücksichtigt.
Viele Besitzer sammeln zu viel
Entwicklung gibt Anlass zum Nachdenken. Eigenheimbesitzer haben in den letzten Jahren von tieferen Hypothekenzinsen profitiert. Davon hätten laut Gesetz auch Mieter profitieren sollen. Denn mit der Miete lässt sich nicht so viel verdienen, wie es der Markt hergibt. Gemäss Obligationenrecht ist es missbräuchlich, wenn die Eigentümer ein „umgerechnetes Einkommen“ erhalten. Mieter könnten dann die Anfangsmiete anfechten.
Viel Missbrauch. Das Bundesgericht hat vor zwei Jahren entschieden, dass die maximal zulässige Nettorendite für Immobilien derzeit 3,25 Prozent beträgt. Aber viele Vermieter verlangen mehr. Würden alle aktuellen Mieten in der Schweiz überprüft, würde wohl „ein fairer Anteil“ als missbräuchlich gelten. Das sagt nicht irgendeiner, sondern Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO), in der „Handelszeitung“.
Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, ist von Tschirrens Aussage nicht überrascht. „Das einzige, was mich überrascht, ist, dass die BWO diesen Missstand nicht viel früher hervorgehoben hat.“ Viele Vermieter sind seit Jahren dafür bekannt, ungerechtfertigt hohe Renditen zu erzielen. „Das belegen nicht nur die Gewinnmargen der großen Immobilienkonzerne, sondern auch diverse Studien“, sagt Neff.
Diese Aussagen sind Wasser auf die Mühlen der Linken. Seit Jahren versuchen sie, steigende Mietpreise und überhöhte Renditen für Vermieter einzudämmen.
Die Vorstöße der Linken scheitern
Allen voran die Zürcher Sozialdemokratin Jacqueline Badran und ihr Parteikollege Carlo Sommaruga, Präsident des Schweizerischen Mieterverbandes (MV). Sie haben dem Nationalrat und dem Ständerat zwei identische Vorlagen vorgelegt, die eine «periodische Verpflichtung zur Überprüfung der Rentabilität von Mieteinnahmen aus Wohneigentum» fordern. Auf diese Weise wollen sie sicherstellen, dass zukünftige Vermietungen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
In der Herbstsession im September gehen die beiden Vorschläge ins Parlament. Ende Juni empfahl die Rechtskommission des Nationalrats, Badrans Initiative abzulehnen – extrem, mit zwölf gegen elf Stimmen.
Commoners reduzieren die Rechte der Mieter
Besitzerunterstützung. Erfolgreicher war Hans Egloff, Präsident des Eigentümerverbandes (HEV) und ehemaliger SVP-Nationalrat. Sein Anliegen, Mietern die Untervermietung zu erschweren und die Aufklärung bei Verstößen zu erleichtern, wurde von der Rechtskommission unterstützt. Grünes Licht bekam auch eine Initiative von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, die die Kündigung des Mietverhältnisses aufgrund des Eigenbedarfs des Eigentümers erleichtern will.
In der Wintersession kommen diese Vorlagen in den großen Raum. Natalie Imboden, Generalsekretärin von MV, warnt: „Diese Vorlagen würden die Rechte der Mieter ernsthaft schwächen.“ Und das alles ist erst der Anfang. „Im Bestand gibt es weitere Entwicklungen, die sogar Mieterhöhungen bedeuten würden, insbesondere bei einem Mieterwechsel.“
Konkret handelt es sich um zwei weitere Initiativen des HEV-Präsidenten Egloff. Es soll Mietern die Anfechtung der Anfangsmiete erschweren. Die andere will Eigentümern den Nachweis erleichtern, dass die Miete einer Wohnung orts- und bezirksüblich ist, und damit die geforderte Miete legitimieren.
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Gegenseitige Vorwürfe
Egloff sieht, dass die Eigentümer in beiden Bereichen ungerecht behandelt werden: „Die Anfechtung der Anfangsmiete ist ein gewaltiger Eingriff in die Vertragstreue“. Dieser Eingriff ist auf absolute Ausnahmefälle zu beschränken.
Gerichte hätten “übertriebene, unpraktische” Behauptungen, um zu zeigen, dass sie eine ortsübliche Miete verlangen. „Sie stellen so hohe Anforderungen an die Detailliertheit der Vergleichskriterien, dass der Nachweis mit vertretbarem Aufwand nicht zu erbringen ist.“
Mietervertreter Imboden ist sich sicher: «Die Immobilienlobby arbeitet an einer fortschreitenden Liberalisierung des Mietrechts.»
Von diesen Vorwürfen will Egloff nichts wissen: “Es ist lächerlich, die genannten Fortschritte als Liberalisierung zu bezeichnen.” Am Mieterschutz wird nicht gerüttelt, es geht auch nicht um die Erleichterung von Mieterhöhungen. “Das ist reine Propaganda.”
Auch die Mietpreisentwicklung beurteilt der Top-Vermieter anders als der Mieterbund. Die Bestandsmieten seien seit Jahren rückläufig, sagt er. Bei den Neumieten habe es „je nach Lage“ einen Preisanstieg gegeben, der aber „nicht zuletzt auf den erheblichen Anstieg der Wohnfläche und den stetig steigenden Baustandard“ zurückzuführen sei.
Keine Einigung in Sicht
Der Streit eskaliert. Die Einschätzung der Lage könnte unterschiedlicher nicht sein. Heutzutage gibt es kaum einen gemeinsamen Nenner für fruchtbare Diskussionen. Zumal der Streit im Juli eskalierte. Wirtschaftsminister Guy Parmelin lud die MV zu einer Arbeitsgruppe zum Mietrecht ein. Der MV sagte: “Der vorgeschlagene Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen berücksichtigt nicht die wirklichen Belange der Mieter.” Es würden nur eigentümerfreundliche Anliegen akzeptiert, mit dem Ziel, bereits heute zu hohe Mieten zu legalisieren und das Prinzip der Marktmiete zu stärken.
Deshalb setzt die MV im Kampf um Mietsenkungen immer stärker auf die Regionalpolitik. Basel-Stadt hat Ende 2021 eine Wohnungsschutzinitiative verabschiedet, um übermässige Mieterhöhungen bei Renovationen zu stoppen. In Genf und Waadt gibt es seit langem ähnliche Regelungen. „Wir klären derzeit ab, wo wir vergleichbare Vorlagen bekommen könnten“, sagt der Generalsekretär von MV Imboden. Vor allem in großen Agglomerationen hat man dafür die nötigen Mehrheiten.
Die ersten Aktivitäten finden in den Städten Bern, Luzern und Zürich statt. Auf nationaler Ebene ist der MV aber wohl schon froh, wenn der Status quo verteidigt werden kann.
Aktuelle Nummer des “Beobserver”.
Beobachter
Artikel “Beobachter”.
Dieser Artikel ist dem Magazin „Observer“ entnommen. Weitere interessante Artikel finden Sie unter www.bewachter.ch
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