Wissenschaft
In Bregenz wird derzeit eine Lepragrabung durchgeführt. In der Krankenstation werden die Überreste von Leprakranken aus dem Mittelalter durchsucht, um ihre Knochen auf Bakterienreste zu untersuchen. Experten erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die Krankheit.
27.10.2022 19.43
Ab heute, 19:43 Uhr online
„Wir suchen hier nach menschlichen Knochen, damit wir herausfinden können, wer an diesem Ort begraben ist, und Proben nehmen und sie auf Leprabakterien untersuchen“, sagt die dänische Wissenschaftlerin Dorthe Dangvard Pedersen, Anthropologin an der University of Southern Denmark.
Diese Studien sollen helfen, die Ausbreitung der Krankheit besser zu verstehen. Außerdem müssen andere Infektionskrankheiten wie Tuberkulose besser bekämpft werden. Bisher wurden jedoch keine Knochen von Leprapatienten gefunden.
ORF Vorarlberg
Zeugnisse eines mittelalterlichen Friedhofs
Es gibt Anzeichen für einen Friedhof dafür, beschreibt Pedersen. Es seien Schlüssel gefunden worden, die aus Holzsärgen stammen könnten: “Ich habe solche Schlüssel schon mehrfach gefunden”, sagt er. Das Ausgrabungsgelände Bregenz beherbergte einst Leprakranke, die von der Gesellschaft abgelehnt wurden. Aus historischen Quellen geht auch hervor, dass es hier einen Friedhof für diese Menschen gab.
„Wir führen im Stadtarchiv einen Lageplan, der die Krankenkapelle mit Krankenstation zeigt“, erklärt Bregenz-Stadtarchivar Thomas Klagian. Auf der Westseite ist ein kleiner Friedhof gut zu erkennen: „Das erkennt man an den Kreuzen“, sagt er. Daher ist die Lage des Friedhofs sehr gut bekannt. Die weißen Steinplatten auf dem Boden könnten auch symbolisieren, dass sich an dieser Stelle einst ein Friedhof befand, mutmaßt Klagian.
Lepragrabungen in Bregenz
Ausgrabungen in Bregenz suchen derzeit nach menschlichen Überresten von Aussätzigen. Ein dänischer Wissenschaftler erhofft sich davon einen Einblick in die Bakterienstämme, die im Mittelalter in Bregenz Infektionskrankheiten verursachten.
Lepra bleibt ein globales Problem
Folglich wollen sie nun an dieser Stelle nach menschlichen Überresten suchen. Organisiert wird die Ausgrabung von einer katholischen Menschenrechtsorganisation, die sich für globale Gesundheit einsetzt, denn Lepra ist auch heute noch ein globales Problem.
„Noch immer sind 200.000 Menschen an Lepra erkrankt“, erklärt Peter Böttcher von plan:g – Partnership for Global Health. Dies ist in verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas der Fall. Diese Menschen würden das Stigma der Lepra sehr hautnah erleben. „Wir wollen lokalen Partnern ermöglichen, das Problem anzugehen und das Problem selbst zu lösen“, sagt Böttcher.