Bulgarien in Dauerblockade: Drei pro-russische Parteien im Parlament

Nach vier Wahlen in 18 Monaten sind die Menschen sehr politikmüde. Aber weder die konservative GERB noch die liberale PP haben Koalitionsoptionen. Eine weitere Neuwahl steht bevor: die vierte in 18 Monaten.

Sofia/Belgrad/Wien. Die Mehrheit der Bulgaren will dem Wahlaufruf nicht mehr folgen: Bereits bei der vierten Parlamentswahl in nur 18 Monaten war die Wahlbeteiligung am Sonntag so niedrig wie bei der letzten Wahl im November, als sie bei rund 40 Prozent lag. war gefallen

Wie am Sonntagabend immer deutlicher wurde, befindet sich Bulgarien erneut in einer politischen Pattsituation. Hochrechnungen zufolge war die bürgerliche GERB des umstrittenen Ex-Ministerpräsidenten Bojko Borissow mit 23,5 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, hat aber kaum Aussicht auf eine Regierungsmehrheit. Neben der türkischen Minderheit DPS kam nur die populistische Protestpartei ITN von Entertainer Slawi Trifonov als potenzieller Partner für Gerb in Frage. Doch die ITN wurde für den Bruch der letzten Regierung bestraft und überwand die Vier-Prozent-Hürde nicht.

Aber selbst die liberale Bewegung „Weiter mit dem Wandel“ (PP) unter der Führung von Ministerpräsident Kiril Petkow, der im Sommer von Trifonov abgesetzt wurde und mit 19,5 Prozent abschloss, dürfte keine tragfähige Koalition bilden

Besonders hart traf es die Sozialisten, die auf 8,9 Prozent und damit auf Platz fünf zurückfielen.

Die prorussischen Kräfte gewinnen an Stärke

Darunter die Sozialisten, die sich als eher problematischer Partner in Petkows Koalition erwiesen, die Hochrechnungen zufolge von vornherein scheiterte, machen die nationalistische Partei „Renaissance“ (Verdopplung auf 10 %) und der Newcomer „Bulgarischer Aufstieg“ (4,7 %). drei. prorussische Parteien ins Parlament einziehen und die Bildung einer proeuropäischen Regierung in dem angesichts des Krieges in der Ukraine strategisch günstig gelegenen Land verhindern. Der Wahlerfolg der neuen pro-russischen Parteien dürfte zu Lasten der Sozialisten gegangen sein, die mit 8,9 Prozent auf den fünften Platz zurückfielen.

Letzte Chance GERB und PP?

Spekuliert wird auch über eine mögliche Kooperation zwischen den pro-europäischen, aber feindseligen Rivalen Gerb und PP. Wahrscheinlicher scheint jedoch die Einsetzung eines weiteren Übergangskabinetts. Sollten die Koalitionsverhandlungen scheitern, wird im Frühjahr mit Neuwahlen gerechnet.

Während viele wahlmüde Bulgaren der Winterkrise wegen steigender Heiz- und Stromkosten mit Sorge entgegensehen, scheint zumindest die Energieversorgung des seit langem stark vom russischen Gas abhängigen Schwarzmeerstaates gesichert. Am Wochenende wurde die neue 182 Kilometer lange Gaspipeline zwischen Stara Zagora und der griechischen Stadt Komitini eingeweiht, über die Bulgarien nun Erdgas aus Aserbaidschan beziehen kann.

Gas ab sofort aus Aserbaidschan

Als eines der ersten EU-Länder hatte Moskau im April den Erdgasanschluss für den ehemaligen Satellitenstaat aus der Sowjetzeit eingestellt. Dank der von der EU mit 250 Millionen Euro finanzierten neuen Gaspipeline könne Bulgarien seinen gesamten Gasbedarf decken, sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bei der Eröffnung der Gaspipeline für das „neue Zeitalter“. Bulgarien und Südosteuropa”. Denn: “Diese Pipeline bedeutet Freiheit von der Abhängigkeit von russischem Gas.”

(Ag./Thomas Roser)

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