Das neue Gel hemmt Parodontitis

Gegen Zahnfleischentzündung: Amerikanische Forscher haben möglicherweise ein neues und wirksames Mittel gegen Parodontitis gefunden. Das von ihnen entwickelte Gel blockiert einen bestimmten Rezeptor in der Mundschleimhaut und stoppt so entzündliche Prozesse. In Tests verhinderte die Anwendung dieses Gels bei Mäusen Entzündungen und Knochenschwund und hemmte auch das Wachstum von Parodontitis-fördernden oralen Bakterien, berichtet das Team.

Parodontitis, fachsprachlich Parodontitis, ist eine Volkskrankheit: Fast die Hälfte der Menschen entwickelt im Laufe der Zeit eine Zahnfleischentzündung. Bei anhaltender Dauer kann diese Parodontitis im Extremfall sogar zu Kieferschwund und Zahnverlust führen. Auch eine chronische Zahnfleischentzündung steht im Verdacht, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Alzheimer zu begünstigen.

Parodontitis führt zu einer Entzündung des Zahnfleisches und zum Abbau des Kiefers. Im Extremfall kann dies zum Zahnausfall führen. © TefiM/GettyImages

Das Problem: Bei hartnäckiger Parodontitis können auch Antibiotika und eine gute Mundhygiene die Entzündung nur vorübergehend eindämmen. „Bisher gibt es keine Behandlung, die Entzündungen und Knochenschwund hemmt und zudem die gestörte Mundflora normalisiert“, sagt Erstautorin Yuqi Guo von der New York University.

Succinat als Entzündungshemmer

Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn Guo und sein Team haben einen neuen Ansatz gegen hartnäckige Parodontitis entdeckt. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Patienten mit Parodontitis häufig deutlich erhöhte Succinatspiegel in den Zahnfleischtaschen aufweisen. Dieser Metabolit wird sowohl aus Zahnfleischgewebe als auch aus der Mundflora freigesetzt und steht im Verdacht, Gingivitis und pathologische Ungleichgewichte in der Mundflora zu begünstigen.

Deshalb untersuchten Guo und sein Team erstmals in Zellkulturen und Mäusen, welche physiologischen Reaktionen Succinat auslöst. Dabei entdeckten sie, dass ein spezifischer Rezeptor auf den Zellen der Mundschleimhaut eine entscheidende Rolle spielt: Schalteten sie diese Andockstelle namens SUCNR1 durch eine genetische Blockade aus, entwickelten die Mäuse trotz gleich hoher Succinatspiegel keinen Knochenschwund und keine Zahnfleischentzündung war auch weniger schlimm.

Die Blockade der Rezeptoren hemmt die Parodontitis

Dies bestätigte sich auch in einem weiteren Test: Gaben die Forscher ihren Mäusen zusätzlich Succinat, verschlimmerte sich die Parodontitis der Kontrollmäuse. Bei Tieren mit blockiertem Succinat-Rezeptor traten jedoch keine negativen Auswirkungen auf: „SUCNR1-KO-Mäuse waren resistent gegen die Succinat-Gabe und zeigten ebenso wenig Knochenschwund wie gesunde Kontrolltiere“, berichten Guo und sein Team. .

Auch die Mundflora blieb bei diesen Mäusen „normaler“: Während bei hartnäckiger Parodontitis häufiger krankheitserregende Bakterien aus den Gruppen Bacteroidetes und Saccharibakterien vorkommen, war dies bei Mäusen mit Succinatrezeptorblockade nicht der Fall. „Diese Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass die Aktivierung des Succinatrezeptors die Manifestation einer Parodontitis fördert“, so die Forscher. „Die Blockade von SUCNR1 hingegen reduziert die Anfälligkeit für Parodontitis deutlich.“

Das transparente Gel dieser Gefäße enthält einen neuartigen Wirkstoff gegen Parodontitis. © Yuqi Guo

Wirkstoffgel mit dreifach positiver Wirkung

Basierend auf diesen Erkenntnissen haben Wissenschaftler ein Gel entwickelt, das sich leicht auf das Zahnfleisch auftragen lässt und dessen Wirkstoff zusätzlich den Succinatrezeptor blockiert. In Tests mit Mäusen und menschlichen Zellkulturen erwies sich dieses Gel ebenfalls als wirksam: Mäuse, die dieses Gel jeden zweiten Tag erhielten, entwickelten deutlich weniger lokale und systemische Entzündungen, auch der Knochenabbau im Kiefer wurde deutlich reduziert.

Ähnlich wie bei der Blockierung des Succinat-Rezeptor-Gens wirkte sich das Inhibitor-Gel auch positiv auf die Mundflora aus: Der Anteil an krankheitserregenden und entzündlichen Bacteroidetes-Keimen ging innerhalb von Tagen stark zurück. „Eis verändert die mikrobielle Gemeinschaft, indem es Entzündungen reguliert“, erklärt Guos Kollege Deepak Saxena.

Hoffnung auf eine neue Therapie der Parodontitis

Ihr Wirkstoff-Gel eröffnet dem Forschungsteam zufolge eine vielversprechende Möglichkeit, hartnäckige Parodontitis wirksamer als bisher zu bekämpfen. “Die Blockierung des Succinatrezeptors durch dieses neue Mittel hat einen klaren therapeutischen Wert, um Gingivitis spezifischer und einfacher als zuvor zu bekämpfen”, sagt Co-Autor Xin Li von der New York University.

Wissenschaftler planen nun weitere Tierversuche, um die besten Dosierungs- und Behandlungsintervalle herauszufinden. Ihr langfristiges Ziel ist es, das Gel so zu optimieren, dass jeder es in abgeschwächter Form zu Hause anwenden kann. Zahnärzte könnten bei schwerer Parodontitis eine stärkere Darreichungsform in Zahnfleischtaschen einführen. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. (Cell Reports, 2022; doi:10.1016/j.celrep.2022.111389)

Bestellung: New York University

21. September 2022

– Nadja Podbregar

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