Der DAX steigt weiter Anleger wollen nichts verpassen

Marktbericht

Stand: 18.10.2022 12:41 Uhr

Getrieben von der Stärke der US-Börsen hielt das deutsche Aktienbarometer seine Kursgewinne bis zum Mittag. Anleger folgen dem Hoffnungsprinzip und ignorieren erfolgreich die weiterhin schwierige Gesamtlage.

Am Mittag notierte der DAX knapp ein Prozent über dem gestrigen XETRA-Schlussstand. Vom Tageshoch bei 12.860 Punkten ist der Index allerdings etwas gefallen.

„Mauer der Zweifel und Sorgen“

Dass den großen Kursgewinnen von gestern keine Gewinnmitnahmen folgen, zeigt die aktuelle Stärke des Marktes. „Die Aktienmärkte erklimmen eine Wand aus Zweifeln und Sorgen“, sagt Jochen Stanzl, Analyst beim Brokerage CMC Markets. Vor allem die Angst, etwas zu verpassen, drängt die Anleger zurück in den Markt.

Wirtschaftsupdate vom 18.10.2022

Dorothee Holz, HR, 18.10.2022 10:16

Wall Street stark dank Geschäftszahlen

Nach kräftigen Kursgewinnen der US-Indizes am gestrigen Abend deuten auch die US-Futures heute Nachmittag auf eine stetige Marktöffnung in New York hin. Insbesondere die Bankbilanzen hatten Anfang der Woche die Preise erhöht. Aber auch Tech-Aktien hatten in den letzten Wochen einen Teil der Verluste wettgemacht.

Verschiebt die Bank of England Anleiheverkäufe?

Zudem wirkt sich die finanzpolitische Kehrtwende in Großbritannien positiv auf die Finanzmärkte aus. Der neue britische Finanzminister Jeremy Hunt hat gestern angekündigt, dass fast alle Steuerpläne von Premierministerin Liz Truss rückgängig gemacht werden. Einem Bericht der “Financial Times” zufolge wird die britische Notenbank im Rahmen ihrer strafferen Geldpolitik nach den Turbulenzen an den Anleihemärkten voraussichtlich weiterhin geplante Anleiheverkäufe verschieben. Dem Bericht zufolge wird angesichts der jüngsten Marktverwerfungen als Reaktion auf das Hin und Her um die Finanzpläne der neuen Regierung eine Verschiebung als notwendig erachtet.

ZEW mit gemischten Signalen

Die Konjunkturerwartungen der deutschen Finanzexperten haben sich von niedrigem Niveau aus leicht verbessert. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW stieg im Oktober um 2,7 Punkte auf 59,2 Punkte im Vergleich zum Vormonat. Analysten hatten hingegen mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage nahm dagegen weiter ab. Es fiel um 11,7 Punkte auf 72,2 Punkte weniger. Volkswirte hatten hier mit minus 68,5 Punkten gerechnet.

Weniger Baugenehmigungen in Deutschland

Bei den Anlegern im Bausektor blieben Rezessionssorgen. Der Rückgang der Baugenehmigungen in Deutschland hält an. Im August genehmigten die Behörden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes den Bau oder Umbau von 28.180 Wohnungen. Das waren 9,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August stieg die Zahl auf 244.605, ein Minus von 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Euro teurer, Öl verliert Gewinne

Der Euro ist stabil bei 0,9850 $, fast einen halben Cent höher als gestern. Analysten zufolge werden die Ölpreise am Morgen etwas von der besseren Stimmung an den Finanzmärkten profitieren. Unterstützend wirkt auch der schwächere US-Dollar, der für Stakeholder aus Ländern außerhalb des Dollarraums rechnerisch günstiger ist. Mittlerweile ist der Preis für ein Barrel der Sorte Brent aus der Nordsee jedoch wieder leicht auf 90,30 $ gefallen.

Automobil- und Technologieaktiennachfrage im DAX

Einer der besten Performer im DAX ist die Aktie des Chipkonzerns Infineon. Er reagiert damit auf den gestrigen deutlichen Kursanstieg im Technologiesektor an der US-Technologiebörse Nasdaq. Auch Autoaktien gewinnen an Boden. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Europa ist im September erneut gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der Absatz um rund zehn Prozent, wie der Verband europäischer Hersteller ACEA mitteilte. Das Umsatzniveau bleibt niedriger als vor der Corona-Pandemie. Im Ländervergleich machte der Neuwagenmarkt in Deutschland mit einem Absatzplus von 14,1 Prozent den größten Sprung.

Öffentliche Dienstleistungen steigen nach der Atomentscheidung

Im DAX reagieren die beiden Anbieter RWE und E.ON mit Kursgewinnen auf die Atompläne der Bundesregierung. Die drei verbleibenden deutschen Kernkraftwerke sollen bis spätestens Mitte April nächsten Jahres weiterlaufen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat gestern entschieden.

Lufthansa verdoppelt Ergebnisziel

Nach einem überraschend starken Sommerquartal rechnet die Deutsche Lufthansa in diesem Jahr mit einem Ergebnis in Milliardenhöhe im Tagesgeschäft. Während am Montag viele Piloten der Billigtochter Eurowings streiken und hunderte Flüge gestrichen werden, verdoppelte der Konzernvorstand gestern seine Prognose für 2022. Damit übertraf das Unternehmen die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Die bereits gestern deutlich gestiegene Lufthansa-Aktie gewinnt wieder.

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