Der österreichische Regisseur Schwarz hat Bayreuth ausgebuht

5. August 2022

Valentin Schwarz (2.v.r.) und sein Team nehmen es mit dem Buhorkan auf © APA/MARTIN FICHTER-WOESS

Am Ende wehte dem jungen österreichischen Regisseur Valentin Schwarz und seinem Team nach der Fertigstellung des neuen „Ring des Nibelungen“ am Freitagabend im Bayreuther Festspielhaus der erwartet starke Wind eines heulenden Sturms ins Gesicht. Mit der teils kräftigen „Götterdämmerung“ vollendete der 33-jährige Theaterregisseur seine Neuinterpretation von Wagners Tetralogie – und die Neuinterpretation ist hier im wörtlichen Sinne zu verstehen.

Schwarz zerlegt die mythischen Ereignisse um die Macht der Götter und Menschen, den Kampf um die Weltordnung, in eine zutiefst menschliche Familiensaga im Stil einer großen Streaming-Serie. Zwerge, Drachen, Bären, Tarnmäntel oder mächtige Ringe dieser Welt haben mit Schwarz nichts zu suchen. Das Publikum der Bayreuther Festspiele buhte minutenlang aus, was auch durch vereinzelte Bravo-Versuche nicht zu kontern war.

Damit endet der neue „Ring“ von Bayreuth, der in seiner Radikalität, die Grenzen des Librettos überwindend und sich stattdessen an den großen Bogen einer Chronik anlehnend, vielleicht der erste wirkliche „Ring“ des 21. Jahrhunderts ist Frank Castorf hatte zuvor ein Spätwerk über den Fall des Kommunismus und den Niedergang des Kapitalismus um Jahre zu spät in seiner Biografie geschrieben, und sein Vorgänger Tankred Dorst beleuchtete vor allem den mystischen Aspekt.

Der Blick auf generationenübergreifende Geschichten hingegen ist gerade dank des breiten Gestus der Streaming-Anbieter Erzählstil der Zeit, den Schwarz nutzt. Das große Verdienst ist die Ausleuchtung sonst in der Tetralogie unterbelichteter Figuren und der geringere Abstand zu den Figuren. Malus ist eine etwas eindimensionale Lesart, die viele der philosophischen Aspekte und mythologischen Schichten des Stücks einfach völlig ignoriert.

Richard Wagners Der Ring des Nibelungen: Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen. Musikalische Leitung – Cornelius Meister, Regie – Valentin Schwarz, Bühne – Andrea Cozzi, Kostüme – Andy Visit. Mit Siegfried – Clay Hilley, Gunther – Michael Kupfer-Radecky, Alberich – Olafur Sigurdarson, Hagen – Albert Dohmen, Brünnhilde – Iréne Theorin, Gutrune – Elisabeth Teige, Waltraute – Christa Mayer, 1. Norn – Okka von der Damerau, 2. Norn – Stéphanie Norn Müther, 3. Norn – Kelly God, Woglinde – Lea-ann Dunbar, Wellgunde – Stephanie Houtzeel, Floßhilde – Katie Stevenson. Weitere Vorstellungen am 15. und 30. August. bayreuther-festspiele.de

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