Deutlich mehr Firmen- und Privatinsolvenzen

21. September 2022

Hohe Inflation dürfte zu noch mehr Privatpleiten führen © APA / dpa-Zentralbild / Monika Skolimowska

Nach einer Hochrechnung des Kreditschutzverbandes KSV1870 haben sich die Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Sie stiegen um 92 Prozent auf 3.482 Fälle. Die geschätzten Verbindlichkeiten stiegen um 88 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, die Zahl der betroffenen Mitarbeiter auf 9.800 (+72 Prozent). Mit 6.209 gab es 24 Prozent mehr Privatinsolvenzen, bei einer durchschnittlichen Verschuldung von 107.000 Euro pro Insolvenz.

Laut Karl-Heinz Götze vom KSV hat sich die Liste der Herausforderungen, mit denen sich die Unternehmen seit vielen Monaten auseinandersetzen müssen, auch in den Sommermonaten nicht verkürzt. Allerdings bleibt die Zahl der Firmeninsolvenzen 9 Prozent unter dem Vergleichswert des letzten Jahres vor Corona, 2019. Aber: „Anhaltende Kostenexplosionen, gravierende Lieferengpässe und die schwierige Personalsuche sind nur einige der Faktoren, die das Allgemeine erklären hat sich zuletzt verschlechtert”, sagt Götze.

Die Erwartungen für die kommenden Monate sind gedämpft. Rund die Hälfte der Unternehmen blickt negativ auf das Jahresende.

Der KSV hält es für besorgniserregend, dass 40 Prozent aller Firmeninsolvenzen in diesem Jahr wegen fehlender Kostendeckung abgewiesen wurden. Im vergangenen Jahr waren es 32 Prozent. Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen deutlich früher Insolvenz anmelden mussten, so Götze. Durch den Weiterbetrieb würden jedoch die letzten Ressourcen erschöpft, wodurch eine Sanierung nicht mehr möglich wäre. Dies führt zu weiteren Arbeitsplatzverlusten und Gläubigern zeigen mit dem Finger.

Insolvenztreiber sind laut KSV Handel (Automotive), Baugewerbe und Tourismus. Insgesamt gab es durchschnittlich 13 Ausfälle pro Tag. Der deutliche Anstieg der Gesamtverbindlichkeiten ist unter anderem auf die Insolvenz der CPI-Gruppe (Verbindlichkeit: rund 220 Millionen Euro) und den Fall der Polytechnik Luft- und Feuerungstechnik GmbH (66,3 Millionen Euro) zurückzuführen.

Bei Privatinsolvenzen gab es 23 Öffnungen pro Tag. Auch hier haben sich die Gesamtverbindlichkeiten erhöht. Die Summe stieg um gut 16 Prozent auf insgesamt rund 665 Millionen Euro.

Laut Götze lastet derzeit die Inflation auf den Geldbeuteln der Menschen in Österreich: steigende Energiekosten, steigende Preise in Supermärkten. Der Anstieg ist nicht überraschend. Aber auch hier ist das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht (7.174 Fälle), obwohl die Zahl der offenen Privatinsolvenzen seit Inkrafttreten der Insolvenznovelle (Sanierungs- und Insolvenzrichtlinie) im Juli 2021 kontinuierlich zugenommen hat

„Bei der Privatinsolvenz ist der aktuelle Anstieg vor allem auf die Insolvenznovelle des Vorjahres zurückzuführen, die wichtige Vereinfachungen brachte, wie beispielsweise eine kürzere Entschuldungsfrist für Schuldner. Aber wenn man etwas weiter in die Zukunft blickt, wirken sich explosionsartige Kosten auch auf nahezu jede Lebenslage aus“, sagt Götze.

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