Deutsche Speicherbetreiber Gasknappheit „äußerst unwahrscheinlich“

Stand: 09.12.2022 14:05 Uhr

Die Bundesnetzagentur hat beklagt, dass der Gasverbrauch im Wochenvergleich gestiegen ist. Speicherbetreiber sehen derzeit jedoch keine Anzeichen dafür, dass es zu einer Verknappung kommen könnte.

Wie im Winter üblich, ist der Füllstand der deutschen Gasspeicher weiter gesunken. Das Risiko von Gasengpässen in den kommenden Wochen hat sich laut der Energy Storage Initiative (INES) dadurch nicht erhöht. Grund ist die erhöhte Einsparung beim Gasverbrauch.

Engpässe seien zwar “noch nicht ganz auszuschließen”, aber “äußerst unwahrscheinlich”, so die Initiative. Vorgabe sei, dass “extrem niedrige Temperaturen nicht auftreten” und die “aktuell starke Verbrauchseinsparung” weiter anhalte. Dann wird es Deutschland auch in diesem Winter gut gehen.

Ines ist ein Zusammenschluss von 14 Speicherbetreibern, die nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten repräsentieren. Die Initiative betrachtete drei Szenarien: normale Temperaturen wie 2016, warme Temperaturen wie der europäische Winter 2020 und kalte Temperaturen wie der Winter 2010, als häufig Temperaturen im zweistelligen Bereich gemessen wurden.

In allen betrachteten Szenarien ist auch eine weitere flächendeckende Befüllung der deutschen Gasspeicher vor dem nächsten Winter möglich. Dies würde jedoch ein hohes Importvolumen an verflüssigtem Erdgas (LNG) erfordern, vergleichbar mit dem Niveau vom November dieses Jahres.

Speicher ist zu 96 Prozent voll

Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind die deutschen Gasspeicher zu etwa 95,5 Prozent gefüllt. Am 15. November gaben die Betreiber bekannt, dass der Tank zu 100 Prozent gefüllt sei. Seitdem hat sich die Füllmenge verringert. Deutschlands größtes Lager im niedersächsischen Rehden war laut online veröffentlichten Daten zu fast 92 Prozent gefüllt.

Der Speicher dient als Puffersystem

Speicher gleichen Schwankungen im Gasverbrauch aus und bilden somit ein Puffersystem für den Markt. Wenn im Herbst die Heizsaison beginnt, sind sie meist gut gefüllt. Die Füllstände sinken bis zum Frühjahr. Laut Energiewirtschaftsgesetz sollen sie am 1. Februar noch zu 40 Prozent gefüllt sein. Dabei ist zu beachten, dass Gas nach wie vor über Pipelineimporte nach Deutschland gelangt, derzeit vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien.

Müller-Behördenchef: „Nicht nachlässig sein“

Die Bundesnetzagentur hatte am Donnerstag beklagt, dass der Gasverbrauch derzeit steige und das Einsparziel „erstmals verfehlt“ worden sei. Damit lag der Gasverbrauch in der 48. Kalenderwoche um 13 Prozent unter dem Durchschnittsverbrauch der vergangenen vier Jahre, stieg aber im Vergleich zur Vorwoche um 14 Prozent. „Wenn das ein Ausreißer bleibt, okay, behalten wir das. Die Gasspeicher sind voll“, sagte Behördenpräsident Klaus Müller dem Morgenmagazin. “Aber das sollte sich im Dezember, Januar, Februar etwas bessern.”

„Lasst uns nicht nachlässig sein!“, Klaus Müller, Bundesnetzagentur, über Gaseinsparung und Gasspeicherung

Morgenmagazin, 9. Dezember 2022

Der Winter kann lange dauern. Für den kommenden Winter müssten die Stauseen gefüllt werden, und Deutschland müsste den Nachbarländern im Notfall helfen. In jedem Fall muss die Industrie vor einer Gasrationierung geschützt werden. Seine dringende Bitte lautet daher: „Lasst uns nicht nachlässig sein.“

Gas Storage Association: Engpässe bei Gas sind höchst unwahrscheinlich

Johannes Frewel, ARD Berlin, 9. Dezember 2022 13:56 Uhr

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *