Die Bank der Post bleibt im Staatsbesitz: So reagiert Bern auf die gescheiterte Privatisierung der Postfinance

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Nach dem Ständerat lehnte auch der Nationalrat die Vorlage des Bundesrates ab. Darüber hinaus besteht zwischen den Parteien Uneinigkeit in der Frage der Grundversorgung.

Auch die Schweizerische Sozialdemokratische Partei (SP) will Postfinance Hypotheken- und Kreditgeschäfte ermöglichen. Konzernsprecher Jon Pult stellt klar, dass eine Privatisierung nicht in Frage kommt.

Bildunterschrift: Eine Privatisierung von Postfinance ist grundsätzlich falsch, sagt Jon Pult (SP). Keystone / Peter Klaunzer (Archiv)

Er sagt: „Insgesamt ist es eine Cash-Cow für den Postkonzern und auch eine Basis, um den Service public, das jetzige Postnetz, aufrechterhalten zu können.“

Auch die mittlere Fraktion folgte den Vorschlägen des Bundesrates nicht. Jetzt müsse es Schritt für Schritt weitergehen, sagt der Fraktionsvorsitzende Philipp Bregy. Dazu benötigen Sie zunächst eine Basis.

Uneinigkeit in der Frage des öffentlichen Dienstes

Bregy (Mitte) sagt: „Zunächst müssen wir die Basisleistungen definieren. Wir müssen sagen, was der öffentliche Dienst ist, und gleichzeitig sagen, wie wir ihn finanzieren wollen.”

Bildunterschrift: Dann können Sie auch entscheiden, welche Rolle Postfinance dabei spielen soll, sagt Bregy (Mitte). Keystone/Peter Klaunzer (Datei)

FDP-Nationalrat Kurt Fluri sieht das genauso. Gleichzeitig macht er aber deutlich, dass die Privatisierung der Postfinance für die Liberalen nicht vom Tisch ist und distanziert sich damit vom Consell d’Esquerra.

Titel: Kurt Fluri (FDP) will über die Privatisierung von Post und Postfinance sprechen. Keystone / Alessandro della Valle (Archiv)

Fluri (FDP) sagt: „Wir halten die Haltung der Grünen und der SP für absolut dogmatisch und ideologisch. Wir halten es nicht für angemessen und differenziert, die Privatisierung von Poststellen jetzt scheinbar für immer abzulehnen.”

Der Bundesrat wartete auf ein deutlicheres Signal

Doch trotz aller Differenzen beschloss der Nationalrat – bei wenigen Enthaltungen – einstimmig, die Vorlage nicht umzusetzen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga reagierte etwas genervt.

Titel: Nichthandeln sei kein klares Signal für den Bundesrat, sagt der Bundesrat und Vorsteher des UVEK. Keystone / Peter Schneider (Archiv)

Sie sagt: “Es geht in verschiedene Richtungen und niemand kann jetzt behaupten, dass er oder sie der Hauptgrund dafür ist, weil sie nur eine Vielzahl von Gründen angegeben haben.”

Der Bundesrat will der Post aber nächsten Sommer einen Bericht vorlegen. Dann kann die Debatte weitergehen. Momentan gibt es aber keine Privatisierung der Postfinance.

Drei Fragen an Wirtschaftsredakteur Jan Baumann

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SRF News: Was bedeutet das Nein des Parlaments zur Teilprivatisierung für die Postfinance? Jan Baumann: Der Entscheid macht es Postfinance schwer, Geld zu verdienen. Es ist jedoch nicht unerwartet. Postfinance wusste, was sie zu erwarten hatte. Der Entscheid bedeutet aber auch, dass die Bankentochter der Post nach wie vor ein hinkendes Geschäftsmodell hat. Einerseits nimmt sie Kundengelder in Milliardenhöhe entgegen. Andererseits kann sie diese Milliarden nicht gewinnbringend in Form von Hypotheken und Krediten verleihen, wie es die Banken tun. Normale Banken verdienen seit Jahren viel Geld mit Krediten. Der Postfinance bleibt diese Einnahmequelle hingegen vorerst verwehrt.

Bleibt also alles beim Status quo? Nein, das ist in der Praxis nicht möglich. Postfinance muss sich als Unternehmen den sich ständig ändernden Rahmenbedingungen anpassen. Auch völlig losgelöst von politischen Entscheiden im Bundesbern. So hat sie zuletzt ihr Geschäft als Investmentbank bewusst ausgebaut. Das bedeutet, dass sie immer mehr Vermögensverwaltungsdienstleistungen anbietet. Hierfür können Ihnen auch zusätzliche Gebühren in Rechnung gestellt werden. Und diese Vermögensverwaltung erfolgt zunehmend online. Generell verändert sich das Bankgeschäft durch die Digitalisierung stark. Auch hier bewegt sich Postfinance mit der gesamten Branche. Schon deshalb ist der Status quo für Postfinance keine Option.

Die Zinsen steigen. Wie wird dadurch der Druck abgebaut? Ja, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Die von den Notenbanken angekündigte Zinswende wirkt sich nachhaltig positiv auf Postfinance aus. Vereinfacht gesagt funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell von Postfinance bei höheren Zinsen besser als in den letzten Jahren bei diesen dauerhaft tiefen Zinsen. Konkret: Es gibt jetzt immer mehr Zinserträge, zum Beispiel auf Staatsanleihen und Obligationen, die Postfinance kauft. Und so gesehen tröstet die Zinswende die Postfinance zumindest teilweise darüber, dass ihr bei der unabhängigen Kreditvergabe die Hände gebunden sind.

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