Die Euphorie ist verflogen DAX fällt wieder ins Minus

Marktbericht

Stand: 11.08.2022 12:51 Uhr

Investoren prüfen heute eine Reihe von Quartalsberichten. Auch die zukünftige US-Zinspolitik bleibt ein Thema: Die anfängliche Euphorie über die sinkende US-Inflation ist mittlerweile verflogen.

Trotz eines freundlichen Handelsstarts fiel der DAX zeitweise bis auf 13.661 Punkte, konnte sich aber nur schwer vom Vortagesstand erholen. Aktuell liegt er knapp unter 13.700 Punkten. Börsenexperte Andreas Lipkow von der Comdirect sprach von einem „Tag der Besinnung“ nach der Euphorie über den unerwarteten Rückgang der US-Inflation. Die gestrigen Kursgewinne seien übertrieben und “spiegelten lediglich die Hoffnung wider, dass die Inflation weniger dynamisch werde”. Gestern stieg der deutsche Leitindex um 1,2 Prozent auf 13.700,93 Punkte.

Zunächst sorgten Inflationsdaten aus den USA für positive Stimmung: Dort lag die Inflationsrate im Juli mit 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr unter dem Vormonatswert von 9,1 Prozent. Dies weckte die Hoffnung der Anleger, dass die US-Notenbank das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen könnte.

Wirtschaftsupdate vom 11.08.2022

Dorothee Holz, HR, 11.8.2022 10:03 Uhr

„Der Straffungszyklus ist noch lange nicht vorbei“

„Die politischen Entscheidungsträger der Fed betonen weiterhin, dass der Straffungszyklus noch lange nicht vorbei ist und dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es Anfang nächsten Jahres wieder vorkommen wird“, sagte Craig Erlam, Analyst bei OANDA Agent Market.

Mary Daly, Distriktpräsidentin der Federal Reserve von San Francisco, sagte der Financial Times, es sei zu früh, um den Sieg über die Inflation zu verkünden. „Es gibt gute Nachrichten aus den monatlichen Daten, dass Verbraucher und Unternehmen etwas Erleichterung erfahren. Aber die Inflation bleibt zu hoch und kommt unserem Ziel für Preisstabilität nicht nahe.“

Aktuell dürften die US-Futures den Markt etwas stützen: In den USA zeichnet sich bislang ein freundlicher Handelsstart ab. Am Nachmittag werden die aktuellen Wochendaten zum US-Arbeitsmarkt und zu den US-Erzeugerpreisen für Juli veröffentlicht.

Ölpreise: IEA hebt Prognose an

Die Ölpreise steigen leicht: Sowohl die Sorte Brent North Sea als auch die Sorte US WTI legen leicht zu. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Wachstumsprognose für den weltweiten Rohölbedarf angehoben. Die durch den Krieg in der Ukraine verursachte Gaskrise mit einem massiven Anstieg des Erdgaspreises auf den Rohstoffmärkten hat laut Monatsbericht dazu geführt, dass Industrieunternehmen und Kraftwerke immer mehr ihrer Anlagen mit Öl betreiben Russland hat in den vergangenen Monaten die Gaslieferungen nach Europa drastisch reduziert.

Die Agentur erwartet, dass die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr um 2,1 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag wachsen wird. Das sind 380.000 Barrel pro Tag oder 2 Prozent mehr als die vorherige Schätzung. Die Agentur schätzt die Gesamtnachfrage für das laufende Jahr auf 99,7 Millionen Barrel pro Tag. Im nächsten Jahr dürfte die Nachfrage auf 101,8 Millionen Barrel pro Tag steigen.

RWE: Was passiert mit Atomkraftwerken?

Der Energiekonzern RWE hält sich mit einer möglichen Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke bedeckt. „Wir warten auf die politische Entscheidung“, sagte RWE-Chef Markus Krebber. Konkurrent E.ON hatte am Vortag längere Gespräche zugesagt: „Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, sind wir gesprächsbereit“, sagte gestern Marc Spieker, Finanzvorstand von E.ON ÄON. .

Die bisher letzten drei deutschen Reaktoren sollen bis Ende des Jahres abgeschaltet werden. Sie werden von E.ON, RWE und EnBW betrieben. EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte gesagt, bei einem deutlichen Ausbau würden neue Brennstäbe benötigt. In den letzten Wochen wurden die Rufe nach Verlängerung der Haltbarkeit immer lauter. Befürworter verweisen auf reduzierte russische Gaslieferungen und fordern eine Reduzierung des Einsatzes von Gaskraftwerken neben Kernkraftwerken.

Hapag-Lloyd rechnet mit einer Normalisierung der Lieferketten

Die Containerreederei Hapag-Lloyd rechnet in absehbarer Zeit mit einer Entspannung der Lieferketten und damit sinkenden Frachtpreisen. “Wir sehen derzeit bei einigen Transaktionen erste Anzeichen dafür, dass die kurzfristigen Zinsen im Markt nachgeben”, sagte CEO Rolf Habben Jansen. Im ersten Halbjahr begrüßte Hapag-Lloyd trotz praktisch stagnierendem Transportaufkommen deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Denn Engpässe in Häfen führen zu überdurchschnittlichen Laufzeiten für Schiffe und Container und damit zu hohen Transportpreisen. Dadurch verdoppelte sich der Umsatz nahezu auf 17 Milliarden Euro.

Deutsche Telekom verzeichnet mehr neue Vertragskunden

Trotz verbraucherfreundlicherer Kündigungsrechte in Deutschland hat die Deutsche Telekom im zweiten Quartal mehr Kunden gewonnen…

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