Die Premiere einer visionären Kriegserklärung

„Heute Nacht schwebe ich definitiv auf den Wolken“, sagte Tassilo Metternich-Sandor, Burgherr von Schloss Grafenegg (Bezirk Krems) bei der Eröffnung des Open-Air-Konzerthauses Wolkenturm im Juni 2007. Und das trotzdem bei der Premiere der Sommernacht Gala wurde von einem heftigen Wolkenbruch begleitet.

Am Anfang des Tages fing es stark an zu regnen und es dauerte bis zum Ende. Der Umhang war das „Kleid des Abends“ für die 1.670 Gäste im Park von Schloss Grafenegg. Einige Besucher dachten, der Wolkenturm sei eindeutig missverstanden worden. „Da sind zu viele Wolken“, sagte Walter Rothensteiner, der damalige Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Zentralbank.

In Spiellaune

Trotz des strömenden Regens ließen sich weder die Besucher noch die Künstler entmutigen, die Veranstaltung verlief reibungslos. Die Akustik erfüllte alle Erwartungen. Alfred Eschwe am Dirigentenpult ließ das Tonkünstlerorchester Niederösterreich schwungvoll und präzise spielen. Nach einer Schar ausgewählter Solisten war auch Rudolf Buchbinder, künstlerischer Leiter des Grafenegg Music Festival, bester Laune.

2007: Ein Wolkenbruch öffnet den Wolkenturm

Der Weg war lang und im wahrsten Sinne des Wortes mit vielen Arbeiten verbunden. Es begann nach dem Zweiten Weltkrieg oder nach der russischen Besetzung 1955, erzählt Metternich-Sandor, “als Grafenegg sehr, sehr gelitten hat, danach war es eigentlich eine Ruine.”

“Was mache ich mit der Kiste?”

Das 1294 erstmals urkundlich erwähnte Schloss Grafenegg war jahrhundertelang Sitz adeliger Herren, zu deren Unterhaltung auch musikalische Darbietungen gehörten. Öffentliche Aufführungen gab es jedoch erst in den 1970er Jahren. “Damals dachte mein Vater: ‘Was mache ich mit der Kiste?'” Als Wohnhaus sei das Schloss „nicht mehr zeitgemäß“, sagt Metternich-Sandor. Es sei in schlechtem Zustand, „aber ich wollte eine sinnvolle, langfristige Nutzung finden.“

Alexander Haiden Das Areal rund um Schloss Grafenegg wird seit Anfang der 1970er Jahre kulturell genutzt

Dann überzeugte Gerhard Großberger, Verwalter des Gutes Grafenegg, den Schlossbesitzer Franz Albrecht Metternich-Sandor, Vater von Tassilo Metternich-Sandor, von seiner Idee, Konzerte in Grafenegg zu veranstalten. Seitdem tritt das Tonkünstlerorchester Niederösterreich auch in Grafenegg in kleiner „und laienhafter“ Weise mit regionalen Künstlern auf.

Ab 1976 fand alljährlich der Grafenegger Advent statt. In den folgenden Jahren fanden Konzerte im Gartenzimmer oder in der Reitschule statt. Einer der Protagonisten der damaligen Konzerte war unter anderem Rudolf Buchbinder. „Aber alles privat geregelt“, sagt Schlossherr Metternich-Sandor und für die Zukunft „wäre das einfach zu teuer geworden“.

1977: Besinnlicher Advent auf Schloss Grafenegg

Gleichzeitig seien gegen die Jahrtausendwende größere Investitionen nötig gewesen, „die für den Einzelnen keinen Sinn machten“. Es sei damals ein „glücklicher Zufall“ gewesen, dass das Land zu diesem Zeitpunkt seine Kulturstrategie weiterentwickeln wolle. Da es immer das Ziel der Eigentümerfamilie gewesen sei, die Kultur fortzuführen, „war die Frage nur wie und in welcher Form“.

Die Eckpfeiler des „heutigen Erfolgs“ waren laut Metternich-Sandor viel Zuversicht und eine große Vision: „Denn wo heute der Wolkenturm steht, war eine Wiese mit einer Senke.“ in diesem Bereich erstellt.

1998: Konzert im Schloss Grafenegg

Einstimmig vom Kulturzentrum

Anfang 2005 stand Schloss Grafenegg im Mittelpunkt der Landtagssitzung. Der Vorschlag eines Gesamtkonzepts zur Erweiterung der Ausstattung in einem internationalen Kulturzentrum fand die Unterstützung aller Fraktionen. 13 Millionen Euro sollten vor allem in den Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur und des 31,6 Hektar großen Schlossparks investiert werden.

Nach den visionären Plänen, wie Metternich-Sandor sagt, sollte das Schloss 2007 zur Kulisse eines internationalen Musikfestivals werden. Darüber hinaus wird das Schloss als Sommerresidenz für niederösterreichische Künstler genutzt. Verantwortlich für die Umsetzung des Konzepts war und ist die Grafenegger Kulturbetriebsgesellschaft, der der Schlossherr und das Landeskulturamt angehören.

Peter Rigaud Der Starpianist Rudolf Buchbinder gilt als wichtige Inspirationsquelle und Erfolgsgarant

Die Erfolgsgarantie

Eine wichtige Inspirationsquelle und Erfolgsgarant war damals die künstlerische Leitung des Starpianisten Rudolf Buchbinder, einem der prominentesten Vertreter der heimischen Musikkultur, betont der Schlossherr: „Er hatte Kontakte in die Musikwelt international. , so dass die Künstler, auf die wir gewartet hatten, auch bereit waren, dies zu erreichen.“

Schließlich war das damalige Ziel, Schloss Grafenegg als international konkurrenzfähiges Pendant zu den Festspielen in Wien oder Salzburg zu etablieren. Das Projekt unterstrich auch die Eigenständigkeit des Landes. Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der in Europa kulturell „vorn mitspielen“ wolle, sah in Buchbinder einen „sehr wichtigen Faktor für die Festspiele“.

2006: Das Musikfestival plant

Auch für das internationale Musikfestival entschied sich der Starpianist für „maximale Qualität“. Auf ein Festival-Motto verzichtete Buchbinder jedoch bewusst: „Höchste Priorität hat höchste Qualität. Ich möchte den Musikern keine Zwangsjacke anziehen.“ Grafenegg werde eine Ergänzung zu allen anderen Kulturstätten des Landes sein, man wolle nicht “bis auf den Tod konkurrieren”, so der Landeshauptmann.

“Garantie, hier wird es eine Bühne geben”

Der weltbekannte Name Buchbinders erwies sich gerade in der Anfangszeit als notwendig. Metternich-Sandor erinnert sich an mehrere Besuche großer Orchester aus den USA und Großbritannien: „Sie blieben auf der grünen Wiese, wir sagten, Sie spielen hier, und sie schienen amüsiert.“ Aber Buchbinder sagte dann: “Ich versichere Ihnen. Hier wird es eine Bühne geben.”

Die Frage war nur, in welchem ​​Szenario? Dann wurden etwa 15 Konzepte vorgestellt, die teilweise etwas seltsam wirkten, wie der Schlossherr zugibt: Manche wollten es „am Ende des Parks verstecken oder ganz begraben“. Eine Bühne „mit einer Abdeckung, die geschlossen werden kann, wenn die Bühne nicht benutzt wird“, sollte sogar eingeplant werden.

Eine einzigartige Bühne

Letztlich wünsche man sich aber eine Bühne, „die sichtbar ist und souverän dasteht“. Wie der Wolkenturm, eine altmodische Freilichtbühne, die bis in die Baumwipfel reicht, entworfen von den Architekten Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs. Dem Publikum – die Anlage bietet fast 1.700 Sitzplätze und 400 Rasenplätze – sei eine „beeindruckende Atmosphäre“ versprochen worden.

ORF.at/Gerald Heidegger Der Wolkenturm gilt aufgrund seiner Architektur und Akustik als einzigartig

Die ansteigenden Tribünenterrassen und die Rückwand des Bühnenbereichs gehen sanft in die Parkböschung über. Ein luftiger Solarkörper wird zum Überbau der neuen Freilichtbühne. Nach dem Motto „Wie man sieht, weil man hört“ muss der Besucher das Gefühl haben, im Park zu sitzen und akustisch – durch Direktschall ohne elektronische Verstärkung – wird ihm ein erstklassiges Hörerlebnis geboten.

Bei der Konzeption wurde darauf geachtet, dass die Anlage nach Fertigstellung als „Teil des Parks“ betrachtet werden kann. Zu berücksichtigen sei auch, dass “ein Solist auf der Bühne nicht verloren geht”, gleichzeitig aber auch “großartige Auftritte” möglich seien, erklärte Fuchs. Die Gesamtkosten kalkulierte Pröll damals bereits mit fünf Millionen Euro für den Bau des Wolkenturms, 15 bis 20 Millionen Euro für die neue Reitanlage und drei Millionen Euro für das Festspielbudget.

Das Schloss als „Maßstab“ des Stils

Im Gegensatz zur antiken Bühne steht das Schloss seit dem 19. Jahrhundert in der Linie des romantischen Historismus. Für Metternich-Sandor passt jedoch alles, denn das Schloss ist ohnehin „nicht aus einem Guss, sondern ein Stilmix“: von Renaissancetürmen über barocke Pavillons, gotische Mühlen bis hin zu Biedermeierhäusern. Der Wolkenturm sei daher „kein Bruch, sondern eine Fortsetzung der Tradition, dass immer etwas hinzukommt“.

Privat CC BY 2.0 Laut Schlossherr ist das Schloss bzw. Areal ein „Mix“ verschiedener Stilrichtungen

Von Anfang an gab es auch Kritik und Zweifel an dem Projekt. Der Burgherr erinnert sich vor allem an das “riesige Loch” im Boden. Viele der Parkspaziergänger standen damals am Zaun und schüttelten den Kopf. Selbst Metternich-Sandor konnte sich das alles nicht vorstellen: „Wenn man kein Architekt ist, sieht man noch so viele Bilder und Animationen, das kann man sich wirklich nicht vorstellen.“

Wird das wirklich enden?

Immer wieder kamen die Fragen: „Wird es überhaupt fertig? Wird es pünktlich fertig? Und wird es auch den akustischen Anforderungen genügen? Aber wenn das Loch um die…

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