Drei Kämpfe im Leben

Als “Golden G” ist auf YouTube der Musiker Alt bekannt. Da ist zum Beispiel das Lied „Der Wein“, das ist ein Fass mit doppeltem Boden. Zuerst denkt man, es sei eine Liebeserklärung an Traubensaft. Aber mit viel Humor, Tiefgang und einem ordentlichen Beat führen die Texte zu einer Synthese, die man so nicht erwartet hätte. Die Bilder unterstreichen den Humor des Textes: vom kleinen Tschocherl bis zur Oma mit dem Taschentuch.

Sein Erfolg lag ihm nicht in der Wiege. Vor 25 Jahren drehte die Regisseurin Friedolin Schönwiese mit ihm und den anderen einen künstlerischen Schwarz-Weiß-Kurzfilm: „Es geht“. Sie waren damals Kinder, mit ungewisser Zukunft, auf Intensivpflege angewiesen. Ein alter Mann spielte mit einem Kassettenrecorder, Hagleitner kommunizierte mit seiner Mutter, sie half ihm beim Sprechen.

mitten im Leben

Sie sind jetzt 30 Jahre alt und haben sich ihren Platz im Leben erkämpft. Schönwiese verbringt Zeit mit ihnen, viel Zeit. An einer Stelle, während die Kamera läuft, scherzt Alt: „Was ich esse, wie ich heiße, wo mein Lieblingsporno ist, du weißt alles.“ Mit fehlender sensationslüsterner Distanz hat die Dokumentation nichts zu tun, im Gegenteil. . Hier wird geschaut und gewartet, was die Protagonisten zeigen wollen.

itworksfilm.com Michael Hagleitner ist ein erfolgreicher Sportler als Rennfahrer

Hagleitner beispielsweise arbeitet bei der ÖBB-Infrastruktur im Bereich Logistik an einem betreuten Arbeitsplatz. Es nimmt Bestellungen entgegen, verwaltet eine Datenbank und hat einen Überblick über eine Containerverladestation. Ein Vorgesetzter hilft ihr bei der Kommunikation, aber er „übernimmt“ nie, sondern unterstützt sie nur dort, wo es nötig ist. Ein Assistent macht dort Urlaub in der Nordsee, sowie bei einem Sportevent in Dänemark, an dem Hagleitner erfolgreich als Rennfahrer teilnimmt. Es ist mitten im Leben.

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Die Geschichte im Klartext

„Vor 20 Jahren hätte ich das nicht gedacht“

Alt kann in Interviews gesehen werden, wie er ein Konzert besucht, seine Videos bearbeitet und live als „Golden G“ auf Facebook auftritt. Im Interview mit Scholz von der Redaktion für inklusive Bildung im ORF sagt er auf die Frage, was ihm durch den Kopf gehe, wenn er den alten Schönwiese-Film und jetzt den neuen sehe: „Vor zwanzig Jahren hätte ich nicht gedacht, dass er in meiner ‚Wohnung‘ sitzen würde, rund um die Uhr betreut, und er allein und selbstbestimmt leben kann und darf. Und dass ich machen kann, was mir gefällt.“

itworksfilm.com „Apfelmeister“ Valentin Bräuer mit einer Perchte

Diesen Spaß vermittelt der Film auch mit dem auf dem Land lebenden Bräuer in einer Welt, die viele Großstädter nicht mehr kennen. In seiner Welt wird noch immer mit dem „Quetschn“ musiziert; dann kommen die Perchten ihn besuchen, verspotten ihn und lassen sich verspotten. Und bei der Arbeit ist er überall: zu Hause Knödelkochen wie im Bienenhaus oder Äpfel pflücken, mit der Vermittlung von Cáritas. Wie würden Sie Ihren Job beschreiben? “Farmer? Apfelpflücker? Apple-Host? Apple-Meister!”

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„Gedankenerweiternde“ Porträts.

Regisseur Schönwiese erklärt Scholz aus der Lehrredaktion, wie er vor 25 Jahren auf die Idee zum ersten Film kam. Damals hatte er als Beamter in einer Schule mit mehreren behinderten Kindern gearbeitet: „Die Idee kam daher, dass ich nach meinem Zivildienst anderen nicht erklären konnte, was ich in der Schule mache.“ Ich wollte zeigen, wie Kinder Kraft sammeln, um ihren Alltag zu meistern, weil ich es nicht in Worte fassen konnte.

Dem Prinzip, zu zeigen, was Worte nicht erklären können, ist Schönwiese mit „It Works II“ treu geblieben. Sie darf ihre Protagonisten nicht zu Helden im Sinne positiver Diskriminierung stilisieren. Zeigen Sie ihnen einfach Respekt, indem Sie sie in Ruhe lassen. Der Film wurde mit großem Erfolg auf der Diagonale präsentiert. Im Katalog hieß es treffend, es seien „drei filmische Porträts, die unsere Wahrnehmung verändern und bewusstseinserweiternd wirken“.

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