Energiekrise: Lieferung von Turbinen für Nord Stream 1 laut Gazprom „unmöglich“.

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Erstellt: 04.08.2022, 09:48 Uhr

Darsteller: Moritz Serif, Lucas Maier, Nail Akkoyun, Niklas Kirk

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Die Energiekrise droht sich zu verschärfen. Nach Angaben des Gaskonzerns Gazprom ist eine Lieferung nach Russland “unmöglich”.

+++ 9.30 Uhr: Die Nord Stream 1-Turbine steckt noch immer in Deutschland fest. Nach Angaben des Gaskonzerns Gazprom ist eine Lieferung nach Russland “unmöglich”. Schuld sind Sanktionen gegen Moskau. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung führte das Unternehmen auch “Unklarheiten in der aktuellen Situation bezüglich der vertraglichen Verpflichtungen von Siemens” an. Beides zusammen macht “unmöglich zu liefern”.

Der russische Energiekonzern Gazprom hatte mit dem Fehlen der in Kanada reparierten Siemens-Turbine eine Kürzung der Gaslieferungen um nur 20 Prozent des Möglichen begründet.

Russland akzeptiert keine Turbinen: Gaskraftwerke in Deutschland schränken ihren Betrieb ein

+++ 9.00 Uhr: Aufgrund der anhaltenden Energiekrise drosseln bereits viele Gaskraftwerke. In Hannover hat der Energieversorger Enercity wegen der drohenden Energieknappheit im Winter die Verbrennung von Erdgas bei der Stromerzeugung stark reduziert, wie dpa schreibt.

„Aktuell ist der Gasfluss fast vollständig zurückgefahren“, sagte ein Unternehmenssprecher. Genauere Angaben zu den Langzeitfolgen des Verfahrens konnte das Unternehmen noch nicht machen. Das Gaskraftwerk beteiligt sich auch an der Glättung des Stromnetzes, das restliche Gas fließt in den Speicher. Gaskraftwerke, die derzeit zu Speicher-, Heiz- und Industriezwecken genutzt werden, sollen auslaufen und nur noch systemrelevante Kraftwerke in Betrieb bleiben, schreibt dpa.

Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Treffen mit Siemens Energy in Mühlheim an der Ruhr. © Christoph Reichwein/Imago

Update Donnerstag, 4. August, 7.40 Uhr: Die EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, ihren Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken. Hier muss Deutschland laut einer dpa-Berechnung stärker sparen. Folglich muss Deutschland von Anfang August bis März nächsten Jahres rund 10 Milliarden Kubikmeter weniger Gas verbrauchen, um das Ziel der EU-Staaten zu erreichen.

Die hier einzusparende Gasmenge entspricht in etwa dem durchschnittlichen Verbrauch von fünf Millionen Haushalten (jeweils mit vier Personen) pro Jahr. 10 Milliarden Kubikmeter Gas entsprechen etwa 100 Milliarden Kilowattstunden, wie dpa schreibt.

  • Wie viel Benzin sollte jedes Land sparen, um das Ziel zu erreichen:
  • Deutschland: 10 Milliarden Kubikmeter Gas.
  • Italien: 8 Milliarden Kubikmeter Gas.
  • Frankreich: 5 Milliarden Kubikmeter Gas. .
  • Niederlande: 5 Milliarden Kubikmeter Gas.
  • EU insgesamt: 45.000 Millionen Kubikmeter Gas.
  • Quelle: dpa

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht Deutschland auf dem richtigen Weg zum Sparen. Im Vergleich zum Vorjahr (unbereinigt) hat Deutschland Einsparungen zwischen 14 und 15 Prozent. Habeck sagte kürzlich in Brüssel, Deutschland solle seinen Verbrauch um mehr als 15 Prozent senken. Deutschland hat im Vergleich zur EU einen sehr hohen Gasverbrauch, sodass hier in absoluten Zahlen eingespart werden muss, um das Ziel zu erreichen.

Energiekrise: Merz und Scholz besichtigen Kernkraftwerke

+++ 22.30 Uhr: Im Rahmen der Debatte um eine längere Atomlebensdauer besuchen CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder am Donnerstag (4. August) das Kraftwerk Isar 2 bei Landshut in Bayern Sie wollten sich ein Bild von der aktuellen Lage machen und dann (13.00 Uhr) ein Statement abgeben, wie die Staatskanzlei in München mitteilte.

Energiekrise: Russland will keine Turbine für Nord Stream 1 akzeptieren

+++ 20.09 Uhr: Nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom ist es aufgrund der gegen Moskau verhängten Sanktionen „unmöglich“, die in Deutschland vorhandene Turbine der Gaspipeline Nord Stream 1 nach Russland zu liefern. In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme nannte das Unternehmen auch „Unklarheiten in der aktuellen Situation hinsichtlich der vertraglichen Verpflichtungen von Siemens“, berichtet afp.

Gerhard Schröder: Diskussion mit Putin zur Energiekrise

+++ 16.31 Uhr: Altkanzler Gerhard Schröder hat mit Russlands Präsident Wladimir Putin über die Energiekrise in Europa gesprochen, berichtet dpa. “Schröder war kürzlich in Moskau. Er hatte ein persönliches Treffen mit Präsident Putin”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch gegenüber Interfax. Schröder wollte wissen, ob es möglich sei, die Gaspipeline Nord Stream 2 zum Laufen zu bringen.

Putin antwortete, dass dies technisch möglich sei, aber dass bis Ende des Jahres noch maximal 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas durch Ostseepipelines nach Europa gepumpt werden könnten. Aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat die Bundesregierung den Einsatz von Nord Stream 2 ausgeschlossen.

Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin sind gute Freunde. © Alexei Druzhinin/Picture Alliance/dpa

Energiekrise: Scholz hält den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke offen

Update Mittwoch, 3. August, 14.10 Uhr: Angesichts der anhaltenden Energiekrise will sich Olaf Scholz die Option einer Ausweitung der Nutzung von Kernkraftwerken offen halten. Batterien “sind nur für die Stromerzeugung und nur zu einem kleinen Teil relevant”, sagte die Kanzlerin bei einem Besuch in Mülheim an der Ruhr. “Aber es kann trotzdem Sinn machen.”

Derzeit sind in Deutschland drei Kernkraftwerke am Netz: Isar 2, Neckarwestheim und Emsland. Tatsächlich arbeiten die Anlagen am Ende des Jahres oder spätestens im nächsten Jahr nicht mehr. Die Entscheidung werde auf Basis eines Stresstests für die Stromversorgung getroffen, dessen Ergebnisse in Kürze vorliegen, sagte Scholz.

Grund sei unter anderem, dass „insbesondere in Bayern der Ausbau der Windenergie nur sehr langsam vorankomme“. Zudem ist der Ausbau des Übertragungsnetzes nach Süden nicht so schnell vorangekommen wie erwartet.

Olaf Scholz über die umstrittene Turbine: „Sie ist da, sie kann geliefert werden“

Erstmeldung am Mittwoch, 3. August: Mülheim/Ruhr – Bei einer Presseveranstaltung in Mülheim an der Ruhr bezieht Bundeskanzler Olaf Scholz Stellung zur umstrittenen Turbine der Gaspipeline Nord Stream 1. Seit Wochen ist die Wartung einer Turbine in der Pipeline ein Diskussionspunkt im Zusammenhang mit der gedrosselten Gaslieferung aus Russland gewesen. Siemens widerspricht der Aussage des Kreml, westliche Sanktionen würden eine umfassende Wartung der notwendigen Komponenten verhindern.

Der staatliche Gaskonzern Gazprom warf Siemens Energy vor, die für die Reparatur der Maschine erforderlichen Dokumente und Informationen nicht übermittelt zu haben. Nicht Gazprom sei für die Situation verantwortlich, sondern Siemens Energy, sagte Markelow. „Je früher das Unternehmen seine vertraglichen Verpflichtungen in der Verdichterstation Portovaya erfüllt, desto eher wird sich die Situation mit Lieferungen auf den europäischen Markt normalisieren“, sagte Gazprom-Vizepräsident Vitaly Markelov in einer Erklärung am 29. Juli

Olaf Scholz in Russland: „Die Turbine ist jederzeit einsetzbar“

Bei einem Besuch vor Ort erklärte die Bundeskanzlerin, dass die verhängten Sanktionen die Lieferung der Anlage nach Russland nicht verhindern würden. Da die Sanktionen nicht das Gasgeschäft betreffen und Siemens auch alle notwendigen technischen Informationen liefern würde, könne die Turbine jederzeit aus Russland angefordert werden. Daher können jederzeit weitere in Russland transportiert und installiert werden. „Die Turbine ist da, sie kann geliefert werden. Es muss nur jemand sagen, ich will es, dann ist es ganz schnell da“, resümiert Scholz

Im anschließenden Verlauf der Pressekonferenz bekräftigte Scholz angesichts der vorherrschenden Energiekrise, dass er sich künftig von nennenswerten Liefermengen unabhängig machen wolle. Denn selbst wenn die Turbine geliefert wird, ist zu beachten, dass Russland seinen Lieferverpflichtungen nicht nachkommt. In einem ersten Schritt müssen alle Gasverbräuche eingespart werden, um mit hohen Gasvorräten in den kommenden Winter zu gehen. Im Gegenzug bekäme Scholz viel positives Feedback aus der Wirtschaft zur Sparbereitschaft. Auch die umstrittene Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken nannte er diesmal eine Brücke.

Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder blieben unerwähnt und unbeantwortet. In einem Interview mit dem Stern kritisierte er, dass die Turbine immer noch in Mühlheim bei Siemens steht. „Die Turbinen, die benötigt werden, um das Gas in die Pipeline zu bringen, kommen von Siemens und müssen regelmäßig gewartet werden“, sagt Schröder und ergänzt: „Aber Siemens hat die viel diskutierte Wartungsturbine aus Kanada mit nach Mülheim gebracht, die die Ruhr mitgebracht hat. . Ich verstehe nicht, warum es dort ist und nicht in Russland.“

Russland: Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 sind seit Monaten Gegenstand von Auseinandersetzungen

Seit Juni sind die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 gedrosselt. Als Grund nennt Gazprom unter anderem das Verschwinden der Turbine von Siemens Energy, was die Kanzlerin zu einem Ortstermin veranlasst habe. Für spätere Reparaturarbeiten wurden die Gaslieferungen kürzlich wieder auf 20 % der möglichen Liefermenge reduziert. (nki/nak mit afp)

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