Stand: 21.12.2022 14:35
Mehr Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte, weniger Fleisch, Salz und Zucker: In der letzten Kabinettssitzung vor Weihnachten ging es um Ernährung. Minister Özdemir stellte Pläne für eine Ernährungsstrategie vor.
Von Claudia Plass, ARD-Hauptstadtstudio
Laut Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir müssen Lebensmittel gesund, gut für die Umwelt und bezahlbar sein. “Jeder sollte gut essen können.” Gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft will der grüne Politiker eine umfassende Ernährungsstrategie entwickeln. Unter anderem unterstützen der Bauernverband, Sozial- und Umweltorganisationen und der Lebensmittelverband das Projekt.
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Eines der Ziele: die pflanzliche Ernährung zu stärken. Mehr Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen sollen auf dem Teller landen, Zucker-, Fett- und Salzkonsum sollen reduziert werden.
Außerdem landen immer noch zu viele Lebensmittel im Müll. Fast elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jedes Jahr weggeworfen, Tendenz steigend.
„Weniger Salz, weniger Zucker, weniger Fett“, Cem Özdemir, Bündnis 90/Die Grünen, Landwirtschaftsminister, zur neuen Ernährungsstrategie
Morgenmagazin, 21. Dezember 2022
Lebensmittel aus der Region
Özdemir wolle die Pläne vor allem dafür nutzen, dass mehr biologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region in Speisesälen und Gaststuben angeboten würden, sagte er der Hauptstadtstudie ARD. Ziel der Ernährungsstrategie muss es sein, dass allen Kantinen in Schulen, Fabriken, Alten- und Pflegezentren und Krankenhäusern „gesunde Ernährung auf wissenschaftlichem Niveau“ angeboten werden kann. Das muss auch bezahlbar sein.
Verbindlich will der grüne Politiker auch die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Sie sehen unter anderem eine fett-, salz- und zuckerreduzierte Ernährung vor.
Die Ampelparteien haben sich bereits im Koalitionsvertrag darauf verständigt, eine Ernährungsstrategie für 2023 zu verabschieden. Vieles bleibt vage. Konkreter wird es bei der Werbung. Künftig wird es keine Werbung für ungesunde Lebensmittel mehr geben, die sich an Kinder unter 14 Jahren richtet.
großes Problem
Der Handlungsbedarf ist groß. In Deutschland sind etwa 15 % der Kinder übergewichtig, einige davon adipös. Eine ungesunde Ernährung, erklärt Ärztin Lisa Pörtner, kann zu einem Mangel an wichtigen Mikronährstoffen führen, mit möglichen negativen Folgen für die körperliche und geistige Entwicklung. Adipositas und ernährungsbedingte Erkrankungen sind auch bei Erwachsenen ein großes Problem. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes und einige Krebsarten seien „stark mit unseren Essgewohnheiten verbunden“. Die größten Risikofaktoren: zu wenig Obst und Gemüse, zu viel rotes Fleisch wie Schwein und Rind.
Neue Ernährungsstrategie auf dem Tisch
Kerstin Dausend, ARD Berlin, Morgenmagazin, 21. Dezember 2022
Pörtner beteiligt sich am Bündnis „Der Ernährungswende stellen“. Mehrere Verbände haben sich angeschlossen, wie die Umweltorganisation WWF, der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Sie plädieren unter anderem auch für eine stärker pflanzliche Ernährung und eine schrittweise Reduktion des Konsums tierischer Produkte.
Auch der Umweltaspekt spielt eine wichtige Rolle: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums macht die Ernährung in Deutschland 15 Prozent der Treibhausgasemissionen aus, ebenso viel wie das Heizen. Tierhaltung in der Landwirtschaft, Düngung und Lebensmitteltransport tragen maßgeblich zu den CO2-Emissionen bei.
Kostenloses und gesundes Schulessen
Landwirtschaftsminister Özdemir will mit der Ernährungsstrategie vor allem Kinder in den Fokus rücken. Meike Müller ist überzeugt, dass eine gesunde Schulverpflegung ein wichtiger Hebel für eine nachhaltige Ernährung ist. Sie ist Geschäftsführerin der Gastronomieschule „Abraxas“ in Berlin und zugleich Berliner Repräsentantin des Verbands Deutscher Schul- und Kita-Gastronomie.
Vor allem in Sachen Partizipation sieht Müller Berlin als Vorreiter. Grundschulkinder erhalten hier ein kostenloses Mittagessen. Der Verband fordert, dies bundesweit umzusetzen. Alle Kinder in Deutschland, betont Müller, sollten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gesund zu Mittag essen.
Eine ausgewogene Ernährung ist teuer
Ernährung sei oft ein gesellschaftliches Thema, daher sei gute Ernährungspolitik auch „eine Frage der sozialen Gerechtigkeit“, stimmt Özdemir zu. Angesichts der Energiekrise und steigender Lebensmittelpreise ist es gerade für Menschen mit geringem Einkommen schwierig, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Obwohl die Bundesregierung Hilfen für die Energiekrise aufgelegt hat, steigen mit dem neuen Bürgergeld auch die Regelsätze um gut 50 Euro.
Der Sozialverband VDK sieht jedoch Verbesserungsbedarf und fordert einen höheren Regelsatz. Um gesunde Lebensmittel bezahlbar zu machen, müsse auch die Mehrwertsteuer auf bestimmte Produkte entfallen, insbesondere auf frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte, sagte Verena Bentele, Präsidentin des Verbandes. Auch der VDK ist an der Entwicklung der neuen Ernährungsstrategie beteiligt. Bentele spricht über ein wichtiges Projekt.
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