EU: Macrons Vision von Greater Europe, wenn Olaf Scholz sich ihr anschließt

Ausland Neue Zusammenarbeit

Macrons Vision von Greater Europe

Stand: 14:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Mega-Gipfel der Europäer gegen Putin

Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs werden zum Gründungsgipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag erwartet. Der Gipfel soll Wladimir Putin ein Zeichen der Einheit senden. Verfolgen Sie alle Entwicklungen und weitere Neuigkeiten hier in unserer Live-WELT-Show.

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Der französische Präsident will, dass die EU näher an ihre Nachbarn heranrückt. Auch die Türkei, die Ukraine und Großbritannien würden zum Kreis gehören. Doch beim Auftaktgipfel in Prag bleiben viele Fragen offen. Deutschland fordert bereits eine Beschränkung.

Es war nicht das erste Mal, dass der französische Präsident eine große europäische Rede hielt, als er am 9. Mai seine Idee einer europäischen politischen Gemeinschaft vorstellte. Er wolle “eine politische Koordinierungsplattform” zwischen den Ländern der Europäischen Union und ihren Nachbarn schaffen, sagte Emmanuel Macron anlässlich des damaligen Europatages. Dazu gehören Kandidatenländer wie die Ukraine und auch das ehemalige EU-Mitglied Großbritannien.

Dies könnte laut dem französischen Präsidenten die “richtige Antwort” sein, um “unsere Nachbarschaft zu stabilisieren”. Neben den 27 EU-Staaten treffen sich am Donnerstag in Prag Vertreter von 17 weiteren europäischen Staaten zum Auftakt des Projekts, darunter die Ukraine, Großbritannien und die Türkei. Sie wollen in den Bereichen Frieden und Sicherheit sowie Energie, Klima und Wirtschaft zusammenarbeiten.

Es soll ein Angebot an europäische Partner sein, sich in einigen Themen stärker einzubringen. Ein Sprecher der tschechischen Regierung, die den EU-Ratsvorsitz innehat, sagte WELT. Aber das ist nicht der einzige Zweck. Die neue Gemeinschaft könnte den Beitrittskandidaten auch während des langen Beitrittsprozesses ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln und ihnen eine gewisse Teilhabe ermöglichen, ohne die Handlungsfähigkeit der EU zu lähmen. Sie soll aber keine Alternative zur EU-Mitgliedschaft sein, wie Macron beim letzten Gipfel im Juni deutlich machte.

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Die europäische politische Gemeinschaft basiert auf der Idee eines Europas der zwei Geschwindigkeiten. Präsident Macron ist nicht der Erste, der dies im Sinn hat. Es gibt mehrere Beispiele aus der Vergangenheit, von denen die meisten gescheitert sind. Die Ausnahme ist der Schengen-Raum oder der Euro, wo nicht alle EU-Mitglieder teilnehmen. Nun wären es erstmals Nicht-EU-Mitglieder.

Macrons Idee sieht daher ein Großeuropa und ein Mitteleuropa vor. Der frühere französische Präsident François Mitterand schlug nach dem Fall des Eisernen Vorhangs etwas Ähnliches vor. Das heißt, dass die Länder Osteuropas, sobald sie unter sowjetischer Kontrolle stehen, sich einer losen europäischen Konföderation anschließen sollten. Allerdings fand die Idee damals kaum Unterstützung, stattdessen erweiterte sich die EU 2004 nach Osten.

Aus früheren Projekten wurde nichts

Die Union für das Mittelmeer zeigt, welches Schicksal der europäischen politischen Gemeinschaft drohen könnte, ebenfalls eine Initiative Frankreichs. Es wurde 2008 als Dialogforum zwischen EU-Ländern und 15 Mittelmeerländern gegründet, um die Stabilität in der Region zu fördern.

Dann stellte der französische Präsident Nicolas Sarkozy es als Alternative zum EU-Beitritt der Türkei vor. Knapp zehn Jahre später verpuffte das Projekt.

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Aber heute sieht die Situation angesichts der Bedrohung der Sicherheit Europas anders aus. Solange der Krieg in der Ukraine andauert, ist der Impuls für die europäische politische Gemeinschaft jedenfalls da. „Als informeller politischer Verein hat er eine echte Chance“, sagt Nicolai von Ondarza von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gegenüber WELT.

Dass die EU-Nachbarn an einer verstärkten Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem geopolitischen Interesse interessiert sind, zeigt auch die überraschende Teilnahme Großbritanniens am ersten Treffen in Prag, nachdem sich London weitestgehend vom EU-Szenario seit dem Brexit distanziert hatte . .

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Und Deutschland? Bundeskanzler Olaf Scholz unterstützt die französische Initiative. In einer europapolitischen Rede Ende August in Prag betonte er jedoch: “Eine solche Fusion – die mir sehr wichtig ist – ist keine Alternative zur nächsten EU-Erweiterung.”

Denn anders als Frankreich, das dem Ausbauprozess lange Vorbehalte entgegengebracht hat, drängt Scholz auf schnelle Fortschritte bei der Anbindung der Länder des Westbalkans. Die Bundesregierung sei zwar nicht gegen Macrons Idee, sie werde aber nicht als deutsch-französisches Projekt verkauft, erklärt EU-Expertin d’Ondarza.

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Überraschend ist, dass diese Initiativen überwiegend aus Frankreich und nicht aus Deutschland kommen. Gleichzeitig ist Macrons Problem aber, dass er wie die europäische Politikgemeinschaft seine Zukunftsvisionen für Europa meist alleine auf den Weg bringt – und sie nicht erst mit anderen EU-Partnern abstimmt, um die nötige Unterstützung zu finden.

Die europäische Politik sieht von Ondarza bis heute als vielversprechender an: „Anders als früher entstand die Idee im Schatten des Krieges, zur Zeit der Konfrontation mit Russland, die die europäische Sicherheitsordnung gefährdet“. Die Nachhaltigkeit der Initiative hängt auch davon ab, wie ernst Deutschland sie nimmt.

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