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EU-USB-C-Verpflichtung: Apple hat mehrere Optionen für kommende iPhones
Die EU hat kürzlich entschieden, dass unter anderem alle in ihrem Zuständigkeitsbereich verkauften Smartphones ab 2024 mit einer USB-C-Buchse ausgestattet sein müssen und herstellerspezifische Schnittstellen wie der Apple Lightning nicht mehr erlaubt sind. In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte Greg Joswiak, Chief Marketing Officer von Apple, wie erwartet, dass Apple keine andere Wahl habe, als sich an das Gesetz zu halten.
Diese Aussage kann so verstanden werden, dass Apple seine iPhones in zukünftigen Iterationen von Lightning auf USB-C umstellen wird. Das wäre naheliegend, denn neuerdings hat sogar das günstigste iPad umgestellt. Und MacBooks haben sowieso schon seit vielen Jahren USB-C.
Man sollte aber auch beachten, dass Joswiak nicht explizit gesagt hat „wir statten das nächste iPhone mit USB-C aus“. Dies kann mit der strengen Vertraulichkeitsrichtlinie von Apple zusammenhängen, keine Informationen über neue Geräte offenzulegen, bevor ein Produkt veröffentlicht wird. Abgesehen davon wäre es nicht klug, ein (sicherlich nicht unwichtiges) Feature eines zukünftigen iPhones zu enthüllen, wenn der Vorgänger iPhone 14 gerade erschienen ist, oder wegen des Großvaters (das „iPhone 15“ wird Ende 2019 erhältlich sein 2023, also bevor USB-C verpflichtend wird), sogar der Vorgänger eines frühen USB-C-iPhone.
Florian Müssig schreibt seit 2005 bei c’t über Laptops und deren Spezialisierungen auf Netbooks, Ultrabooks, Hybriden & Co. Es befasst sich auch mit verwandten Themen wie der Batterietechnologie.
Gedankenspiele
Die Aussage lässt jedoch auch zwei andere Möglichkeiten zu. Apple könnte seine iPhones bis 2024 vollständig aus Europa zurückziehen. Auch das wäre gesetzeskonform, ist aber angesichts der bisherigen Verkaufszahlen und der Größe des heimischen Marktes zugegebenermaßen höchst unwahrscheinlich. Schließlich würden auch andere Unternehmensbereiche massiv unter dieser Entscheidung leiden: Eine Apple Watch kann man nicht ohne iPhone nutzen, und die AirPods-Verkäufe würden zumindest einbrechen. Ganz zu schweigen von Diensten wie Apples Fitnesskursen.
Aber Apple hat auch eine Lücke als Option: Die EU-Richtlinie gibt konkret an, welche Klassen von Geräten betroffen sind
Tragbare Mobiltelefone, Tablets, Digitalkameras, Kopfhörer, Ohrhörer, tragbare Videospielkonsolen und tragbare Lautsprecher, sofern sie über eine kabelgebundene Ladefunktion wiederaufladbar sind.
Dieses Nachwort ist entscheidend. Es gibt keine Spezifikation für Geräte, die drahtlos geladen werden können, und spielt Apple nicht schon seit den Tagen von Jony Ive mit dem Gedanken, iPhones ganz ohne Schnittstellen zu bauen?
Lass uns drahtlos gehen …
Apple hat in den vergangenen Jahren alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um diese Entscheidung nicht unbedingt global, sondern möglicherweise nur regional umzusetzen. Die Apple Watch hat einen Diagnoseanschluss in einer der beiden Vertiefungen, die die austauschbaren Armbänder enthalten, die der Kunde nicht verwenden kann. Für EU-iPhones könnte Apple die Lightning-Buchse einfach als Diagnoseport definieren und deren Funktion per Firmware deaktivieren.
Firmware-Einschränkungen zur Einhaltung lokaler Gesetze sind für Apple (und jeden anderen global agierenden Hersteller) keineswegs Neuland und betreffen nicht nur Dinge wie erlaubte WLAN- oder Mobilfunkbänder. Beispielsweise können iPhone-Benutzer in den Vereinigten Arabischen Emiraten FaceTime nicht verwenden. Und in Japan kann man beim Fotografieren das akustische Auslösegeräusch der Kamera-App nicht ausschalten; Ja, ein solches Gesetz musste eingeführt werden, um die schlechte Angewohnheit zu verhindern, Frauen heimlich unter dem Rock zu fotografieren.
In puncto Design und Spritzwasserschutz wäre es natürlich sinnvoller, ganz auf den Stecker zu verzichten. Wie das mit minimalem Entwicklungsaufwand funktionieren könnte, zeigt das iPhone 14: US-Modelle verwenden die gleiche Platine wie iPhones für andere Märkte, allerdings ist der SIM-Karten-Slot nicht bestückt, weil nur eSIM in den USA bereitgestellt wird. Die Gehäuse wurden entsprechend modifiziert, sodass sie keinen Ausschnitt für einen SIM-Slot mehr haben. Apple könnte zur Problemlösung auf MagSafe ausweichen: Immerhin ist ein Datenaustausch (zumindest rudimentär) auch über Apples spezifische Schnittstelle zum kabellosen Laden möglich.
Allerdings: Ein iPhone mit USB-C ist definitiv die wahrscheinlichste Option. Apple hat Lightning mit dem iPhone 5 eingeführt, weil es damals noch keinen verdrehsicheren USB-Anschluss gab (USB-C wurde erst etwa zwei Jahre später spezifiziert), sondern nur einen komplizierten Micro-USB. Doch so wie USB-C einen Siegeszug angetreten und viele (auch verwirrende!) Neuerungen erhalten hat, hat sich bei Lightning seit seinem Debüt wenig geändert. Beispielsweise werden Datenübertragungen immer noch mit USB-2.0-Geschwindigkeit durchgeführt. Aus technischer Sicht würde der Wechsel auch etwas für Apple und Nutzer bringen.
AppleVista vs. EU
Die von Joswiak im Interview erwähnte und von Apple favorisierte Idee, nur Ladegeräte vorzugeben, aber herstellerspezifische Kabel zuzulassen, ist im Hinblick auf die Nachhaltigkeit ansonsten nicht auszuschließen: Wenn das Kabel zu oft geknickt wurde oder die Katze daran genagt hat, einfach ersetzen , aber nicht das Netzteil selbst.
Nur: Diese Option würde auch anderen Herstellern die Tür öffnen, eigene Stecker zu konstruieren, genau das ist der Punkt, gegen den die EU seit mehr als zehn Jahren ankämpft. Und da Apple viel Geld mit dem Mfi-Programm (Made for iPhone) verdient, das Lightning-Zubehör zertifiziert, würden andere Hersteller diesen Cashflow zweifellos gerne nehmen.
Ausblick: Klar bis bewölkt
Der nächste potenzielle Konflikt zwischen Apple und der EU bahnt sich bereits an: Ab 2026 gilt die USB-C-Richtlinie auch für Laptops. Moment mal: Sind MacBooks nicht alle USB-C und aufladbar? Ja, aber der Teufel steckt im Detail.
USB-C bzw. der zugehörige Ladestandard USB Power Delivery bewältigt aktuell nur bis zu 100 Watt Ladeleistung. Eine Erweiterung auf bis zu 240 Watt namens Extended Power Range (EPR) wurde bereits angekündigt, aber es wird noch eine Weile dauern, bis sie in größeren und leistungsstärkeren Laptops (MacBook Pro, Gaming, …) flächendeckend verfügbar ist.
EPR sprechen übrigens schon die leistungsstärksten MacBook Pro Netzteile von Apple, die 140 Watt bieten, vorbildlich. Wo ist also das Problem? Die 140 Watt arbeiten derzeit ausschließlich bei – tada! – Patentiertes USB-C-Kabel mit magnetischem MagSafe-Anschluss am anderen Ende. Das MacBook Pro akzeptiert maximal 100 Watt über ein standardisiertes USB-C-zu-USB-C-Kabel.
Zur Rettung von Apple: Möglicherweise gibt es derzeit keine Komponenten für eine Stromversorgung in Laptops, die einerseits bereits EPR sprechen, andererseits aber auch alle anderen USB-C-Funktionen (USB, DisplayPort, Thunderbolt) beherrschen. Allerdings bleibt in Zukunft abzuwarten, ob Apple den aktuellen Dualismus beibehält: Laden ist über USB-C möglich, benötigt aber die maximale Leistung des proprietären MagSafe. Und auch wenn das für die EU reicht… (muh)
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