Zunächst verteidigte der damals 30-jährige Werner Schlager insgesamt fünf Matchbälle gegen Titelverteidiger Wang Liqin und Olympiasieger Kong Linghui (beide China). Im Finale gewann Schlager dann gegen den Koreaner Joo Se-hyuk mit 4:2. Er war der erste Österreicher seit Richard Bergmann 1937 und der letzte Nicht-Chinese, dem dies gelang. Gleichzeitig bedeutete es aber auch den Sprung an die Spitze der Weltrangliste.
Die Erfolgsbilanz von Werner Schlager ist beachtlich: Weltmeister im Einzel 2003, WM-Dritter 1999, EM-Zweiter 2009 und EM-Dritter 2002, 2008 und 2010, vier Bronzemedaillen Mit Krisztina Toth wurde er 2003 Mixed-Europameister, im Mixed und mit dem Schlager-Team gewann er eine Silber- und fünf Bronzemedaillen. Er war Europameister 2007/08 und kann sich über mehr als 20 österreichische Meistertitel freuen.
„Die Pandemie hat mich hart getroffen“
Der Niederösterreicher profitiert bis heute von seinem damaligen Triumph. „Wenn ich nicht Weltmeister geworden wäre, wäre es jetzt viel schwieriger für mich“, sagte Schlager im Gespräch mit der Österreichischen Presse-Agentur über seine Verdienste. Dem WM-Gold folgten lukrative Verträge und viele Reisen nach China. Doch die Coronavirus-Pandemie sorgte für eine Zäsur, 2021 wurde der Vertrag von den Chinesen nicht mehr verlängert. „Die Pandemie hat mich hart getroffen. Natürlich lebe ich immer noch von meinen Sponsoren und Auftritten, aber es sind nicht mehr die goldenen Zeiten.“
APA/Günter R. Artinger Im September 2003 wurde Schlager mit einer eigenen Briefmarke geehrt, der ersten österreichischen Briefmarke, die einer lebenden Person gewidmet ist (ausgenommen Staatsoberhäupter).
Schlager sieht die Tischtennis-Situation ebenso verändert, deshalb schaut er sich die Spiele nur noch selten an: „Es gibt nichts Neues. Ich habe jetzt alles gesehen, was es gibt. Ich wünsche mir viel mehr Kreativität im Tischtennis.“ Die International Table Tennis Federation (ITTF), der Dachverband aller nationalen Tischtennis-Sportverbände, hatte schon damals damit begonnen, das Spiel zu vereinfachen und gleichberechtigter zu gestalten. aktiv
“Das Spiel ist obsolet geworden”
„Sie haben die Bälle größer gemacht, sie haben den Aufschlag weggenommen, sie haben das Zählsystem geändert“, zählte Schlager als Beispiel auf. Als Ergebnis wurde Vielfalt, Vielseitigkeit enthalten. „Alles hat dazu beigetragen, dass der Sport einheitlicher geworden ist. Es ist nicht mehr so interessant, das Spiel selbst ist langweiliger geworden. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, den sie alle spielen.” Schlager rät, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, etwa andere Materialien zuzulassen. „Um ihn wieder attraktiver zu machen, damit die Menschen die Vielfalt dieses Sports wieder bewundern können.“
Schlager genießt es mehr, Felix Wetzel zu betreuen, der für den Vizemeister Wiener Neustadt spielt, als Tischtennis zu schauen. Wenn er im Trainingszentrum seines Vaters Thomas Wetzel im bayerischen Bad Aibling gegen den 19-Jährigen spielt, gewinnt er Satz und gewinnt Satz. Schlager: „Ich fühle mich dort ein bisschen zu Hause, weil ich sozusagen wieder in der Tischtennisfamilie bin, wieder integriert bin. Ich trainiere und trainiere ein Stück weit mit ihnen.“
APA/Franz Neumayr Werner Schlager mit Michaela Dorfmeister im Oktober 2003 in Salzburg: Die Skifahrerin ist Siegerin in der Kategorie „Sportlerin des Jahres“, die Weltmeisterin im Tischtennis ist „Sportlerin des Jahres“
Ein Engagement in der offiziellen Welt des Europäischen (ETTU) oder Weltverbandes (ITTF) – wie zuvor durch seinen ehemaligen Doppelpartner Karl Jindrak vorgelebt – oder im Landesverband (ÖTTV), wo Stefan Fegerl heute Sportlicher Leiter ist, hat es in sich nicht getan worden. noch für Schlager entstanden. Wenige Jahre nach dem WM-Erfolg startete er jedoch mit einem Partner in Schwechat das Projekt „Werner Schlager Academy“ (WSA) und übernahm die sportliche Leitung der in den Multiversum-Hallenkomplex integrierten Einrichtung International Format Training .
“Ich musste die Studiengebühren bezahlen”
Finanzierungsengpässe läuteten das Ende des WSA ein, und im November 2021 begann ein Prozess wegen angeblichen Zuwendungsbetrugs. Schlager gab an, sich nicht mit Förderfragen oder Förderanträgen für das Hauptprojekt befasst zu haben und zu diesem Zeitpunkt in erster Linie Leistungssportler gewesen zu sein. Im Prozess gegen zwölf Angeklagte zu Beginn sind noch keine Urteile gesprochen worden. Das belastet Schlager: Im Fall des WSA-Projekts fühle er sich „sehr gekränkt und gefeuert. Ich musste meine Abgaben zahlen.“
APA/Helmut Fohringer Werner Schlager bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London
Für Schlager sei die Verhandlung “wahnsinnig, eine Katastrophe” gewesen, er habe aber auch wichtige Erfahrungen machen können, die er nicht missen wolle. „Sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Ich bin jetzt definitiv belastbarer und habe viel mehr Erfahrung als vor zehn Jahren. Ich bereue die Entscheidung, es überhaupt zu versuchen, nicht. Natürlich das eine oder andere hätte es nicht sein sollen. Aber die Grundentscheidung, die Grundidee war auf jeden Fall sehr positiv.“
Schlagers Kinder Nick und Nea sind jetzt 13 bzw. 9 Jahre alt. Sie und seine Frau Bettina werden auch an seinem Geburtstag seine Priorität sein: „Ich feiere ihn mit den Menschen, mit denen ich mich gerne umgebe. Das reicht.“ Vor Corona haben die Kinder „früher Tischtennis in Wiener Neustadt geübt, jetzt aber Sie spielen nur zu Hause: “Ich habe im Keller einen Tisch mit einem Roboter aufgebaut. Wenn es ihnen gefällt, lasse ich sie etwa 100 Bälle spielen.” Schlager erinnert sich manchmal daran, wie er und sein Bruder Harald mit ihrem Vater auf dem Dachboden trainierten und der Weg zum WM-Gold begann.