Friederike von Kirchbach: Die Präsidentin des RBB-Rundfunkrates tritt zurück

Medien Friederike von Kirchbach

Der Präsident des RBB-Rundfunkrates tritt zurück

Stand: 11:28 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

“Die Einsparungen sind immens und dann freut sich die Chefetage sehr”

„Sie nennen es Zielprämien. Am Ende des Tages hat Schlesinger etwas zusätzlich zu seinem Gehalt bekommen“, sagt Business-Insider-Chefredakteur Kayhan Özgenc über den Fall Schlesinger. Im WELT-Interview verrät er, was sein Team über das bislang geheime Bonussystem für RBB-Vorstände herausgefunden hat.

Die Affäre um die erinnerte RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat weitere persönliche Folgen: Friederike von Kirchbach, Präsidentin des Rundfunkvorstands des RBB, tritt von ihrem Amt zurück. Die Intendantin des Bayerischen Rundfunks macht derweil ihrem Ärger über Schlesingers Sache Luft.

Die Präsidentin des Rundfunkvorstandes des RBB, Friederike von Kirchbach, tritt aufgrund der Krise des öffentlich-rechtlichen Senders ARD mit sofortiger Wirkung zurück. Das teilte der 67-Jährige am Samstag mit. Nun gibt es einen weiteren persönlichen Fallout in der Affäre um Vetternwirtschaftsvorwürfe gegen die verstorbene Regisseurin Patricia Schlesinger.

Von Kirchbach sagte: „Der RBB steht vor einem Neuanfang. Nach zehn Jahren als Vorsitzender des Rundfunkrates möchte ich mich einbringen und mein Amt zur Verfügung stellen.“ Mit der Entlassung Schlesingers als Intendant hat der Ausschuss den Weg für neue Strukturen und Personen bei der ARD geebnet: “Für alles, was jetzt kommt, sehe ich neue Leute auf dem Posten, also trete ich zurück”, sagte er.

Gleichzeitig betonte sie, dass es bei der aktuellen Debatte um den RBB und den öffentlichen Dienst nicht um Menschen gehen dürfe, für sie stehe das Thema im Vordergrund. „Dazu gehört auch die selbstkritische Auseinandersetzung mit unserer Arbeit im Rundfunkrat in der Vergangenheit. Mir ist wichtig, dass er diese Diskussion angestoßen hat.“ Andererseits ist sie nicht bereit, ihre berufliche Integrität als Seelsorgerin und Schäferin in Frage zu stellen, dies geschieht öffentlich und ist für sie nicht hinnehmbar.

Friederike von Kirchbach, Präsidentin des RBB-Rundfunkrates, während einer Pressekonferenz zur Affäre um den erinnerten Intendanten Schlesinger

Quelle: dpa/Gerald Matzka

Seit 2013 ist von Kirchbach Vorsitzender des Aufsichtsgremiums und seit 2007 Mitglied. Rundfunkrats-Vizepräsident Dieter Pienkny übernimmt zunächst interimistisch die Amtsgeschäfte.

Der Rundfunkrat ist eines der Kontrollorgane des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er beaufsichtigt die Programmarbeit. Das Komitee wählt auch den Direktor. Am Montag gedachten Mitglieder des Rundfunkrates Schlesinger. Der Vorstand als zweites Kontrollorgan befasst sich nun mit der konkreten Vertragsauflösung.

“Benommen und wütend”

Die Intendantin des Bayerischen Rundfunks (BR), Katja Wildermuth, äußerte sich besorgt über die Auswirkungen der Schlesinger-Affäre. Die Vorfälle überschatteten die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Senders und ließen ihn „ein wenig schockiert und wütend zurück“, sagte Schlesinger am Wochenende dem „BR24 Medienmagazin“. „Auf jeden Fall ist es eine einmalige Veranstaltung in der ARD. Und es betrifft uns alle, auch uns als Co-Intendanten.”

Gleichzeitig wissen wir aber aus unabhängigen Umfragen, dass es in der Gesellschaft einen hohen Konsens für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. Qualitätsjournalismus sei gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je und das beste Gegenmittel gegen Fehlinformationen, sagte Wildermuth.

Besonders wichtig ist der verantwortungsbewusste Umgang mit den Senderaten der Menschen. „Das ist Geld, das uns von den Mitarbeitern anvertraut wurde. Und dem müssen wir mit großer Verantwortung begegnen“, sagte Wildermuth.

Katja Wildermuth, Geschäftsführerin des Bayerischen Rundfunks (BR), auf einem Aktenfoto aus dem Jahr 2020

Quelle: dpa/Lino Mirgeler

In der RBB-Affäre sind auch zusätzliche erfolgsabhängige Fonds für Führungskräfte in die Kritik geraten. Wildermuth sagte für sein eigenes Haus: „Ich kann ganz klar sagen: Nein, das gibt es nicht. Wir haben keine erfolgsabhängige Vergütung für die Manager des Bayerischen Rundfunks.“

Der BR evaluiere seine Prozesse ständig und habe seine Regeln bereits Anfang des Sommers verbessert, bevor die Vorwürfe gegen Schlesinger bekannt wurden, betonte der Direktor. So wurde beispielsweise das Vier-Augen-Prinzip für Verträge mit externen Partnern intensiviert und die Compliance-Regeln für die geltenden Richtlinien ergänzt und angepasst. Wildermuth sagte, die Geschäftsreisen und Gastfreundschaft der Führung hätten seit seinem Amtsantritt im Februar 2021 inmitten der Pandemie kaum stattgefunden.

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Nach seinem Amtsantritt wurden in seinem Büro nur ein Sofa und zwei Tische ausgetauscht, für Videokonferenzen kaufte er eine Stehlampe und ein knalliges BR-Logo. “Statussymbole sind obsolet geworden”, sagte der Regisseur. Aus dem 20. Jahrhundert stammt auch das Bild vom Management am Rande, das den Mitarbeitern nicht zugänglich ist. Wenn er andere BR-Standorte besuche, setze er sich manchmal mit seinem Laptop an einen freien Platz und arbeite daran, sagte er.

RBB-Chef Schlesinger trat am 7. August unter dem Vorwurf der Vetternwirtschaft, Wucher und Verschwendung zurück. Der Rundfunkrat des RBB hat sie mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Direktor.

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