Stand: 12.10.2022 17:26
Die Flaute nach der Sommerwelle sei nur von kurzer Dauer gewesen, sagt Hausarzt Hanefeld. Aufgrund der zahlreichen Atemwegsinfekte steigt die Praxisbelastung aktuell wieder rasant an. Die aktuelle Situation ist ein Vorbote des kommenden Winters.
tagesschau.de: Was passiert gerade in Ihrer Praxis? Wie hat sich die Situation in den letzten Wochen verändert?
Marc Hanefeld: In den letzten Wochen des Sommers waren wir froh, dass es etwas weniger los war, denn es gab viele Monate davor, dass es viele Infektionen gab. Dieser hat sich zuletzt entspannt und ist nun plötzlich wieder auf Höchstbelastung eingestellt.
tagesschau.de: Was bedeutet Spitzenbelastung im Praxisalltag?
Hanefeld: Nun, ich kann Ihnen nur eine Zahl als Beispiel nennen: Wenn wir typischerweise täglich etwa zehn bis 15 Patienten mit akuten Infektionen haben, brauchen wir dafür etwa eine Stunde. Aber im Moment sind es jeden Tag etwa 30, das ist eine große Steigerung.
“Jetzt sehe ich die Situation als Vorbote des Winters”
tagesschau.de: Wir stehen erst am Anfang der Grippesaison, erwarten Sie also, dass die Zahlen in den kommenden Wochen weiter steigen werden?
Hanefeld: Ja, genau. Das ist das Dumme daran, dass der Oktober eigentlich nicht der klassische Monat ist, in dem uns Infektionen um die Ohren fliegen. Und die Grippe ist noch nicht angekommen.
Ich sehe die Situation jetzt als Vorbote des Winters, in dem wir wohl die Zähne zusammenbeißen müssen, ob wir das alles schaffen. Dabei geht es nicht nur um Krankschreibungen, sondern auch um die Vermeidung gefährlicher Verläufe, die im Einzelfall eintreten können. Und das gilt für alle Infektionen, nicht nur für Corona. Und dann gibt es auch noch Menschen mit anderen Erkrankungen ohne Infekte, denen wir auch gerecht werden müssen. Deshalb glaube ich, dass die Belastung der Hausarztkonsultationen in den kommenden Monaten erheblich sein wird.
Hausarzt Marc Hanefeld: „Plötzlich war die Höchstbelastung erreicht“
tagesschau24 14.10, 12.10.2022
tagesschau.de: Und das, obwohl ein Großteil der Bevölkerung zumindest gegen Corona geimpft ist.
Hanefeld: Die meisten Patienten, die mit Corona kommen, haben Halsschmerzen oder Husten, aber meist wenige Symptome. Jetzt sehen wir es als Impferfolg – wir ernten die Früchte dessen, was wir die letzten anderthalb Jahre getan haben. Es gibt wohl noch härtere Kurse, aber nicht wie Ende 2020 oder Anfang 2021.
Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung der Impfungen in den Wohnheimen für besonders gefährdete Gruppen: In einem Haus hier in der Stadt hatten wir vor den Impfungen einen Fall, bei dem mehr als 20 Menschen in einer Woche gestorben sind. Sie haben am eigenen Körper wirklich gemerkt, wie es sein kann, wenn so ein Virus durch eine so ungeschützte Patientengruppe eindringt. Und seit wir diese älteren und gefährdeten Menschen geimpft haben, haben wir so etwas nicht mehr gesehen. Wir haben Ausbrüche in Pflegeheimen, aber sie sind bei weitem nicht mehr so weit verbreitet wie früher.
Hohe Nachfrage nach angepassten Impfstoffen
tagesschau.de: Wie ist derzeit die Einstellung der Menschen, sich mit den neuen angepassten Corona-Impfstoffen wieder aufzurichten?
Hanefeld: Dazu haben wir derzeit relativ viele Anfragen. Der Bericht darüber ist Gott sei Dank auch sehr umfangreich. Aber wir haben vor viel weniger als einem Jahr geimpft, als der Ansturm auf die dritte Impfung noch sehr, sehr groß war. Jetzt sind wir auf einer Ebene, auf der Sie dies zusätzlich zur täglichen Praxis tun können. Man darf gespannt sein, ob bei weiter steigenden Infektionszahlen und möglicherweise wieder schwereren Verläufen ein größerer Bedarf für die Praxen besteht.
Der Druck auf Praktika steigt
tagesschau.de: Haben Sie Sorge, dass Sie andere Patienten nicht mehr ausreichend versorgen können, wenn die Zahl der Infektionen und die damit verbundene Belastung steigen? Was ist also mit chronisch Kranken, die regelmäßig behandelt werden müssen?
Hanefeld: Der Druck in der Praxis ist da. Neben der Patientenversorgung haben wir auch andere Dinge zu tun, Prozeduren, Dokumentationen usw. Und je mehr Druck darauf lastet, desto größer ist die Störanfälligkeit eines jeden Systems.
Ich finde es nicht angebracht, Menschen zu verängstigen, die keine Pflege mehr bekommen können. Aber auf jeden Fall muss man sehr aufpassen, dass man sich etwas besser auf den Fall der höheren Fälle konzentriert und wirklich genauer hinschaut, wer jetzt wirklich medizinische Unterstützung braucht und für wen es vielleicht etwas ist, das auch mal eine Weile andauert ein paar Tage oder Wochen Haben Sie Zeit?
„Jeder kann uns helfen, den Winter zu überstehen“
tagesschau.de: Was sollte aus Ihrer Sicht passieren, um diesen Herbst und Winter eine gute Zeit zu haben?
Hanefeld: Aus meiner Sicht ist es wichtig, daran zu denken, dass es Schutzmaßnahmen gibt und dass alle, für die eine Impfung sinnvoll ist, also besonders gefährdete und ältere Menschen, ihren Impfschutz aktualisieren. Ich denke, da haben wir noch viel Potenzial und damit ein relativ großes Risiko, unser Gesundheitssystem zu belasten.
Und das zweite ist, dass es auch andere Schutzmaßnahmen gibt und Maßnahmen wie das Tragen einer Maske etc. berücksichtigt werden müssen. und dass Politiker sie nicht verachten.
Und was Sie auch beachten müssen, ist, dass es eine zusätzliche Krankheit gibt, nämlich die Grippe. Wir alle können etwas tun, und jeder kann auch etwas tun, damit unsere allgemeine Gesundheit in der Bevölkerung erhalten bleibt, damit es uns diesen Winter gut geht…