Stand: 19.07.2022 18:54 Uhr
Mit 40 Grad gemessen im nordrhein-westfälischen Emsdetten ist der Dienstag zumindest vorerst der heißeste Tag des Jahres. Hitze ist vor allem für ältere und schwache Menschen ein Problem.
2022 soll ein neuer deutscher Temperaturrekord aufgestellt werden. Im nordrhein-westfälischen Emsdetten wurden nach Angaben der ARD-Meteorologischen Wettkampfzentrale 40 Grad gemessen. Der Deutsche Wetterdienst hatte zuvor Duisburg-Baerl als vorläufigen Spitzenreiter mit 39,3 Grad eine Station gegeben. Noch höhere Daten können später gemeldet werden.
Der bisherige Rekord für dieses Jahr lag bei 39,2 Grad und wurde vor genau vier Wochen, am 19. Juni, aufgestellt. Der Hitzerekord in Deutschland liegt laut DWD bei 41,2 Grad, gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg.
Meteorologe: Folge der globalen Erwärmung
Die Hitze sei eine Folge des Klimawandels, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. “Seit dem berühmten Jahrhundertsommer 2003 erleben wir 40 Grad nicht mehr jedes Jahr, aber immer häufiger.” Durch die bereits eingetretene globale Erwärmung sind diese Hitzewellen mit Temperaturen über 30 Grad intensiver und häufiger geworden. „Diesen klaren Zusammenhang kann man aus den Daten ablesen“, sagt Friedrich.
Der Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle soll bereits am Dienstag erreicht werden. Im Laufe der Woche wird erwartet, dass sich die Hitze von Westen und Südwesten nach Norden und Nordosten verlagert. Grund für das aktuelle Sommerklima ist ein Hoch über Mitteleuropa, das sich langsam nach Osten bewegt und immer mehr heiße Luft subtropischen Ursprungs aus dem Südwesten liefert. Der DWD spricht von einer “starken Hitzebelastung”. Schwächere Menschen werden es wahrscheinlich besonders spüren.
Der VdK fordert ein Wärmeschutzkonzept für Pflegeheime
Angesichts der hitzebedingten Gefahr für Bedürftige forderte der Sozialverband VdK ein Wärmeschutzkonzept mit umfassenden Vorgaben für Pflegeheime. „Wir brauchen dringend ein Krisenkonzept für Hitzeereignisse, die für Menschen in Heimen und Krankenhäusern besonders belastend sind“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Deutschen Verlagsnetzwerk. „Wir brauchen einen Hitze-Aktionsplan mit umfassenden Vorgaben für Pflegekräfte: von der Medikamenteneinlagerung bis hin zu baulichen Maßnahmen wie dem Einbau von Thermofenstern und Beschattungssystemen.“
Auch die VdK-Chefin hat zu einer Informationskampagne für willkommene Angehörige aufgerufen: „Pflegekräfte zu Hause sollten nicht vergessen werden“, sagte sie. „Eine Aufklärungskampagne soll auf die Gefahren für Sie und Ihre unterstützenden Angehörigen hinweisen und wie Sie sich wirksam schützen können.“ Bentele warnte davor, dass die aktuelle Hitzewelle vor allem für ältere, pflegebedürftige und chronisch Kranke lebensgefährlich sein könnte.
Die Hitzewelle brachte Rekordtemperaturen nach Deutschland
Eva Macht, SWR, Tagesschau um 17:00 Uhr, 19.07.2022
Marburger Bund für Wärmeschutzplan
Die Ärztekammer Marburger Bund forderte einen bundesweiten Hitzeschutzplan und eine Hitzeaufklärungskampagne. „Die Politik muss ihre Bemühungen um Schutzmaßnahmen in den Hitzephasen deutlich ausbauen“, sagte Präsidentin Susanne Johna, ebenfalls vom Deutschen Verlagsverbund.
Städte und Gemeinden brauchen Wärmeschutzpläne, damit die Einrichtungen von Senioren, Krankenhäusern und anderen Gesundheitszentren besser auf Hitzewellen vorbereitet werden können, „besser geregelt durch einen nationalen Wärmeschutzplan“.
Ver.di fragt ohne Hitze
Die Gewerkschaft ver.di forderte längere hitzefreie Pausen für die Beschäftigten. Auch wenn kein Rechtsanspruch darauf bestehe, sollten mit dem Betriebsrat Vereinbarungen getroffen werden, wann ausgefallene Arbeitszeiten gegebenenfalls ausgeglichen werden können, sagte der Leiter der Abteilung Tarifpolitik des Kollektivs, Norbert Reuter, vom Deutschen Verlagsnetzwerk.
Hohe Waldbrandgefahr in vielen Bundesländern
Auch Waldbrände sind bei schwerer Dürre ein Problem. In zehn der 16 Bundesländer gilt zumindest gebietsweise die höchste Waldbrandwarnstufe: in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hessen, Berlin, Rheinland. -Pfalz und Niedersachsen.
Bayerische Forstministerin Michaela Kaniber forderte alle Waldbesucher zu besonderer Vorsicht auf: „Die aktuelle Hitzewelle und die vorherrschende Trockenheit führen dazu, dass Waldböden vielerorts mit trockenem Laub und leicht entzündlichen Ästen und Nadeln bedeckt sind genug, um einen schweren Waldbrand auszulösen”.
Hohe Temperaturen in West- und Südeuropa
Auch Menschen in anderen Teilen Europas leiden unter der Hitze. In Großbritannien stiegen die Temperaturen erstmals auf über 40 Grad.
In vielen Teilen Südeuropas kämpfen Feuerwehrleute gegen Flächen- und Waldbrände. Der Zivilschutz in Sizilien erklärte in einigen Gebieten die höchste Waldbrandgefahr. Auch in Teilen Spaniens, Portugals und Frankreichs gibt es Brände.