Seit Wochen bilden sich vor dem EVN Service Center auf dem Rathausplatz in St. Pölten. Einige der Wartenden haben Briefe der EVN mit Informationen zu den Preiserhöhungen erhalten: Gas- und Strompreise werden sich für viele verdoppeln.
Die meisten wollen nur Auskunft: „Das weiß keiner mehr“, sagt ein Rentner aus St. Pölten, die seit mehr als einer halben Stunde mit ihrem Mann in der Schlange steht, “telefonisch niemanden erreichen”. einander, um sich gegenseitig zu helfen. „Was bedeutet diese Zahl?“, „Wie löse ich diesen Bonus ein?“, hören Sie vielleicht. Aber die Ohnmacht überwiegt.
Sie sehen trostlos in die Zukunft. „Die Mittelschicht wird es nicht mehr lange geben, nur noch Arm und Reich“, sagt der Rentner. Wer wartet, sieht die Soforthilfe kritisch: “Jetzt ist es eine Einmalzahlung. Nächstes Jahr trifft es uns stärker”, sagt eine Frau.
Als Landwirte benötigen Michael Gonaus und sein Vater Anton Gonaus im Jahr rund 20.000 kWh Strom. In diesem Jahr sind sie besonders zufrieden mit ihrer Photovoltaikanlage.
Foto: privat
„Jetzt müssen wir wie in den 50ern Energie sparen“, sagt ein Rentner. Einfach mal einen Raum heizen, alle nicht unbedingt notwendigen Geräte ausschalten, Zeit sparen unter der Dusche: „Wie geht das weiter?“
Die EVN versteht den Frust der Menschen. „Die Zahl der Anrufe bei unserer Hotline hat sich in den letzten Monaten versechsfacht, und die Anrufe sind zwei- bis dreimal länger“, sagt EVN-Pressesprecher Stefan Zach gegenüber NÖN Mitarbeiter.” Gelegentlich lange Wartezeiten an der Hotline und Ansturm auf die Kundencenter werde es wohl auch weiterhin geben, sagt Zach und rät: „Alles, was machbar ist, sollte man online selbst erledigen und den Angehörigen helfen, wann immer es geht.“ Um die Informationen rauszuholen zu den Menschen, die EVN tourt durch die Gemeinden.
Er wünschte sich mehr politische Unterstützung
Die Energiekrise ist auch in einer WG im Zentrum von St. Pölten. Der Student Marco Simon und der Geometer Sebastian Altmann wohnen mit einem gemeinsamen Freund in einem Altbau. Jetzt müssen sie mit Sonderzahlungen, höheren Stromkosten und höheren Mieten rechnen. Für die kommenden kalten Monate haben sie sich entschieden, mit größtmöglicher Energieeffizienz zu leben. Anstatt der Hitze zu trotzen, tragen die beiden auch lieber einen Pullover.
Allerdings würden sie sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen: „Unserer Meinung nach sollte mehr für die Menschen getan werden, schließlich wirken sich die zusätzlichen Energiekosten auch auf die Kaufkraft der Österreicher aus.“
Heizkosten sind auf dem Biobauernhof Pielachtal in Losbach kein Problem, Michael Gonaus kann sein Haus mit Brennholz aus dem eigenen Wald heizen. Außerdem hat der Landwirt vor zwei Jahren eine Photovoltaikanlage im Stall installiert. Das sei die effektivste Maßnahme, um in der aktuellen Situation zu sparen. Als Landwirt verbraucht er jährlich rund 20.000 kWh Strom, etwa viermal mehr als ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich. Da aber abends gemolken wird, muss Gonaus noch Strom zukaufen. In diesem Jahr sieht er zusätzliche Ausgaben von bis zu 3.000 Euro vor. Andernfalls spüren Sie, dass der Preis steigt, insbesondere für Kraftstoff. Einerseits verlässt er sich auf seinen Traktor und seine Landmaschinen. Andererseits würden durch die abgeschiedene Lage seines Anwesens viele Fahrten mit dem Auto anfallen, beispielsweise zum Markt oder zur Schule. „Wir haben immer versucht, unnötige Fahrten zu reduzieren“, berichtet er, „aber wir werden keine Ochsen mehr einsetzen“.
Johann Weiß setzt beim Steinschalerhof in Rabenstein auf Solarenergie und die Umstellung auf LED-Beleuchtung. Er hat vor sieben Jahren die erste Photovoltaikanlage installiert und seitdem enorm gespart. „Überschüssigen Strom speisen wir sogar ins Stromnetz ein“, informiert der Betreiber des Naturhotels. Doch Weiß ist überzeugt, dass jeder Haushalt auch ohne Photovoltaikanlage Energie sparen kann. „LED-Lampen verbrauchen 85 Prozent weniger Strom als eine herkömmliche Glühbirne“, sagt er. Zudem sollten alle Haushalte Spitzenzeiten des Stromverbrauchs möglichst vermeiden. „Keine zusätzlichen Elektrogeräte, die während der Stoßzeiten am Nachmittag und Abend laufen, wenn zu Hause hauptsächlich gekocht wird. So werden Sie zum ‚Spitzenstrom‘-Verbraucher.“
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