Paolo Bernasconi (45) steht unter Stress. Gläser polieren. zu arm. Auf den Hof bringen. Bestellungen aufnehmen. Für ein Gespräch bleibt fast keine Zeit. Die „Ittico Fish Bar“ am Ufer des Lago Maggiore füllt sich mit frühsommerlichen Temperaturen. „Ohne Reservierung geht nichts mehr. Mittags und abends sind wir immer satt”, sagt der Besitzer der angesagten Strandbar in Pallanza (I). Doch Paolo Bernasconi kann mit dem großen Saisonstart nicht wirklich zufrieden sein. Denn er vermisst die Kellner. Er ist verzweifelt Suche „Wir können den Gästeansturm nicht bewältigen, also müssen wir Tische streichen“, sagt der Besitzer des kleinen Fischrestaurants.
Auch Hotelier Valerio Cattaneo (56) moniert, er fände kaum jemanden für den Service, für die Küche, für die Lobby. „Wir haben immer noch Glück. Wir haben treue und langjährige Mitarbeiter, die jede Saison wiederkommen. Das liegt auch daran, dass wir besser bezahlen als andere Hotels in der Region“, sagt der Besitzer des Hotel Ghiffa in der Stadt gleichen Namens gegen die Konkurrenz in der Schweiz nicht blockiert werden kann. „Die Löhne im Tessin sind doppelt so hoch wie hier.“ Das liege auch an den zu hohen Sozialversicherungsbeiträgen, die der italienische Staat von den Arbeitgebern verlange. „Es geht einfach nicht mehr Löhne.“ sagt Valerio Cattaneo. Auch Ausländer haben Schwierigkeiten, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. „Gott sei Dank habe ich über einen privaten Kontakt eine Ukrainerin gefunden, die aus ihrer Heimat geflohen ist und Arbeit gesucht hat. Er spricht sogar ein bisschen Italienisch.“
Familienbetriebe sind die besten
Hotelbesitzer Franco Masanti (74) sieht zerknirscht dem Kommen und Gehen seiner Landsleute zu. Ihr Hotel Andossi liegt im Wintersportort Madesimo im Grenzgebiet Graubünden. Jetzt beginnt die Wandersaison. Das Unternehmen macht sich fit. Doch es fehlt an Personal.
«Die Spezialisten in meinem Bereich arbeiten alle in der Schweiz», sagt der ehemalige Bürgermeister, «Schweizer Hotels holen sie morgens mit Kleinbussen aus dem Chiavennatal ab, bringen sie zu St. Moritzer Hotels und bringen sie abends weiter.» Lokale Hoteliers beobachten derweil die U-Bahn. „Ich habe gerade zwei 18-jährige Stifte gemietet. Nicht mehr. Meine Kinder, meine Frau und ich machen die meiste Arbeit“, sagt Franco Masanti. Nur Familienunternehmen würden in dem Gebiet tätig sein. „Viele Hotels sind mittlerweile auf B&B umgestellt.“
Nur sechs von zehn Stellen wurden besetzt
Italiener, die in der Schweiz arbeiten, könne man verstehen, sagt Fabio Galli (59), «würde ich auch». Schuld ist aber nicht nur der grenzüberschreitende Wettbewerb. Fabio Galli hat eine Werft in Pallanza. „Ich verkaufe, ich warte und ich vermiete Boote“, sagt der Italiener, „nach den Ausgangsbeschränkungen begann der Boom Mechaniker, eine Sachbearbeiterin und Hilfe für die Gänge.
„Fachkräfte gibt es keine. Früher habe ich zwischen fünf oder sechs Leuten gewählt. Jetzt muss ich nehmen, was ich kriegen kann. Die meisten Leute sind keine Experten. Ich muss sie erst ausbilden“, sagt der Verleiher Pandemie hat der Staat begonnen, sozial Benachteiligten ein sogenanntes Grundeinkommen zu zahlen“, erklärt Fabio Galli. „Die wollen höchstens ein paar Stunden illegal arbeiten. Das geht bei mir natürlich nicht lernen keine richtigen Jobs mehr.” Echte Profis sind jetzt älter und weniger belastbar.
In der Tourismusbranche betrifft es nicht nur das Grenzgebiet zur Schweiz, sondern das ganze Land. Nach Angaben des Vereins „Assoturismo Confesercenti“ besteht ein Verlustrisiko von 6,5 Milliarden Euro. „Strenge Beschränkungen und die langsame Zahlung von Kurzarbeitergeld haben viele in andere Sektoren gebracht“, sagt Präsident Vittorio Messina (56). Kollegin Marina Lalli von “Federturismo-Confindustria” schätzt derweil: “Heute sind nur noch sechs von zehn Stellen besetzt.” Die Gewerkschaften “Unioncamere” und “Anpal” sind genauer. Zwischen Mai und Juli würden 387.720 Arbeitskräfte in Hotels, Restaurants und touristischen Einrichtungen benötigt.