Zur Kernbrennstoffproduktion kam das russische Uran nach Lingen
27.10.2022 05:39
Seit dem Anschlag in der Ukraine hat die EU ihre Handelsbeziehungen zu Russland weitgehend ausgesetzt. Aber wie Erdgas bleiben Kernbrennstoffe von Sanktionen verschont. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BASE) bestätigt nun die Ankunft einer weiteren russischen Lieferung.
Mitten im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine traf Ende September eine Ladung Uran aus Russland im Brennstoffzellenwerk Lingen im Emsland ein. Das geht aus Daten hervor, die das Bundesamt für die Sicherheit der kerntechnischen Entsorgung (BASE) im Internet veröffentlicht hat. Dementsprechend wurde am 28. und 29. September angereichertes Uranhexafluorid nach Lingen transportiert.
Ein Sprecher der Behörde bestätigte die Lieferung auf Anfrage. Weitere Angaben macht das Bundesamt nicht. Der Transport war ab 2021 genehmigungsbasiert. Auf EU-Ebene gibt es kein Importverbot für russische Kernbrennstoffe oder Gas.
Atomkraftgegner im Emsland hatten mit Lieferungen Anfang September gerechnet, dagegen protestiert und einen sofortigen Stopp der Uranimporte aus Russland gefordert. Über den genauen Ablauf des Transports machten die Behörden damals kaum Angaben. Das Bündnis Atomkraftgegner im Emsland (AgiEL) fordert die Bundesregierung auf, die Brennstoffzellenfabrik im Emsland zu schließen.
Brennelemente für Europa
Zuletzt wurde das Uran am 18. Januar, gut einen Monat vor Kriegsbeginn am 24. Februar, aus Russland nach Lingen geliefert. Das Werk des französischen Unternehmens Framatome produziert seit mehr als 40 Jahren Brennelemente für die Erzeugung von Kernenergie in Europa. Das Werk beliefert unter anderem Kernkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat kürzlich von seiner Weisungsbefugnis Gebrauch gemacht und angeordnet, dass Deutschlands drei verbleibende Atomkraftwerke bis längstens 15. April 2023 weiterbetrieben werden können. Die Vollmacht war notwendig geworden, weil sich Grüne und FDP im regierungsinternen Streit um den Weiterbetrieb des deutschen Hochofens nicht einigen konnten. Gleichzeitig schloss Scholz den Kauf neuer Brennstäbe aus.