Linke Frauen protestieren gegen das Ja zur AHV-Reform

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Die Nationalrätin der SP in Bern, Tamara Funiciello, hat im Namen der SP-Frauen zu einem Protest aufgerufen.

Tamara Funiciello (32) ist sauer. Dass die Schweiz beschlossen hat, das Rentenalter der Frauen an das der Männer anzugleichen, ist aus Sicht der SP-Nationalrätin ein Debakel. Es sei ein “Schlag ins Gesicht aller Frauen”, kritisierte am Sonntagnachmittag die Frauensektion der SP, deren Co-Präsidentin Funiciello ist. Besonders aufgefallen ist den Verlierern, dass eine sehr deutliche Mehrheit der Frauen gegen eine Anhebung des Rentenalters war, von den Männern aber überstimmt wurde.

Am Montagnachmittag gingen linke Frauen aus Protest gegen die AHV-Reform in Bern auf die Strasse. Die SP-Frauen sagen, sie hätten das Ergebnis nicht ruhen lassen. Auch das feministische Streikkollektiv in Bern ruft zur Demonstration auf: Der Slogan der Protestaktion: «Ich bin hässlich!»

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„Absolute Arroganz“

Verärgert sind auch die Gewerkschaften, die bereits eine Unterschriftensammlung gestartet haben, um Druck auf die Politik auszuüben. «Die einseitige Kürzung der AHV zu Lasten der Frauen ist ein Rückschlag für die Gleichstellung», schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund in der Beschwerde. Sie fordern bessere Einkommen für Frauen, “im Berufsleben und im Alter”. Bis Montagmorgen hatten bereits fast 40.000 Menschen den Aufruf unterzeichnet.

Der Protestaufruf von links kommt bei den Gewinnern der Abstimmung nicht gut an: den Befürwortern der AHV-Reform. Es sei “absolut anmaßend”, linken Frauen “das Gleichstellungsverständnis vorzuschreiben und allen Frauen das Reformengagement einfach abzusprechen”, sagt die Nationalreferentin des Zentrums, Marianne Binder (64). Immerhin gab es dafür mehrere Frauenkomitees.

„Grundsätzlich habe ich Probleme damit, dass Frauenanliegen von links dominiert werden. Als ob eine bürgerliche Frau keine echte Frau wäre! Und wenn die Linke jetzt über eine Geschlechterkluft klagt, ist es an der Zeit, über die innerhalb des Geschlechts selbst zu sprechen“, sagt Binder.

Demonstrationsaufruf ist „antidemokratisch“

Darüber ärgert sich auch ihre Nationalratskollegin Regine Sauter (56), Abgeordnete der FDP: «Linke Frauen sprechen nicht für alle Frauen in der Schweiz! Es gibt auch viele Frauen, die Ja zur AHV-Reform gesagt haben.» Mit dem Protest würden die Frauen der SP auch das Signal setzen, dass sie eine demokratisch getroffene Entscheidung nicht akzeptieren. „Das finde ich schade“, sagt er.

Die SVP geht noch einen Schritt weiter. SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi (43) schreibt auf Twitter, er fordere die SP auf, den oft gewaltsam geendeten Streikaufruf zurückzuziehen. „In der Schweiz ist das Volk souverän. Direktdemokratische Referenden müssen akzeptiert werden”. Auch die Junge SVP kritisiert das «antidemokratische Verhalten» der Linken. Sie findet, das sei einer Bundesratspartei nicht würdig.

Bitte nehmen Sie die Sache selbst in die Hand

Bundesrat Ueli Maurer (71) stand der Volksabstimmung am Sonntag jedoch alles andere als respektvoll gegenüber. Es sei festzustellen, dass “das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge in der Bevölkerung deutlich abnimmt”, sagte der Finanzminister in der Pressekonferenz am Sonntagabend nach der gescheiterten Reform der Abgeltungsteuer.

Wähler beleidigen? Das ist auch einer selbsternannten Volkspartei nicht würdig.

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