Mit eigenem Kraftwerk gegen die Krise

Geschäft

Mehrere Unternehmen in Tirol, Österreich und Europa stehen angesichts hoher Energiekosten mit dem Rücken zur Wand. Das gilt auch für gesunde Unternehmen wie die Firma Deutsch in Innsbruck. Um 700 Arbeitsplätze zu retten, wollen sie dort bald ein eigenes Kraftwerk bauen.

10.02.2022 28.06

Online seit heute, 6.28 Uhr

Skikanten für praktisch die ganze Welt und spezielle Metallteile für namhafte Automobilhersteller, insbesondere in Deutschland, werden in den Metallwerken Deutsch in Rossau bei Innsbruck erfolgreich produziert. Das Unternehmen hat zum Beispiel Exklusivverträge mit BMW und Mercedes. Für die Metallschmelze und die anschließende Produktion werden jedoch große Mengen an Gas und Strom benötigt. Zwei Energieträger, für die das Metallwerk Deutsch aus heutiger Sicht im nächsten Jahr ein Vielfaches bezahlen muss.

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Kraftwerk zur Senkung der Stromkosten

Um etwas unabhängiger von der völlig überlasteten Strombörse zu werden, hat Deutsch die Sache nun selbst in die Hand genommen. Innerhalb kürzester Zeit wurden zwei Blockheizkraftwerke bei Innio in Jenbach bestellt. Bei einer maximalen Last von 5.000 KW pro Tag, was ungefähr dem Jahresverbrauch eines Großhaushalts entspricht, sollten diese dazu beitragen, die Kosten etwas zu senken. Die Genehmigungsverfahren für diese millionenschwere Investition sind in vollem Gange, und das Kraftwerk des Unternehmens wird voraussichtlich im April in Betrieb gehen.

Um Arbeitsplätze zu sichern, versucht die Firma Deutsch dem mit einer gewaltigen Investition in ein Kraftwerk entgegenzuwirken.

Das Blockheizkraftwerk müsse mit Flüssiggas betrieben werden, sagt Michael Deutsch, der in diesem Sinne von einem Paradoxon spricht. „Obwohl wir das nicht wollen, sind wir gezwungen, auf fossile Brennstoffe zurückzugreifen, und wir müssen dafür eine Strafe zahlen. Wir müssen auch hoffen, dass zumindest der LPG-Preis stabil bleibt.“

Der Energiepreis war die einzige Kraft in Europa

Warum diese enormen Preissteigerungen an den Energiebörsen für Europa so dramatisch sind, hat laut Michael Deutsch eine ganz einfache Erklärung. Tatsächlich waren die niedrigen Energiepreise der einzige verbleibende Wettbewerbsvorteil für die Industrie und die größten Unternehmen in Europa. Nur deshalb konnten im weltweiten Vergleich so hohe Löhne und Steuern gezahlt werden.

Ohne eine drastische Senkung der Energiekosten wird Europa laut Michael Deutsch auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Preiserhöhungen sind nicht kontrollierbar

Statt bisher drei Millionen Euro muss CEO Michael Deutsch bis 2023 mit Energiekosten von 24 Millionen Euro kalkulieren. Eine Preissteigerung, die selbst ein gesundes Unternehmen nicht verkraften könne, sagt Michael Deutsch. Die Unternehmen, die immer noch unter den Folgen von Corona leiden – und das würde reichen – stünden vor dem Aus, es zeichnet sich ein dramatisches Szenario ab.

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Die von der Bundesregierung angekündigten Energiekostenzuschüsse würden seiner Meinung nach nicht ausreichen. Zumal derzeit noch nicht ganz klar ist, wie diese Hilfen im nächsten Jahr aussehen werden. Das müsste die Wirtschaft aber schon wissen, denn es müsse gerechnet werden, sagt Deutsch. Wenn es keine schnelle Hilfe gibt, erwarten Sie nächstes Jahr einen wirtschaftlichen Tsunami und Tausende von Arbeitslosen.

Stefan Lindner, tirol.ORF.at

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