Und alles steht auf dem Kopf: Wenn Austropop das Theatermuseum erobert, hängen Instrumente, Sitze und sogar ein nackter Mann von der Decke. Die neue Leiterin des Hauses, Marie-Theres Arnbom, hat für ihre erste Ausstellung ein Thema gewählt, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, aber in der weiten Interpretation durchaus Sinn macht. Entsprechend lautet der Untertitel „Von Mozart bis Falco“.
Marie-Theres Arnbom leitet das Theatermuseum
Nackt an der Decke: Hommage an Georg Danzer
Am Anfang stehen die beiden großen Treiber: Arnbom und sein siebenköpfiges Kuratorenteam verstehen Pop als „Blasting the World“. Subversivität und Gesellschaftskritik spielen eine zentrale Rolle, die auch an Mozart, Emanuel Schikaneder oder Johann Nestroy anknüpft. Eine bunte Tapete aus den 1960er-Jahren wechselt sich mit historischen Signaturen als gestalterische Kulisse ab, vor der Kostüme aus Mozarts Aufführungen, eine Falco-Figur mit Gitarre oder eine Reihe von Plattencovern zu sehen sind.
Ein kleiner Abstecher in die Welt des Sports (von „Schifoan“ zu singenden Fußballern) führt schließlich zum „klassischen“ Austropop: Hier glänzen beispielsweise Rainhard Fendrichs Gold- und Platin-Schallplatten im Wettbewerb, aber der Streit zwischen Ö3 und beleuchtet durch die Stars der Szene.
Fotoserie mit 4 Bildern
Theatermuseum © KHM-Museumsverband Rainhard Fendrich als Bill Flynn in „Chicago“ (John Kander) Raimund Theater, 1988 Theatermuseum © KHM-Museumsverband Georg Danzer als Herr von Lips in „Der Torn“ (Johann Nestroy) Schloss Liechtenstein Stefan Weber, 1979 © Bernd Preiml Stefan Weber, Drahdiwaberl Theatermuseum © KHM-Museumsverband Marianne Mendt in „Die Landstreicher“ (Carl Michael Ziehrer) Raimundtheater, 1986
Falco in weißer Zwangsjacke
„Sie werden Zeuge eines fast anarchischen Prozesses“, hatte Arnbom am Montag beim Presserundgang mit Blick auf die gemeinsame Entwicklung des Projekts angekündigt. Bei der Tour selbst wird der Punk- und Rock’n’Roll-Spirit nicht ganz erfüllt, aber zumindest einige Anspielungen auf Stefan Weber und Drahdiwaberl werden gespielt. Konsequent ist auch die Idee, einen Falco aus dem „Jeanny“-Video in Zwangsjacke gekleidet in einem langen, ganz in Weiß gehaltenen Flur zu inszenieren.
Aber natürlich sind die Sprünge groß und vor allem werden die wichtigsten Eckpfeiler dieses historischen Überfalls gestreift: Zu Ehren der legendären Hawelka und Georg Danzer („Jö, schau“) wurde ein nackter Mensch auf dem Dach platziert, ein paar Schritte weiter Publikum trifft auf Conchita Wurst im “Sound of Music”-Dress.
Das Silvesterkonzert und die Welt der Operette
Die Quintessenz des Austropop-Events sei ohnehin das jährliche Silvesterkonzert, sagte Arnbom, das uns auch zu Johann Strauss und später in die Welt der Operette entführe. In diesem Zusammenhang spricht die Ausstellung auch darüber, was einerseits in Österreich und andererseits international erfolgreich war. An Heinrich Bertés „Das Dreimäderlhaus“ beispielsweise kam man am Broadway kaum vorbei, während es hierzulande etwas anders aussieht.
Theatermuseum © KHM-Museumsverband Johann Strauss und sein auf dem Boden tanzendes Orchester, Beilage der Zeitschrift Moderne Kunst Farbholzschnitt nach einer Zeichnung von
Karaoke-Bühne für Gäste
Eine eigens eingerichtete Bar lädt zum Mitmachen ein, die nicht nur an bekannte Bars wie U4 erinnern soll, sondern mit einer kleinen Karaoke-Bühne und dem Gesangstalent von Wurlitzer das Gesangstalent und die Bereitschaft des Besuchers auf die Probe stellt. . Endlich verschwimmen die Grenzen, es gibt Merchandise der jüngeren Szene (von Bilderbüchern bis Kreisky), ein großes Wandbild einer Familiengründung des Künstlers Lukas Hüller und den wahren Theater-Museumsshop mit passenden Objekten für die Aufführung, und damit . , viel Musik.
Das „große Theater“, das laut Arnbom die Popstars der Vergangenheit und Gegenwart mit ihren Shows immer präsent haben, wird in dieser mit diversen Anleihen gespickten Show anschaulich präsentiert. Eine Show mag anders aussehen, aber es gibt immer noch eine Reihe schöner Momente, in denen sich Geschichte und Moderne vermischen.