Nach dem “Reichsbürger”-Anschlag kündigt Faeser strengere Waffengesetze an

Stand: 11.12.2022 03:40 Uhr

Bundesinnenminister Faeser warnt nach dem Angriff auf sogenannte Reichsbürger vor einer wachsenden Szene mit hoher Gewalt. SPD-Politiker kündigen schärfere Waffengesetze an.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat vor einer wachsenden Gefahr aus der sogenannten Reichsbürgerszene gewarnt. Die Gruppe hat in letzter Zeit auch einen Aufstieg erlebt. Die Zahl der Personen, die das Bundesamt für Verfassungsschutz dem “Reichsbürger”-Umfeld zuordnet, sei im Jahr 2000 im Vergleich zum Vorjahr auf 23.000 Menschen gestiegen, sagte Faeser der “Bild am Sonntag”. Zehn Prozent davon gelten als gewaltbereit, allein im vergangenen Jahr wurden 239 Gewalttaten von Reichsbürgern registriert.

„Wir haben es nicht mit harmlosen Spinnern zu tun, wir haben es mit Terrorverdächtigen zu tun, die jetzt alle in Untersuchungshaft sitzen“, sagte Faeser. Mindestens 1.050 Reichsbürgern sei bereits die Waffenerlaubnis entzogen worden, erklärte Faeser. Die Regierung werde “die Waffengesetze bald noch weiter verschärfen”, kündigte er an.

Politiker fordern besseren Schutz des Bundestages

Mit Blick auf die inhaftierte AfD-Politikerin Birgit Malsack-Winkemann, die auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 2021 im Besitz einer Bundestagskarte war, fordern auch Ampelpolitiker einen besseren Schutz des Parlaments. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, will das Sicherheitskonzept des Bundestags testen. „Dazu gehören Zugangsberechtigungen sowohl für Mitarbeiter als auch ehemalige Abgeordnete“, sagte Wiese der „Bild am Sonntag“. Laut der Zeitung soll nächste Woche der Seniorenrat im Parlament darüber beraten.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sieht Überschneidungen zwischen der AfD und den “Reichsbürgern”. „‚Reichsbürger‘ ist nicht automatisch AfD und umgekehrt. Aber es gibt große Überschneidungen, von der Ablehnung unseres Staates über die pro-russische Haltung bis hin zur Feindseligkeit gegenüber den USA“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Die AfD schafft es immer wieder, aus diesen Bewegungen Treibstoff für die eigene Politik zu gewinnen. “Deshalb müssen wir uns ernst nehmen und uns die AfD als Katalysator sehr genau anschauen.”

Pistorius: „Man muss schauen, prüfen und sammeln“

Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch bei einer Razzia gegen die “Reichsbürger”-Szene 25 Personen festgenommen. Er wirft 22 der Festgenommenen vor, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung zu sein, die das politische System in Deutschland stürzen wollte. Drei weitere Inhaftierte gelten als Unterstützer. Die 23 in Deutschland festgenommenen Verdächtigen sitzen seit Donnerstag in Untersuchungshaft.

Pistorius sagte: „Ich denke, die AfD ist weitgehend rechtsextremistisch.“ Auch in Landesverbänden wie Niedersachsen, die vor einigen Jahren noch als relativ moderat galten, gebe es eine „deutliche Bewegung“ nach rechts. Die Zeit ist noch nicht gekommen, die AfD zu verbieten. „Aber wir müssen schauen, prüfen und sammeln, damit wir den Punkt nicht verfehlen“, sagte Pistorius. Der Verfassungsschutz überwacht die AfD als mutmaßlichen Rechtsextremisten. Eine Beschwerde der AfD gegen diese Einstufung wurde erstinstanzlich zugunsten des Verfassungsschutzes entschieden. Die AfD hat Berufung eingelegt.

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