Stand: 18.10.2022 15:27
Seine Nähe zu einer umstrittenen Interessengruppe hatte für heftige Kritik gesorgt: BSI-Chef Schönbohm verliert nun seinen Posten. Bundesinnenminister Faeser habe ihn zurückgerufen, sagte ein Sprecher.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat den Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, entlassen. Das teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. Über die umstrittene Vereinigung „Cyber“ wurde Schönbohm wegen möglicher Distanzlosigkeit zu den Kreisen der russischen Geheimdienste kritisiert Kriegsdeutschland Wer ihm nachfolgen soll, steht nach Angaben des Innenministeriums noch nicht fest.
Der Minister beschloss, Schönbohm “mit sofortiger Wirkung die Ausübung der Amtsgeschäfte als Vorsitzender des BSI zu untersagen”, sagte der Sprecher. Hintergrund sind nicht minder wichtige Vorwürfe, die in den Medien bekannt und breit diskutiert werden. Diese hätten „das notwendige Vertrauen der Öffentlichkeit in die Neutralität und Unparteilichkeit der Verwaltung als Vorsitzender von Deutschlands wichtigster Cyber-Sicherheitsbehörde nachhaltig beschädigt“.
Dies gilt umso mehr in der aktuellen Krisensituation um die russische hybride Kriegsführung. Die Vorwürfe im Saal berührten auch das wesentliche Vertrauensverhältnis des Ministers bei der Entwicklung der Position.
Kündigung „auch aus Sorge um die eigene Person“
Während in Gewerkschaftskreisen von einem „Bauernopfer“ die Rede war, sei die Entscheidung „auch aus Sorge um die Person, die im Mittelpunkt der Debatte steht“, aus Sicht des Innenministeriums gefallen. Es liegt auch im Interesse der mehr als 1.500 Mitarbeiter des BSI, die nun unabhängig von Spekulationen ihren Job machen können.
Unabhängig davon würden “alle bekannten Vorwürfe gründlich und intensiv geprüft und einer detaillierten Bewertung unterzogen”, so das Ministerium. Bis zum Abschluss dieser Prüfung gilt für Schönbohm die Unschuldsvermutung.
Minister verärgert über Schönbohms Verhalten
Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa war Faeser verärgert darüber, dass die BSI-Chefin weiterhin Kontakte zu dem umstrittenen Verein Deutscher Cyber-Sicherheitsrat pflegte, den er selbst vor zehn Jahren mitbegründet und geleitet hatte, seit kurzem aber sie ist wegen ihrer Verbindungen zu den russischen Geheimdiensten kritisiert.
Schönbohms Verbindung zu dem umstrittenen Klub war zuvor von Jan Böhmermann in der Sendung „ZDF Magazin Royale“ thematisiert worden. Zum einen waren es die russischen Ansprechpartner des Cyber Security Council Deutschland eV. Andererseits richtete sich der Artikel an das Berliner Cyber-Sicherheitsunternehmen Protelion, das bis vor kurzem Mitglied im Deutschen Cyber-Sicherheitsrat war.
Lobbyverband mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst?
Protelion firmierte bis Ende März unter dem Namen Infotecs GmbH. Sie ist eine Tochtergesellschaft des russischen Cybersicherheitsunternehmens OAOInfotecs, das nach Informationen des Recherchenetzwerks Policy Network Analytics von einem ehemaligen Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes KGB gegründet wurde. Der Gründer wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Arbeit mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Am Montag vergangener Woche teilte der Verband mit, dass das Unternehmen ausgeschlossen worden sei. „Das Vorgehen der Protelion GmbH verstößt gegen die Vereinsziele des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V.“, sagte Vereinspräsident Hans-Wilhelm Dünn. Klagen im Gerichtssaal sind mit der Bekämpfung der Cyberkriminalität und der Förderung der Cybersicherheit nicht vereinbar.
Kritik an Thin war auch aus Sicherheitskreisen zu hören. Offenbar war ihm die Problematik bestimmter Kontakte mit Russland nicht ausreichend bewusst.