Stand: 04.08.2022 07:16
China soll laut Staatsfernsehen großangelegte Manöver in ganz Taiwan gestartet haben, unter anderem mit scharfer Munition. Hintergrund ist der Besuch des amerikanischen Politikers Pelosi auf der Insel.
Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking
In den letzten Tagen sind nach Angaben taiwanesischer Behörden chinesische Kampfflugzeuge in Taiwans Luftverteidigungszone eingedrungen, eine Art Pufferzone, die größer ist als der eigentliche Luftraum. Chinesische Kriegsschiffe wurden auch in der Taiwanstraße gesichtet, der Meerenge, die die demokratisch regierte Insel vom Festland trennt.
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Wie angekündigt soll das chinesische Militär nun Großmanöver in der Nähe von Taiwan gestartet haben. Das berichtete das chinesische Staatsfernsehen. Es muss auch scharfe Munition verwendet werden. Im Staatsfernsehen waren bereits Bilder von Kampfjets und Kriegsschiffen in der Gegend zu sehen.
Taiwans Verteidigungsministerium sagte, es beobachte die Situation genau. Die Streitkräfte des Inselstaates würden nach dem Prinzip „Krieg vorbereiten, ohne Krieg zu wollen“ agieren. Auch eine Eskalation des Konflikts wird nicht angestrebt.
„Launching Major Military Operations Around Taiwan“, Tamara Anthony, ARD Peking, über die Reaktionen auf Pelosis Besuch in Taiwan
Morning Magazine, 4. August 2022
Auch Peking verhängt Wirtschaftssanktionen
Der genaue Umfang der Militärübungen ist noch unklar. Die kommunistische Führung hat sechs Gebiete rund um Taiwan als mögliche Manövrierzonen ausgewiesen, von denen sich einige mit taiwanesischen Hoheitsgewässern überschneiden. Was dies für die zivile Navigation und den Flugverkehr bedeutet, ist nicht absehbar. Taiwan befürchtet als Folge der angekündigten Manöver eine See- und Luftblockade.
Wenn die Drohungen wahr werden, könnten Raketen nur wenige Kilometer vor der Küste Taiwans ins Wasser geschossen werden. Zudem hat die Staats- und Parteiführung in Peking Wirtschaftssanktionen gegen die demokratisch regierte Insel verhängt. Viele Lebensmittel aus Taiwan werden nicht mehr in die Volksrepublik importiert.
Auch der chinesische Zoll hat Exportverbote verhängt. Unter anderem kann Sand, ein wichtiger Rohstoff für die Bauindustrie, nicht mehr nach Taiwan geliefert werden.
China empört über Pelosis Besuch
Die kommunistische Führung betrachtet Taiwan als eigenes Territorium und ist empört über den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi. Wochenlang hatten die Vertreter der Volksrepublik mit scharfen Worten vor diesem Besuch gewarnt. In den letzten Tagen hat sich die Rhetorik wieder verschärft.
Auch in chinesischen Online-Netzwerken wurde der Besuch breit diskutiert, meist mit nationalistischen Tönen, aber auch mit Ironie und Humor. Der Kurznachrichtendienst Weibo war in den Stunden rund um Pelosis Ankunft in Taiwan aufgrund einer Überlastung vorübergehend nicht verfügbar.
Nach Pelosis Taiwan-Besuch: China plant Manöver mit scharfer Munition
Benjamin Eyssel, ARD Peking, 4.8.2022 · 06:29