Stand: 08.08.2022 11:33 Uhr
China wollte seine Manöver zunächst am Sonntag beenden, sie wurden jedoch Anfang der Woche fortgesetzt. Auch Taiwan kündigte seinerseits Manöver an und warf China vor, die Invasion der Insel zu simulieren.
Von Kathrin Erdmann, ARD Studio Tokio
Chinesische Militärmanöver vor der Pazifikinsel Taiwan sollten nach Angaben der Führung der Volksrepublik am Sonntag enden. China setzte die Manöver jedoch heute fort.
Logo von NDR Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio
Jedenfalls kam es am Sonntag zu einem weiteren Kampf zwischen Festlandchina und Taiwan. Grund dafür ist die Behauptung Chinas, seine Kriegsschiffe seien in Taiwans Hoheitsgewässer eingedrungen. Sie wären zwölf Meilen – also etwas mehr als 19 Kilometer – von der Küste entfernt gewesen. Die taiwanesische Marine habe dies jedoch abgelehnt, berichtet die Zeitung „Focus Taiwan“. Alle chinesischen Kriegsschiffe wurden genau verfolgt und keines betrat dieses Gebiet.
Sun Li-fang, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, sagte gegenüber PTS TV: „Unser Militär überwacht weiterhin die Bewegungen mehrerer chinesischer Kriegsschiffe und Drohnen in der Taiwanstraße. Sie simulieren einen echten Angriff auf die Insel Taiwan und unsere Marineflotte. Sie verwenden bereits ein spezielles Überwachungssystem, um die feindlichen Bewegungen genau zu überwachen, und haben Schiffe und Flugzeuge als Antwort entsandt.”
Allein am Sonntag setzte das kommunistische Regime nach Angaben taiwanesischer Beamter 66 Flugzeuge und 14 Kriegsschiffe ein, und die Manöver endeten nicht wie versprochen mittags.
Taiwan verurteilt „unvernünftiges Handeln“
Taiwans Außenministerium verurteilte am Abend die jüngsten Provokationen des großen Nachbarn scharf und forderte einen sofortigen Stopp solcher unvernünftigen Aktionen. „China hat die Kritik und Bedenken der internationalen Gemeinschaft tagelang ignoriert. Jetzt hat es auch langfristige Militärübungen im Chinesischen Meer angekündigt und damit die Spannungen in der Region absichtlich erhöht“, sagte er.
Taiwan hatte zuvor gesagt, dass China bereits eine Invasion der Insel übe, und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Pekings Vorgehen im Indopazifik zu verurteilen.
Und trotz der Aufregung der letzten Tage gibt es auch Stimmen, die mit großer Nüchternheit und Sachlichkeit auf die Provokationen blicken. Als Su Tzu-yun, Direktor der Abteilung für Verteidigungsstrategie und -ressourcen in einer Denkfabrik des taiwanesischen Verteidigungsministeriums. Er sagt: „Wenn China wirklich einen amphibischen Angriff starten will, müsste es 300.000 bis 500.000 Soldaten aufbieten. Das würde niemals unbemerkt bleiben. Das heißt, es ist bisher nur ein Nervenkrieg.“
Möglicherweise um die eigene Bevölkerung zu beruhigen, will Taiwan nun eine umfangreiche Militärübung starten.
Übrigens provozierten Chinas Manöver nicht nur Taiwan, sondern auch Japan. Nicht nur, weil es in seine ausschließliche Wirtschaftszone eingedrungen sein soll. Darüber hinaus verkehrten Schiffe auch auf Okinawa und den Senkaku-Inseln, die auf Chinesisch „Diaoyu“ genannt werden. Die Senkakus, eigentlich nichts anderes als Steinhaufen, werden von Japan verwaltet und haben reiche Fischgründe.
Japan baut Allianzen aus
Gleichzeitig versuchte Japan, anderswo geopolitische Allianzen zu schmieden. Bei einem Besuch auf den Salomonen im Südpazifik sprachen sich beide Länder für eine engere Zusammenarbeit aus.
Engagement ist kein Zufall. Auch dort baut China seine Machtbasis aus. Erst im Mai unterzeichneten die Salomonen ein umfassendes Sicherheitsabkommen mit der Volksrepublik.
China: Manöver um Taiwan gehen weiter
Benjamin Eyssel, ARD Peking, 8.8.2022 · 09:26 Uhr