Der russische Präsident sprach von “beispielloser Sabotage” gegen Russlands Gaspipelines in Deutschland. Ein möglicher Drahtzieher wurde noch nicht genannt.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Lecks der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee als „Akt des internationalen Terrorismus“ bezeichnet. Laut Kreml sprach Putin bei einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag von “beispielloser Sabotage” gegen Russlands Gaspipelines in Deutschland.
Am Freitag wird sich der UN-Sicherheitsrat in New York mit den Leaks befassen. Das Treffen des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen wurde von Russland beantragt.
Russische Staatsanwälte haben am Mittwoch ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus wegen angeblicher Sabotage von Gaspipelines eröffnet. Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat von einem “Terrorakt” gesprochen, aber Putin selbst hat sich noch nicht so klar geäußert.
Ein möglicher Drahtzieher wurde noch nicht genannt. Der Kreml hatte unter anderem die Vorwürfe der Ukraine als „absurd“ bezeichnet, Russland zerstöre seine eigene Infrastruktur, um die Energiekrise in Europa zu verschärfen und im Westen vor dem Winter Panik auszulösen. Der Kreml weist seit Tagen jede Verantwortung für die Schäden an den derzeit nicht genutzten Pipelines zurück. Russland hatte um Teilnahme an der Untersuchung gebeten.
500 Kilo TNT
Nach einem Bericht des “Spiegel” gehen deutsche Sicherheitsbehörden davon aus, dass hochwirksame Sprengkörper eingesetzt wurden, um die Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee zu beschädigen. Berechnungen hätten ergeben, dass zur Zerstörung der Röhren Sprengkörper mit einer Wirkung vergleichbar mit 500 Kilogramm TNT eingesetzt werden müssten, berichtete der „Spiegel“ am Donnerstag.
Die Schätzung umfasste laut Bericht auch seismische Signale, die von verschiedenen Messstationen aufgezeichnet wurden. Der Nato-Rat, die EU und Vertreter der Regierungen unter anderem von Schweden, Dänemark und Polen gehen von einer vorsätzlichen Handlung als wahrscheinlichste Ursache für die Leaks aus. Mit solchen Aussagen hält sich die Bundesregierung bislang zurück.
Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Bundesregierung laut “Spiegel” von einer genaueren Untersuchung der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2. Aus Sicherheitskreisen hieß es, Taucher oder ein ferngesteuerter Roboter könnten die Schäden schon am Wochenende begutachten. Allenfalls ließen sich dann erste Rückschlüsse auf die Art der Unterwasserexplosion und den verwendeten Sprengstoff ziehen.
In den vergangenen Tagen waren auf schwedischem und dänischem Hoheitsgebiet in der Ostsee mehrere Lecks in den von Russland nach Deutschland führenden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 festgestellt worden. Die Leitungen sind zwar nicht in Betrieb, aber aus technischen Gründen mit Gas gefüllt.
(WAS/AFP)