Preis spielt mit Kopfhörern Gabriel Clemens erzeugt ein irres Dart-Feeling
Von Kevin Schulte, London, 01.01.2023 um 21:58 Uhr
Das deutsche Darts-Märchen bei der WM in London geht weiter: Gabriel Clemens siegt sensationell mit 5:1 gegen den Weltranglistenersten Gerwyn Price und zieht ins Halbfinale ein. Dort wartet der nächstbeste Spieler.
Nicht nur aus sportlicher Sicht ist die World Darts Championship um einen denkwürdigen Abend reicher. Gabriel Clemens steht sensationell im Halbfinale und schlägt den Weltranglistenersten Gerwyn Price mit 5:1. Der „Iceman“ ist nach dem vierten Satz so frustriert und verzweifelt, dass er aufgrund der Buhrufe des Publikums plötzlich mit Kopfhörern spielt. Das war noch nie zuvor passiert.
Nichts davon half. Der Akt der Verzweiflung schien Price weiter zu entgleisen. Clemens nahm auch Satz fünf, für die sechste Runde tauchte Price plötzlich wieder ohne Kopfhörer, aber mit Ohrstöpseln auf. Das hat auch nicht geholfen. Gabriel Clemens nutzte seinen ersten Dart des Matches zum Sieg und nachdem erstmals ein Deutscher das Viertelfinale erreichte, steht er nun auch erstmals im Halbfinale.
Clemens gewinnt fünf Sätze in Folge
Völlig schräg: Gerwyn Price mit Kopfhörern.
(Foto: IMAGO/Sports Images Pro)
Der Preis begann stark am Anfang. Der „Iceman“ gewann den ersten Satz in Windeseile. Für die drei Legs benötigte er nur 42 Darts, ein außergewöhnlicher Wert. Aber auch Clemens fand schnell zu seiner guten Form aus den vorangegangenen drei WM-Spielen. Price ließ im zweiten Satz einige Chancen aus, Clemens traf immer öfter den acht Millimeter dreifach schmalen Court. Die 1:1 Zuordnung in Sätzen war logisch.
Im dritten Satz gab Price mit sechs perfekten Darts erneut das erste Signal, das aber nicht nachhaltig war. Vielmehr nahm Clemens, der mittlerweile durchschnittlich 107 Punkte pro Schuss erzielte, selbst das Urteil. Er konnte es sich sogar leisten, sieben Darts zum Satzgewinn zu verpassen, Versuch Nummer acht brachte den „deutschen Giganten“ schließlich mit 2:1 in Führung.
Ähnlich war das Bild im vierten Satz: Clemens punktete besser als der Weltranglistenerste und leistete sich erneut viele Fehler beim Doppelwurf. Noch stand es in der Runde 3:1 für die Saarländer. „Es ist unglaublich. Danke, Deutschland“, sagte ein völlig überwältigter Gabriel Clemens zu „Sky Sports“.
Auch Smith und Van den Bergh machten weiter
Im Halbfinale am Montagabend trifft Price nun auf Michael Smith. Das Duell mit seinem englischen Landsmann Stephen Bunting gewann der „Bully Boy“ am Nachmittag mit 5:3. Sein Auftritt war kein glorreicher Erfolg, allerdings hätte der Ausländer Bunting das Match gewinnen müssen. Aber seine jüngste starke Doppelrate ließ “The Bullet” fallen. Smith, der deutlich seltener Triple Pitches traf als Bunting, profitierte von vielen Fehlern seines Gegners. “Das war heute nicht meine beste Leistung. Ich habe die Hälfte des Spiels wie ein Mist gespielt, aber manchmal wird man schmutzig”, schloss Smith, der sagte, er mache sich “zu viel Druck”.
Auch das erste Viertelfinale am Neujahrstag war nach acht Sätzen entschieden. Dimitri Van den Bergh hat mit seinem 5:3-Sieg über Jonny Clayton belgische Dartsgeschichte geschrieben. Der 28-Jährige erreichte im dritten Anlauf erstmals das Halbfinale und steht nun als erster Belgier im Halbfinale des World Cup of Darts. “Ich bin sehr glücklich. Sie haben mir erlaubt, das Hotel um eine Nacht zu verlängern, ich muss morgen früh nicht um 6.45 Uhr aufstehen, ich kann schlafen. Das bedeutet, dass ich bei dieser WM gute Dinge getan habe”, sagte er sagte. Van den Bergh auf ntv.de.
An den letzten beiden Turniertagen kommt es nicht mehr zu einem ungeliebten Nachmittagsmatch unter den Spielern. Van den Bergh kann ganz entspannt in den Tag starten, bevor er am Abend im Halbfinale gegen Topfavorit Michael van Gerwen oder den englischen Außenseiter Chris Dobey antreten muss.