Proteste im Iran. Prominente Schauspielerin festgenommen

Stand: 17.12.2022 20:32 Uhr

Das iranische Regime geht erneut hart gegen die Filmindustrie des Landes vor: Die international bekannte Schauspielerin Taraneh Alidoosti wurde festgenommen. Er hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach mit der Protestbewegung solidarisiert.

Die iranischen Behörden haben eine der berühmtesten Schauspielerinnen des Landes im Zusammenhang mit Protesten gegen die Regierung festgenommen. Staatliche Medien berichteten, dass Taraneh Alidoosti beschuldigt wurde, Unwahrheiten über die landesweiten Proteste verbreitet zu haben. Dies führt in der Regel zu einer langen Haftstrafe.

Solidarität mit den Verurteilten

Alidoosti hatte sich wiederholt mit der Online-Protestbewegung solidarisiert, die durch den Tod des jungen kurdischen Mädchens Mahsa Amini im September in Gewahrsam der Sittenpolizei ausgelöst worden war. Die Schauspielerin hatte kürzlich auch die Hinrichtung des jungen Demonstranten Mohsen Schekari angeprangert. „Jede internationale Organisation, die dieses Blutbad sieht und nicht reagiert, ist eine Schande für die Menschheit“, schrieb er auf Instagram über die Hinrichtung.

Shekari wurde am 9. Dezember hingerichtet. Ein iranisches Gericht verurteilte ihn zum Tode, weil er bei Protesten gegen die Regierung angeblich eine Straße in Teheran blockiert und einen Angehörigen der Sicherheitskräfte mit einer Machete angegriffen hatte. Alidoosti sei nun festgenommen worden, weil sie ihre Kritik nicht beweisen könne, schrieb die Nachrichtenagentur Irna.

Der Film wurde verboten

Alidoosti postete im vergangenen Monat auf ihrer Instagram-Seite ein Foto von sich ohne das im Iran obligatorische Kopftuch und bekundete damit öffentlich ihre Solidarität mit der neuen Frauenbewegung und den seit drei Monaten andauernden Protesten. Dabei setzte sie ihre Karriere aufs Spiel und wurde deshalb im In- und Ausland für ihren Mut gelobt.

Alidoosti ist eine der international erfolgreichsten Schauspielerinnen des Iran. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen die Dramen „The Salesman“ und „All About Elly“, beide unter der Regie des zweifachen Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi. In diesem Jahr feierte er bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere mit seinem neusten Film „Leilas Brüder“. Öffentliche Vorführungen des Films in iranischen Kinos wurden vom Kulturministerium verboten.

Proteste mit vielen Toten

Bei den seit September andauernden Protesten sind nach iranischen Angaben mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Internationale Menschenrechtsorganisationen gehen von mehr als 450 Toten aus. Tausende Menschen wurden festgenommen. Die Demonstrationen richten sich unter anderem gegen die strenge Regulierung der Damenbekleidung. Amini, die nach ihrer Festnahme starb, wurde vorgeworfen, gegen die Regeln für das Tragen eines Kopftuchs verstoßen zu haben.

Die Demonstrationen werden zu einer der größten Herausforderungen für die iranische Theokratie. Zwei weitere bekannte Schauspielerinnen, Hengameh Ghasiani und Katajun Riahi, wurden ebenfalls festgenommen, weil sie in den sozialen Medien ihre Solidarität mit den Demonstranten zum Ausdruck gebracht hatten. Beide wurden inzwischen entlassen. Die international preisgekrönten Regisseure Mohammed Rasulof und Jafar Panahi bleiben hinter Gittern.

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