Putschpfusch bei Anne Will: Faeser zieht Beweislastumkehr zurück

3.000 Polizisten, 150 Durchsuchungen, 25 Festnahmen: Die Ampel zeigt deutlich die rechtsextreme Szene, doch Fragen bleiben, etwa bei Anne Will: „Razzia auf ‚Reichsbürger‘: Wie weit ist die ‚terroristische Bedrohung durch Feinde‘? Zustand?’

Die Gäste

▶︎ Nancy Faeser (52, SPD). Nach dem Einsatz will der Bundesinnenminister “kürzer durchhärten”. Sie ist dran.

▶︎ Herbert Reul (70, CDU). NRWs Innenminister will Beamte schneller ausweisen können, wenn sie zu Hass aufstacheln.

▶︎ Janine Wißler (42, links). Der Parteivorsitzende fordert: „Es ist dringend geboten, konsequent gegen rechte Netzwerke in Armee und Polizei vorzugehen!“

▶︎ Gerhard Baum (90, FDP). Der frühere Bundesinnenminister hat den “radikalen Erlass”, der sich vor allem an damalige Linksextremisten richtete, einst abgemildert: “Ich wollte keinen Kommunisten zum Lehrer haben!”

▶︎ Florian Flade (33). Der WDR-Reporter rät dringend dazu, die „regelmäßigen Gespräche“ dieser Gruppen ernst zu nehmen.

Infos, Hintergründe, Meinungen: In ihrer letzten Sendung vor der Weihnachtspause präsentiert die Talkshow-Moderatorin wieder das volle Programm. Das Zoff-O-Meter erwartet Klarheit statt Kontroversen.

Das verrückteste Szenario

Als Ausgangspunkt begrüßt die Versammlung die Erklärung des Innenministers vom Mittwoch: „Ermittlungen weisen auf den Abgrund einer terroristischen Bedrohung hin“, lautete Faesers Urteil nach der Razzia.

Anne Will lud Experten zum Gespräch über die sogenannten “Reichsbürger” ein

Foto: ARD

“Was sehen Sie da?”, fragt der Moderator der Talkshow. Die Erklärung des Ministers: „Wir sehen eine Vorbereitung auf mögliche Revolutionsphantasien! Eine sehr genaue Planung, die in den Bundestag eindringen und dann die Parlamentarier mit Waffengewalt konfrontieren wollte!“

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Mehr betroffene Analyse

„Da waren mehr als Verrückte“, ergänzt ihre Kollegin von der CDU NRW, „denn es gab Leute, die wissen, wie man so etwas macht. Und es gab Leute, die Waffen hatten oder Zugang zu Waffen hatten. Es war sehr wichtig, sich hier direkt einzubringen.”

Aber, so Reul weiter: „Wir haben schon 2018/19 darauf hingewiesen, dass es diese Milieus gibt und was dort passiert, mit diesen gemischten Szenen, die sich dort entwickeln, zwischen Rechtsextremisten und Menschen aus dem bürgerlichen Lager. Dass es im Internet eine Mischung schafft, die auch zum Handeln führen kann.”

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Foto: ARD

Weitere ominöse Parallelen

Reuls große Befürchtungen in Erinnerung an den Mord an dem hessischen CDU-Landrat Walter Lübcke im Jahr 2019: „Dass die Leute aufstehen, viele Likes geben, und dann kommt einer raus und schießt.“

„Die Ermittlungen werden zeigen müssen, wie konkret die Gefahr am Ende war“, sagte der WDR-Journalist. Dabei soll es nicht nur um die Ziele der Terroristen gehen: “Die RAF hat ihre sozialistische Utopie nicht bekommen, und der NSU hat ihr Viertes Reich nicht bekommen. Sie haben trotzdem gemordet!”

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Die gruseligste Liste

Die Talkshow-Moderatorin nutzt ihre Notiz: „Dieser Prinz, der Immobilienmakler ist, ist einer von ihnen. Ein ehemaliger Kommandant eines Fallschirmjägerbataillons, ein Richter und ehemaliger AfD-Abgeordneter, ein Polizist, ein Koch, ein Astrologe. Eine rohe Mischung! Was verbindet sie?

“Das ist Staatsfeindlichkeit”, antwortet der Journalist trocken. „Eine Antidemokratie. Elemente, die antisemitisch sind. Viele aus der QAnon-Bewegung, einer Internetsekte. Menschen, für die Trump ein Heilsbringer ist und die an pädokriminelle Eliten glauben. Menschen, die in der Corona-Pandemie radikalisiert wurden.“

Der einprägsamste Begriff

„Man liest über Salatbar-Extremismus“, zitiert Will. “Was ist das?”

„Das FBI hat den Begriff geprägt, weil man irgendwann keine Kategorie mehr hatte für das, was da erstellt wurde“, erklärt Flade. „Amerikaner sprechen viel über ‚häusliche Gewalt‘, gemeint ist die gewalttätige Szene der Extremisten im Inland.“

WDR-Reporter Florian Flade

Foto: ARD

Die erschreckendste Erinnerung

FDP-Baum hält die „Reichsbürger“ für noch gefährlicher als die RAF, gegen die er als Bundesinnenminister bis 1982 kämpfte, denn: „Die Bundesanwaltschaft hat gesagt, die Gefahr komme von der Mitte, nicht von den Rändern“.

Fragwürdigstes Beispiel: „Die Weimarer Republik ist zusammengebrochen, weil die Bourgeoisie die Demokratie nicht verteidigt hat“, warnt der Ex-Minister und hebt abwehrend die Hand: „Die RAF hat die Menschen nicht erreicht, aber es gibt hier Menschen, die das Dorf erreichen können . Leute, und das macht mir Sorgen!”

Der schärfste Vorwurf

Linke-Wissler hält es auch für notwendig, dass die “Reichsbürger” nicht als “harmlose Spinner, auch wenn ihre Pläne größenwahnsinnig sind”, abgetan werden.

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Will hält schnell ein Date mit Martina Renner, einem Mitglied seiner Partei. „Diese Razzia sieht aus wie eine PR-Aktion“, kritisierte der Bundestagsabgeordnete. Presseinformationen mindestens eine Woche zuvor gefährdeten nicht nur den Erfolg der Aktion, sondern auch die Sicherheit der Beamten. Boom!

Die erstaunlichste Erklärung

„Wann und wie haben Sie von der bevorstehenden Razzia erfahren?“, fragte der Moderator der Talkshow den Reporter. Flades freche Antwort: “Nun, ich kann mich nicht erinnern, bei Frau Faeser auf einen Kaffee eingeladen worden zu sein und dann irgendwie Adressen bekommen zu haben.”

Als niemand lachte, wurde der Reporter schnell wieder ernst: „Wir wussten, dass diese Razzien kommen würden“, berichtet er, „ungefähr zwei Wochen vorher. Durch Kontakte und Recherchen.“ Puh!

Die erstaunlichste Erklärung

Will wird lesen, dass “einer der Verdächtigen seinem Nachbarn einige Tage zuvor von der Razzia erzählt hat”. „Das hat der Erfinder auch nicht beabsichtigt“, schimpft er.

„Wenn dem so ist, muss das geklärt werden“, fordert Flade gereizt. Tatsächlich war ein Kollege dabei, als der Prinz festgenommen wurde, aber: „Wir haben seit drei Tagen nicht mehr im Auto vor dem Haus gesessen. Wir gefährden keine polizeiliche Maßnahme“.

Entscheidende Frage des Nachmittags

Die Talkshow-Moderatorin sucht nach Erklärungen für die vielen Leaks: „Es war genau das, was Sie wollten“, hakt sie verschmitzt nach. “Weil das auch demonstrative Wirkung hat und zeigt, wie belastbar eine Demokratie ist?”

„Nein“, dementiert der Minister vehement, lässt aber eine Hintertür offen: „Wenn die Sicherheitsbehörden Sie vorher informiert haben, dann müssen Sie das klären.“

Der unfairste Vergleich

Danach zeigt Will ein Foto des CDU-Ministers bei einer Clan-Razzia: „Du bist persönlich dabei und hast die Kameras nicht gescheut“, höhnt er. „Gefährden sie nicht die Sicherheit der Einsatzkräfte und dienen Ihnen letztlich nur als Innenminister?“ Entsetzlich!

“Jetzt müssen wir nicht alles verderben”, verteidigt sich Reul. „Die Razzies und Hausdurchsuchungen machen, wie Frau Faeser sagte, nur Sinn, wenn sie geheim gehalten werden. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. Und wenn ja, wird klar, wer da geredet hat!”.

Dann erscheint das Zoff-O-Meter

Der Esquerra-Chef will immer wieder darauf hinweisen, dass es ein „strukturelles Problem“ bei Polizei und Soldaten gebe. Reul verliert langsam die Geduld: „Du liegst total falsch!“, sagte er mit erhobenem Zeigefinger. “Das ist wirklich Unsinn! Das ist der Unterschied: dumm reden oder sich darüber Sorgen machen!”

Der energischste Rückzug

Dann kommt er zur Sache: Will möchte genau wissen, wie der Minister geplagte Beamte entlassen will: „Sie wollen das Disziplinarrecht ändern und die Beweislast umkehren“, erinnert er sich. “Wie stellst du dir das vor?”

Faesers Antwort machte die Runde sprachlos: “Nein, ich will keine Beweislastumkehr”, dementierte der Minister plötzlich. bitte ich um Verzeihung echt jetzt Nach all der Aufregung? Kalte Füße?

Nancy Faeser

Foto: ARD

Die beste Unterscheidung

Danach bemüht sich Faeser sichtlich um eine halbwegs überzeugende Begründung für den plötzlichen Sinneswandel: „Ich habe es ein bisschen umgangssprachlich im Fernsehen gemeldet“, entschuldigt er sich überschwänglich.

Sein neuer Ansatz: „Ich will das Disziplinarrecht so gestalten, dass es nicht mehr eines Verwaltungsakts bedarf, um Beamte zu bekommen, sondern durch einen Verwaltungsakt.“

Die unbequemsten Tests

“Dann geht es schneller”, erklärt Faeser, “es ist einfacher zu demonstrieren und einfacher zu handhaben.” Wir müssen nur schneller ans Ziel kommen.”

„Also statt Verwaltungsgericht entscheidet jetzt die Behörde selbst“, übersetzte der Talkmaster und nickte energisch mit dem Kopf des Ministers. “Dann haben sie die Möglichkeit zu klagen und zu sagen: Ich bin unschuldig.”

verstanden? „Der Begriff (Beweislastumkehr, d.Red) kommt aus dem Kampf gegen die Mafia“, zweifelt Flade. “Zeigen Sie mir, wie Sie Ihre Villa oder Ihren Ferrari finanziert haben, oder ich nehme es Ihnen weg.”

Doch das, so der Journalist weiter, „ist mit Verfassungstreue etwas schwierig. Was soll diese Person tun? Soll ich meine Hand auf das Grundgesetz legen und irgendwie nochmal fluchen?“ Starkes Schweigen von FDP-Baum und CDU-Reul.

Eher sachliche Analyse

Flade hat auch Einwände gegen die “Reichsbürger” in Uniform: “Dort gibt es ehemalige Soldaten, deren Dienst lange zurückliegt”, stellt er fest. “Und auch bei der Polizei Leute, die schon lange beurlaubt sind und nicht mehr im Dienst sind.”

Der Journalist warnt jedoch davor, dass die Spezialeinheiten mit ihrem „urkomischen Korpsgeist“, den die Wissenschaft „Giftpolizei“ nennt, Gefahren bergen…

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