Razzia bei „Last Generation“: „Kriminelle Organisation“? Hausdurchsuchungen von Aktivisten

Deutschlands nationaler Einfall

“Kriminelle Organisation”? Hausdurchsuchungen von Aktivisten der “letzten Generation”.

Ab: 16:39 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Razzien gegen selbsternannte Klimaaktivisten in sechs Bundesländern

Mit Durchsuchungen in mindestens sechs Bundesländern sind Polizei und Staatsanwaltschaft gegen Klimaschutz-Demonstranten der Gruppe “Last Generation” vorgegangen. Betroffen sind Wohnungen und andere Räume in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

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An mehreren Orten in Deutschland durchsuchen Polizisten die Wohnungen von Klimaaktivisten. Es gibt eine Beschwerde, dass sie eine kriminelle Vereinigung gebildet haben. Auslöser der Ermittlungen war offenbar ein Protest gegen eine Pipeline.

Am Dienstagmorgen durchsuchten Polizisten elf Wohnungen von Aktivisten der Klimaprotestgruppe „Last Generation“. Ermittler beschlagnahmten Laptops, Handys und Plakate.

Die Ermittlungen leitet laut WELT die Staatsanwaltschaft Neuruppin. Oberstaatsanwalt Cyrill Klement sagte, die Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Neuruppin würden bundesweit durchgeführt. Zu den gesuchten Objekten gehören nach Angaben der “jüngsten Generation” Wohnungen in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und nach WELT-Informationen in Brandenburg.

Auslöser der Ermittlungen waren offenbar Sabotageakte der “neuesten Generation” an einer Gasleitung in Schwedt. Seit dem Frühjahr hatten Aktivisten mehrfach versucht, den Ölfluss zu unterbrechen. Die betroffene PCK-Raffinerie sagte, sie habe Aktivisten im Oktober einen Dialog angeboten. Weitere Protestaktionen an einer Pumpstation führten jedoch dazu, dass die Gespräche ergebnislos unterbrochen wurden.

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Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft Klement geht es auch um den Vorwurf der Bildung und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB. Der Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung kann gegeben sein, wenn der Beschuldigte eine wiederholte Absicht hat, Straftaten zu begehen.

Die Ermittlungen markieren einen Kurswechsel der Behörden im Umgang mit Aktivisten. Zuletzt kam die Generalstaatsanwaltschaft Berlin zu dem Schluss, dass es sich bei der „letzten Generation“ nicht um eine kriminelle Vereinigung handele. Bald darauf beschlossen die Innenminister der Länder, ein Bundeslagebild zu den Protestaktionen der Gruppe zu erstellen.

Kritik an Neubauer

§ 129 StGB ist in Deutschland nicht umstritten. Kritiker sprechen von einem „Schnüffelparagraphen“. Ermitteln die Behörden die Bildung einer kriminellen Vereinigung, eröffnen sich ihnen unter bestimmten Voraussetzungen weitreichende Möglichkeiten. Ermittler können dann Telefone und Abhörräume abhören und Personen beobachten. Bundesweit führen jedoch nur etwa fünf Prozent aller Ermittlungsverfahren nach § 129 zu einer Anklage.

Aimée van Baalen, Sprecherin der „Last Generation“, sagte zu den Durchsuchungen: „Das alles, weil die Bundesregierung gegen unsere Verfassung verstößt und sich immer noch nicht an das Pariser Abkommen hält und diese Leute deswegen auf die Straße gehen.“ : „Voraussetzung für den demokratischen Prozess ist die Möglichkeit, sich frei und öffentlich zu treffen, sich als Gruppe zu vereinen und auch Widerstand zu leisten. Wenn dieses Prinzip kriminalisiert wird, bedroht es die Grundlagen der Demokratie.“

Auch Luisa Neubauer, eine der bekanntesten Klimaaktivistinnen Deutschlands, nannte die Durchsuchungen „grenzenlos unverhältnismäßig“ und eine „absurde Aktion“.

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Die Ermittlungen richten sich offenbar unter anderem gegen die Sprecherin von „Last Generation“, Carla Hinrichs. Hinrichs schrieb auf Twitter: „Es ist beängstigend, wenn die Polizei deinen Kleiderschrank durchsucht. Aber denkst du ernsthaft, dass wir jetzt aufhören?“

Hinrichs bei einem Schnitt in Berlin

Bildnachweis: Getty Images/Sean Gallup

Aktivisten der „letzten Generation“ hatten seit dem Frühjahr mehrfach die Ölversorgung der Raffinerie PCK Schwedt an den Pumpstationen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg unterbrochen. In einigen Fällen war es nur ein Versuch. Aus diesem Grund waren die Aktivisten in das Gelände der Pumpstationen eingedrungen. Mit 1.200 Arbeitsplätzen ist die PCK Schwedt die wichtigste Raffinerie für die Kraftstoffversorgung von Tankstellen in Ostdeutschland.

Bereits im November waren auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Dresden die Wohnungen mehrerer Aktivisten durchsucht worden. Sie werden der Sachbeschädigung verdächtigt. Ihnen wird vorgeworfen, im August in Dresden am Rahmen des Gemäldes der Sixtinischen Madonna festgehalten zu haben. Der Sachschaden betrug 4.000 Euro.

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