Duisburg / Düsseldorf – Gut zwei Monate nach der Schießerei zwischen Rockern und Mitgliedern des Clans in Duisburg mit mehreren Verletzten sind neue Details bekannt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen 49 Verdächtige, die insgesamt 146 Einträge im Strafregister haben.
Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD an den Landtag hervor.
Kriminaltechniker haben in einem Schaufenster ein Einschussloch markiert, um die Richtungen zu verdeutlichen, aus denen die Schüsse abgefeuert wurden.
Foto: Erwin Pottgießer / dpa
Am 4. Mai 2022 versammelten sich laut Ermittlern etwa „100 Personen aus dem Rockerumfeld und dem Clan, die als organisierte und schwere Kriminelle einzustufen sind, mit einer aggressiven Grundhaltung“ auf dem Altmarkt in Hamborn. Mindestens drei Personen feuerten 28 Schüsse ab. Vier der Beteiligten seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, aber “weitere Verletzungen aus dem Umfeld der beiden Gruppen werden vermutet”.
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Nach Angaben des Innenministeriums gehören 22 der bisher identifizierten 49 Teilnehmer des Treffens den Hells Angels an, der Rest gehört meist zwei Großfamilien an.
Bei einigen wissen wir es nicht genau. Fest steht: Die meisten Angeklagten sind vorbestraft.
Spuren, darunter viele Patronenhülsen, haben Polizisten auf dem Altmarkt mit weißen Kreisen markiert
Foto: Erwin Pottgießer / dpa
Auf Anfrage der AfD legt das Ministerium anonym alle Einträge im Bundeszentralregister offen: Bei mehreren Tatverdächtigen liegt die Zahl der strafrechtlichen Verurteilungen im zweistelligen Bereich.
Die Bluttat begann mit einem Telefonanruf
Zunächst soll ein Libanese, Mitglied der Charta der Duisburger Hells Angels, seinen Rocker-Chef angerufen haben.
Der Kopf ist der berühmte Hell Angel Selahattin A. (auch bekannt als: „Selo“ oder „Apache“, weil sein Markenzeichen auf seiner Glatze ein langer Zopf mit haarigen Haaren ist). Er soll den Libanesen des Clubs verwiesen haben, ohne es ihm persönlich zu sagen.
Der berühmte Höllenengel Selahattin A. (alias: „Selo“) soll ein Mitglied des Vereins ausgewiesen haben.
Foto: Privat
„Du hast nicht die Eier, mir das ins Gesicht zu sagen“, soll der Libanese dem Rocker-Chef am Telefon zugerufen haben. Aber angeblich antwortete Selo nur, dass er ihr nichts sagen müsse.
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Der Libanese soll Selo beschimpft haben, ihn nach BILD-Informationen als „Hurensohn“ und „Pussy“ bezeichnet haben.
Der Grund für die Ausweisung des Libanesen ist brisant: Der Chef des Rockers Selo soll erfahren haben, dass der Libanese seine eigenen “Brüder” bei der Polizei gemeldet und sogar Hells Angels getauft hat, ein schwerer Verstoß gegen den Kodex des Rockers !
Nach BILD-Informationen soll Selo im Besitz dieser Ermittlungsakten gewesen sein und sie bei dem Treffen auf dem Hamborner Altmarkt mit dem Libanesen gehabt haben.
Dann verschärfte sich das Treffen: Nach BILD-Informationen hat die türkische Fraktion um Selo den libanesischen Clan regelrecht getroffen. Erst flogen die Fäuste, dann die Kugeln. „Sie haben aufeinander geschossen“, sagte ein Ermittler.
Ein auf Twitter kursierendes Video von Anwohnern zeigt einen wütenden Rocker-Mob, der einen Laden zertrümmert. Es soll der libanesische Snack gewesen sein, der geworfen wurde.
Und er hatte großes Glück!
Die Menschenmenge wütete am Mittwochabend in diesem Duisburger Geschäft
Foto: Erwin Pottgießer
Wenn ein Hells Angel die Polizei anspricht, muss er nach den internen Regeln des Rockers sofort des Clubs verwiesen werden, und zwar in einer “schlechten Situation”, das heißt unehrenhaft. Das bedeutet, dass er geächtet ist und von Gruppenmitgliedern schwer angegriffen werden muss, wenn sie ihm begegnen.
Nach BILD-Informationen hat Selo den Libanesen nicht in „schlechter Position“ entlassen, um die anderen Libanesen nicht vom Klub zu vergraulen.