Schrecken nach Irrfahrt: Thurgauer Neonazis schlagen fünf Beamte

Der durchgeknallte Neonazi aus dem Thurgau schlägt wieder zu

In Untersuchungshaft schlägt Günther S. im Krankenhaus auf fünf Beamte ein

Er verschönerte zunächst die Autos am Lago Maggiore. Die Schweizer richteten die Muskete dann auf Umstehende und Polizisten. Schließlich flippt der verrückte Schütze in der Haft aus. Jetzt wurde Günther S. in eine psychiatrische Anstalt in Turin (I) verlegt.

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Es gibt Szenen wie aus einem Actionfilm: Die Überwachungskamera einer Tankstelle am Lago Maggiore zeigt einen Thurgauer, der mit einer Waffe auf Passanten zielt.

Myrte Müller und Nicolas Lurati

Eine Vernehmung scheint nicht möglich. Italienische Behörden haben wiederholt versucht, Günther S.* (31) zu seinem Amoklauf am vergangenen Samstag zu befragen. Jedes Mal musste das Treffen mit dem Untersuchungsrichter unterbrochen werden. Der Schweizer konnte die Fragen nicht beantworten und war aggressiv. Am Dienstag eskalierte die Situation im Gefängnis von Verbania.

Der Neonazi aus Turgovia greift laut “La Stampa” fünf Polizeibeamte an und verletzt sie so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Der Mann hat Kampferfahrung, vermuten die Ermittler. S. wurde noch am selben Tag in ein Gefängnis in Turin verlegt, das über eine psychiatrische Abteilung verfügt.

Warum der Neonazi aus Turgovia bei seinem Wochenendausflug an den Lago Maggiore Angst bekam, ist noch unklar. Günther S. überquerte am Abend des 8. Oktober die Grenze von Brissago TI nach Italien. Kurz nach 18 Uhr begann in der Nähe von Arona sein Amoklauf. Er fuhr auf der Seeuferstraße wiederholt mit Autos zusammen, beschädigte dabei 15 Fahrzeuge und verletzte vier ihrer Besitzer.

„Ich habe ihm gesagt, er soll die Waffe fallen lassen“

An einer Tankstelle in der Nähe von Meina sprang er mit nacktem Oberkörper von seinem schwarzen VW und deutete mit Muskete und Bajonett wahllos auf Passanten und entgegenkommende Autos. Er kehrte schließlich an den Golf zurück und fuhr in Richtung Schweizer Grenze, bis er in der Nähe von Belgirate die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und gegen eine Sicherheitsbarriere prallte.

Als die Carabinieri eintrafen, wurde die Situation angespannt. Daran erinnert ein Beamter in einem Interview mit “La Stampa”. „Er war mit einer Waffe in der Hand auf der Straße. Ich näherte mich bis auf sieben Meter. Er blieb regungslos stehen und sah mir in die Augen. Ich sagte, er müsse die Waffe fallen lassen“, sagt Salvatore Moscato (34), „dann habe ich sehen Sie den Kindersitz, der aus dem Auto geschleudert wurde.”

Mit Kokain vollgepumpt

Günther S. muss es plötzlich auch gemerkt haben. Jedenfalls legte er das Gewehr weg, fiel auf die Knie und ließ sich verhaften. „Ein Projektil lag neben dem Gewehr, andere lagen verstreut auf der Straße, einige waren in den Hosentaschen“, erinnert sich der Karabiner. Am Golf beschafften sich Beamte mehr Munition und ein Banner mit Reichsadler und Hakenkreuz. Zudem hatte Günther S. vier gestohlene Nummernschilder mit Schweizer Kennzeichen bei sich.

Mehr Infos zu Günther S. und seiner Wut

Günther S. wurde Blut abgenommen. Die Ermittlungen ergaben: Der Schweizer war high von Kokain. Haben Drogen Psychosen verursacht? Auch Tage nach dem Aufruhr konnte sich der Neonazi nicht beruhigen. Er befindet sich derzeit in psychiatrischer Behandlung.

* Der Name hat sich geändert

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