Schwacher Wochenstart DAX-Verluste breiten sich aus

Stand: 22.08.2022 12:39 Uhr

Bis zum Mittag ziehen sich Anleger flächendeckend aus dem Aktienmarkt zurück und treiben den DAX deutlich ins Minus. Zins- und Inflationssorgen belasten den Handel und der Euro fällt weiter.

Zins- und Inflationsängste haben den Aktienmarkt zu Wochenbeginn fest im Griff. Der DAX baute seine Verluste am Mittag deutlich aus und fiel zeitweise um zwei Prozent auf ein Tief von 13.264 Punkten. Der Preisnachlass liegt derzeit bei rund 1,5 Prozent.

Bis Freitag verlor der deutsche Leitindex bereits 1,1 Prozent auf 13.544 Punkte, auch die amerikanischen Aktienmärkte gaben deutlich nach. Die Anleger werden wieder vorsichtiger, nachdem sie zuletzt trotz deutlicher Warnungen von Experten und Notenbankern darauf gewettet haben, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten haben könnte. Konjunktur- und Inflationssorgen kehren zurück, zumal Russland vor dem Wochenende angekündigt hat, Ende August die Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 für drei Tage einzustellen. Dies könnte die Besorgnis über Gasknappheit im Winter neu entfachen.

Jackson Hole im Fokus

Auch die an diesem Donnerstag beginnende Notenbanksitzung in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming wirft ihre Schatten auf den Aktienmarkt. Anleger spekulieren, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter stark straffen wird, um die hohe Inflation einzudämmen. Infolgedessen schieden Anleger Anlagen aus, die sie für riskant hielten. Bei einer weiteren deutlichen Zinserhöhung der Fed um 0,75 Prozentpunkte würden Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren weiter an Attraktivität verlieren.

Laut Marktbeobachter Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets positionieren sich Anleger derzeit vorsichtiger, auch in Erwartung neuer geldpolitischer Signale. Seiner Ansicht nach könnte die Sitzung der Zentralbank in Jackson Hole später in dieser Woche den Ton für den Rest des Jahres angeben.

Wirtschaftsupdate vom 22.08.2022

Klau-Rainer Jackisch, Personal, 22.8.2022 09:42 Uhr

Die US-Futures sind im Minus

Auch die US-Aktienmärkte werden derzeit voraussichtlich schwächer, wie Futures auf die wichtigsten US-Aktienindizes zeigen. Die zinssensitive Technologiebörse Nasdaq ist erneut besonders stark betroffen. Aber die Futures auf den führenden Aktienindex Dow Jones sind um weniger als 0,9 Prozent gefallen. In New York werden heute keine Großveranstaltungen erwartet.

Fresenius nach Führungswechsel im Fokus

Im DAX liegt die Fresenius-Aktie klar gegen den Trend und führt den Index an, auch die Aktien der Dialyse-Tochter FMC sind gefragt. Nach turbulenten Zeiten muss ein neuer Mann die Ärzte- und Krankenhausgruppe in die Dauerkrise führen. Zum 1. Oktober 2022 hat der Aufsichtsrat den kommissarischen Leiter der Tochtergesellschaft Fresenius Kabi, Michael Sen, zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Der Markt sagte, dies sei ein Schritt, den die Anleger angesichts des Aktienkurses erwartet hätten, der nun auf den niedrigsten Stand seit 2012 gefallen sei.

Ganz überraschend kommt der Personalwechsel nicht: Nach wiederholten Gewinnwarnungen in den vergangenen Jahren musste der scheidende Vorstandsvorsitzende Stephan Sturm lediglich die Ziele für das laufende Jahr kürzen. Das war wohl der letzte Tropfen für den Aufsichtsrat, der Sturm trotz anhaltender Probleme die Treue gehalten hatte. Der Manager verlasse das Unternehmen “im guten Einvernehmen”, sagte er.

China senkt die Zinsen

China will die Kreditnachfrage in der von Immobilienkrise und Corona-Ausbrüchen gebeutelten Wirtschaft durch eine erneute Leitzinssenkung weiter ankurbeln. Der Zinssatz für einjährige Kredite (LPR) wurde um fünf Basispunkte auf 3,65 Prozent zum monatlichen Zinssatz der Zentralbank (PBoC) gesenkt, während der Zinssatz für fünfjährige Kredite um 15 Basispunkte auf 4,30 Prozent fiel.

Euro kurz unter Dollarparität

Die jüngste Euro-Schwäche setzte sich am Morgen fort. Für einen Euro wurden mindestens 0,9988 $ bezahlt, aktuell wird er bei 1,0006 $ gehandelt. In der Folge ist der Euro wie schon im Juli unter den Dollar gefallen. Experten sprechen von Parität, wenn der Wechselkurs zweier Währungen genau gleich ist.

Der Dollar profitierte zuletzt von vermehrten Spekulationen, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen im September erneut um 75 Basispunkte anheben würde. Später am Tag wird erwartet, dass der Handel mit dem Euro ziemlich düster wird, da keine wichtigen Wirtschaftsdaten auf der Tagesordnung stehen.

Schwäche des deutschen Exports außerhalb der EU

Belastend dürfte auch wirken, dass deutsche Exporteure mit einem deutlichen Rückgang wichtiger Geschäfte mit Nicht-EU-Ländern in die zweite Jahreshälfte starten. Laut Statistischem Bundesamt sind die Ausfuhren in diese sogenannten Drittländer im Juli um 7,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Dies war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge.

Ölpreise fallen: Gaspreise steigen weiter stark an

Die Ölpreise bauten ihre größten Verluste am Mittag etwas ab, bleiben aber im Minus. Ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent liegt etwa 0,5 Prozent niedriger bei 95,73 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte…

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